Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

PSA-Test

01.3.2012


Der PSA-Test ist in der Lage, schon in einem mikroskopisch kleinen und deshalb noch nicht sicht- oder tastbaren Stadium auf mögliche bösartige Veränderungen der Vorsteherdrüse hinzuweisen.

Hier sollte aber vorausgeschickt werden: Die DRU (digitale rektale Untersuchung), die am besten beim stehenden, vornübergebeugten Patienten durchgeführt wird, ist neben der PSA-Bestimmung die wichtigste Untersuchung zur Erkennung eines Prostatakarcinoms insbesondere bei Männern mit unauffalligen Serum- PSA-Werten. (Univ. Prof. Djavan, Österreich)

In der Prostata wird sowohl von normalen wie auch bösartigen Proststazellen ein Eiweiß gebildet, dessen Menge man im Blut durch ein Labor messen kann. Das Ergebnis ist der PSA-Wert.

Der PSA-Wert hat die Einheit ng/ml (Nanogramm pro Milliliter). Das PSA ist ein prostata-spezifischer Marker, der dem Arzt anzeigt, ob z.B. mit der Prostata etwas nicht in Ordnung ist. Ist die Prostata entfernt worden, dann ist der PSA-Wert ein Prostata-Krebsmarker.

Je nach Lebensalter steigt der PSA-Wert. Ein Anstieg des PSA-Wertes kann Ursachen haben wie z.B. eine vergrößerte Prostata, eine Prostataentzündung (Prostatitis), den Prostatakrebs u.a..

Je frühzeitiger der Prostatakrebs diagnostiziert wird, umso eher ist er bekämpfbar.

Die PSA-Ausscheidung der Prostata-Zellen ist nicht bei allen Männern gleich, es gibt Niedrig-PSA-Ausscheider, Normal-PSA-Ausscheider und Hoch-PSA-Ausscheider.

Fettleibigkeit kann Prostatatest verzerren

Schon wieder ist der PSA-Test in einer leidigen Diskussion oder gar in Verruf geraten. Medienberichten einer texanischen Forschergruppe zufolge soll bei Männern ein Zusammenhang zwischen Uuml;bergewicht und der Höhe des PSA-Wertes bestehen. Je adipöser, je schwergewichtiger, je fettleibiger Männer seien, um so weniger PSA sei in ihrem Blut nachweisbar. Daraus sei zu schliessen, dass bei Übergewichtigen die geringeren PSA-Messwerte einen Krebs "tarnen" könnten, schreiben New York Times und Neue Züricher Zeitung. Im Klartext würde das bedeuten: Übergewicht kann den PSA-Test verzerren!

Wir wissen, der PSA-Test ist eine Vorsorgeuntersuchung und kann helfen, nicht nur die Risikopatienten zu erkennen, sondern auch die Gefahr eines Tumorwachstums durch frühzeitiges Überwachen.

Zweifellos weist der PSA-Test Mängel auf, denn PSA ist ein Prostata-spezifischer und kein Tumor-spezifischer Marker. Erst kürzlich wurde wieder kritisiert, dass die Mehrzahl (75 Prozent) der mit Hilfe des PSA-Wertes entdeckten Tumore so klein seien und so langsam wachsen würden, dass sie ihren "Wirt" (Besitzer) nie stören oder gefährden würden und viele Biopsien wie auch Prostataoperationen unnötig seien. Hier sei die Frage erlaubt: Und was machen die Männer mit einem klinisch relevanten Karzinom? Und das ist immerhin ein Viertel der Männer! Sicher ist auch: Mit dem PSA-Test gelingt es inzwischen, mehr als 80 Prozent der Krebserkrankungen vor der Ausbreitung auf angrenzende Gewebe (Kapselüberschreitung) zu entdecken. Vorher, mit Abtasten (Palpation) und ohne PSA-Test hat man überwiegend "Spätschäden" festgestellt.

