Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Lymphödeme bei Prostatakrebs

15.2.2011

Basiswissen Lymphödem bei Prostatakrebs - Was kann Mann tun?

Das Wissen der uns behandelnden Urologen über Lymphödeme ist manchmal nicht in dem für uns erforderlichen Umfang und ausgeprägt vorhanden. Um so wichtiger erscheint mir deshalb die Aufklärung von uns, also den Betroffenen. Eine Aufklärung über die möglichen Komplikationen bei Lymphödemen ist äußerst wichtig, um diese rechtzeitig zu erkennen und geeignete Behandlungsmaßnahmen zu ergreifen.

Sinn und Funktion des Lymphsystems

Das Lymphgefäßsystem dient der Entsorgung des Gewebes von Abbausubstanzen. Täglich produziert unser Körper zwei bis vier Liter Lymphflüssigkeit, ein Stoffwechsel-Endprodukt des Körpers. Ähnlich wie bei den Blutgefäßen ist über den gesamten Körper ein feines Netzwerk von Lymphgefäßen ausgebreitet. Diese nehmen die Lymphe auf, eine Flüssigkeit, die durch Austritt von Blutplasma aus Blutgefäßen ins Gewebe entsteht. Über Filtersysteme, das sind die Lymphknoten, wird die Lymphe gereinigt, Krankheits-erreger werden durch Lymphozyten (spezielle weiße Blutkörper-chen) abgetötet und das Wasser entzogen. Die Lymphe fließt weiter zum Körper-zentrum und wird dort wieder in den Blutkreislauf abgegeben. Die Lymphflüssigkeit besteht zum Teil aus Wasser, darüber hinaus enthält sie Eiweißsubstanzen, Zelltrümmer, abgestorbene Zellen, feine Fremdkörper (z. B. Staub), Bakterien und andere Krankheitserreger.

Was ist ein Lymphödem?

Wird der Lymphfluss gestört, sammelt sich eiweißhaltige Flüssigkeit im Gewebe an. Dann wird von einem Lymphödem gesprochen, eine sicht- und tastbare Schwellung. Eine der häufigsten Ursachen des Lymphödems ist das Entfernen von Lymphknoten bei Operationen. Aber auch Entzündungen, Parasiten und Verletzungen aller Art können Lymphödeme hervorrufen. Bei Männern kann sich z.B. durch das Entfernen von Lymphknoten bei der Prostataentfernung die Lymphe stauen und es komm zu einem Lymphödem in einem oder beiden Beinen. Darüber hinaus kann eine Strahlentherapie zur Verödung der oberflächlichen Lymphgefäße beitragen und so einen Lymphstau verursachen. Betroffen sind gelegentlich auch die Leistengegend oder der Unterbauch. Bei Männern besteht dann auch ein Risiko für eine Schwellung von Hoden und Penis.

Anfangs ist das Lymphödem noch weich; die Schwellung ist mit dem Finger eindrückbar. Mit der Zeit verfestigt sich das Gewebe, das Lymphödem lässt sich dann immer schwieriger wegdrücken. Ödeme vergrössern den Abstand zwischen den Blutkapillaren und den Körper-zellen. Diese verlängerte Diffusionsstrecke (vergrößerter Abstand) bedeutet für die Zellen eine schlechtere Ernährung. Das wiederum führt zu Zellschädigung, Zelltod und damit Gewebe-schädigung. Bereits hieraus ergibt sich, das ein Lymphödem möglichst bereits im Frühstadium richtig behandelt werden muß. Lymphödeme können extrem schmerzen und bergen ein hohes Infektionsrisiko ebenso wie die Ausbildung säulenartiger Beine (Elefantiasis).