(WDF) Meine persönliche Meinung:
Ehe wir den PSA-Wert noch mehr als unzuverlässigen Marker zerdiskutieren, sollten wir überlegen, ob nicht die Anstiegsgeschwindigkeit des PSA möglicherweise ein besserer Indikator ist als der absolute PSA-Wert selbst. Dann hätte PSA doch seinen Sinn behalten.

Informationen aus dem Internet, der Neuen Züricher Zeitung und Ärzteblatt

ergänzt Februar 2005

Ergänzung:
Eine aktuell 2005 auf dem Europäischen Urologenkogress in Instanbul vorgestellte Studie brachte folgende PSA-Erkenntnisse:
(Text von Günter Feick)

Bei 303 von 866 Männern mit einem präoperativen PSA-Wert kleiner als 8 ng/dl PSA wurde nach der OP ein Kapseldurchbruch diagnostiziert.

Bei 69 von 243 Männern mit einem präoperativen PSA-Wert von kleiner als 4 ng/dl PSA wurde nach der OP ein kapseldurchbruch diagnostiziert.

Bei 23 von 108 Männern mit einem präoperativen PSA-Wert kleiner als 2 ng/dl PSA wurde nach der OP ein Kapseldurchbruck diagnostiziert.

März 2005

Ergänzung:
aktuelle Meinung eines kompetenten Fachmannes: Die natürlichen Schwankungen in wöchentlich bis monatlich durchgeführten PSA-Messungen bei EINER Person betragen bis 30% (!!!) +- 5% Messungenauigkeit. Zusätzlich wird durch sogenanntes "Hintergrundrauschen" die PSA-Wertbestimmung im Niedrig-Bereich um 0.1 und niedriger immer ungenauer. Deshalb geben sehr seriöse Labore (Uni Münster z.B.) keine PSA unter 0.1 heraus - der Sinn der hypersensitiven Essays bis zur dritten Stelle nach dem Komma sind im Grunde Augenwischerei. HAMAs (Humane Anti-Maus-Antikörper) verfälschen die Bestimmung.

Daher plädiere ich auch immer wieder dafür, dass nicht so engmaschig PSA bestimmt werden. Im Regelfall sollte es "nur" dreimonatlich bestimmt werden (und nur bei vermuteten Ausrutschern kurzfristig wiederholt). Erst dann können signifikante Aussagen getroffen werden.

Unn dann hat es in letzter Zeit bei einem Teil der 70 existierenden PSA-Essays Neukalibrierungen mit Änderung der Messwerte gegeben - davon haben die Firmen nicht einmal ihre Labore informiert!!!

Anzumerken ist, die vorgenannten über 70 verschiedene PSA-Tests sind nicht wirklich miteinander vergleichbar. Die Abweichungen bei den verschiedenen Laboren betrugen bei einer 2001 vorgenommenen Untersuchung bis zu knapp 200 Prozent. Allein schon deshalb sollte für eine Verlaufskontrolle immer das gleiche Labor bemüht werden, denn dann kann anhand der Veränderungen wenn schon nicht der exakte PSA-Wert so doch aber das Ausmaß der Veränderung erkannt werden.

Univ. Prof. Djavan aus Österreich zum Thema PSA-Test:

Zur Zeit werden über 83 PSA-Bestimmungsverfahren auf dem Markt angeboten. Da sie mit verschiedenen, gegen unterschiedliche PSA-Antigen-Bindungsstellen (Epitope) gerichteten Antikörpern arbeiten, messen sie auch unterschiedliche PSA-Konzentrationen in derselben Blutprobe. Je nach PSA-Epitop, das von verschiedenen PSA-Verfahren erkannt wird, kann freies, mehrheitlich freies oder aber auch gleichermaßen freies und gebundenes PSA gemessen werden. Dies erklärt auch die Tatsache, dass je nach Testverfahren starke Variationen (Anmerkung: Schwankungen, Abweichungen, Unterschiede) hinsichtlich der Meßergebnisse vorliegen können.

Das größte Problem der alleinigen Serum-PSA-Messung ist aber die mangelnde Spezifität dieses Tumor-Markers. Um diese zu verbessern ....., wurden verschiedene PSA-Variationen eingeführt. Dazu zählen die PSA-Dichte der gesamten Prostata (PSAD) bzw. der Übergangszone (PSA-TZ), altersspezifische PSAGrenzwerte, der Quotient aus freiem und Gesamt-PSA (f/t-PSA), die PSA-Anstiegsrate (PSAV) sowie die PSA-Verdopplungszeit.

Lesen Sie mehr unter:
hier 
oder auch unter
PSA und DRU
oder unter
dieser Fundstelle
und dann sollten Sie noch die folgende Seiten lesen:

Entwarnung bei einmaligem PSA-Anstieg
Kallikrein

siehe auch einen wichtigen Hinweis zum PSA-Nadir und Prognose PSA-Nadir
Hypersensitiver PSA-Test, ein Beitrag aus 2004(!)
Hypersensitive PSA-Tests entdecken ein Rezidiv viel früher (vergleichbar wie mit einer Lupe).
In einer Studie bestätigt Dr. Huland, so war in München auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) am 18.10.2004 zu hören:
Hypersensitive PSA-Tests endecken ein Rezidiv 300 Tage eher als es übliche Untersuchungen vermögen.
Unter
Ultrasensitiver PSA-Test kann mehr noch zur unteren Nachweisgrenze beim PSA-Test nachgelesen werden.

Auszug aus einem Kommentar deutscher Urologen zu einer kritischen Stellungnahme, genauer gesagt, zu den Aussagen von Professor Richard Ablin, die unter dem Titel "Der große Prostata-Irrtum" in der News York Times und in der Süddeutschen Zeitung im Frühjahr 2010 veröffentlicht wurden. Zum PSA-Test heißt es:

So empfehlen die Leitlinien der Urologen, dass eine PSA-Erhöhung nur nach erneuter Kontrolle und Bestätigung dieser Erhöhung zu einer Diagnostik führt. Die sofortige Einleitung einer weiteren Diagnostik bei einem einmalig erhöhten PSA-Wert wird somit nicht empfohlen. Wichtigstes Kriterium zum Einsatz des PSA-Wertes ist ein differenzierter Umgang. Je älter ein Mann ist, desto eher ist man zurückhaltend mit der PSA-Testung, da langsam wachsende Tumoren diesen Mann wahrscheinlich nicht bedrohen. Je jünger ein Mann ist, desto eher ist dieser bei Vorliegen eines Prostatakrebses in seiner Lebenserwartung bedroht. Neben dem Alter wird deshalb weiterhin auch empfohlen, dass man die Dynamik des PSA-Wertes berücksichtigt, um eine weitere Diagnostik zu veranlassen

Fortschritt beim PSA-Test
...mehr dazu steht in einem Beitrag von Prof. Semjonow im BPS-Magazin des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe
2pro-PSA

letzte inhaltliche Aktualisierung im Mai 2010/April 2011

 


 

 

 

Ergänzung:

PSA und seine molekularen Formen

Folgende Parameter werden routinemäßig bestimmt (Immunoassay):

Gesamt-PSA (PSA)  - Diagnostik und Verlaufskontrolle Prostatakarzinom

Sensitives PSA (sPSA) - PSA-Kit mit niedriger Nachweisgrenze; Verlaufskontrolle nach radikaler Prostatektomie

Freies PSA (fPSA) - Konzentrationsbestimmung der unkomplexierten PSA-Moleküle im Serum; Berechnung des prozentualen Anteils am Gesamt-PSA; Erhöhung der PSA-Spezifität

Komplexiertes PSA (cPSA) - Konzentrationsbestimmung der komplexierten PSA-Moleküle im Serum; Erhöhung der PSA-Spezifität

ergänzt am 03.12.2014 WDF

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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