Diagnose

Bei Männern mit Prostata-, Penis- oder Hoden-karzinom können Lymphödeme in den Beinen entstehen. Betroffen sind gelegentlich auch die Leistengegend oder der Unterbauch. Bei Männern besteht ein Risiko für eine Schwellung von Hoden und Penis. Ursache ist hier unter Umständen die Tumorerkrankung selbst, wenn gestreute Zellen die Abflusswege aus den Beinen im Becken und der Leiste verlegen. Die Entfernung von Lymphknoten und die Bestrahlung des Beckens oder der großen Baucharterie stellen ebenfalls Risikofaktoren dar. Typische Symptome für ein Lymphödem sind eine zunehmende Schwellung und vertiefte natürliche Hautfalten an den Gelenken sowie eine prall-elastische Konsistenz der Schwellung. In 82 % aller Fälle ist das Stemmer-Zeichen positiv, d. h. an den betroffenen Zehen lässt sich die Haut nicht hochheben, da sie durch das Ödem prall mit Lymphflüssigkeit gefüllt sind. Eiweissarme Lymphödeme zeigen immer eine tiefe Dellbarkeit (eine Delle bildet sich, wenn man mit dem Daumen fest gegen den Unterschenkel drückt; die Delle geht nur langsam zurück. Typisch sind auch die starken „Einschnitte“ in die Haut an den Stellen, wo der Gummizug der Socken den Tag über gespannt hat.), wogegen eiweissreiche Lympgödeme infolge Eiweiss-Fibrose-bildung ihre Dellbarkeit im Laufe der Zeit zunehmend verlieren.

Bei Fuß- und Zehenlymphödemen muss auf Pilzerkrankungen zwischen den Zehen geachtet werden, weil diese zu Einrissen der Haut führen können und dadurch wiederum Streptokokken in den Körper gelangen und dann ein Erysipel (bakterielle Infektion der oberen Hautschichten und Lymphwege, manchmal wird das auch als Wundrose bezeichnet) hervorrufen können. Eine rasche Behandlung dieser Entzündungen mit Antibiotika ist erforderlich.

Die Therapie des Lymphödems

Die Therapie wird im Wesentlichen bestimmt vom Eiweißgehalt des Ödems und der Ödemcharakteristik. Diuretika (Medikamente zum Entwässern des Gewebes) sind nur wirksam bei eiweißarmen Ödemen. Die manuelle Lymphdrainage oder auch «Komplexe Physikalische Entstauungstherapie» (KPE) ist indiziert bei eiweißreichen Ödemen. Die Behandlung des Lymphödems besteht im Wesentlichen in regelmäßiger Lymphdrainage.

Die Lymphdrainage ist eine Massage des geschwollenen Gewebes mit einer bestimmten Technik. Die anerkannt wirksamste Behandlung von Lymphödemen ist die aus verschiedenen Elementen bestehende manuelle Lymphdrainage (KPE): Die mit unterschiedlichem Druck durchgeführte, kreisförmige Massage mobilisiert gestaute Flüssigkeit im Gewebe und bringt sie zum Abfluss. Schwellungen gehen zurück. So muß zuerst in den körpernahen Abschnitten der Lymphabfluß zur Körpermitte hin mobilisiert werden, ehe entferntere Abschnitte behandelt werden können. Die Griffe werden langsam, gleichmässig und rhythmisch durchgeführt. Dabei wird die Haut nicht geknetet oder gedrückt sondern sanft gedehnt, so dass die Flüssigkeit aus dem Gewebe in die Lymphbahnen geleitet und die Pumpwirkung aktiviert wird. Die Manuelle Lymphdrainage findet auf trockener Haut statt, wobei an Stellen wo die Haut nicht dehnbar ist (z.B. auf Narben, bei prallen Ödemen, etc.) oder bei sehr trockener Haut ein Tropfen Massageöl sinnvoll sein kann.

Die Manuelle Lymphdrainage ist eine sehr angenehme Form der Massage, weil sie schnell Erleichterung schafft, weder Hautrötungen noch Schmerzen verursacht und weil durch die langsam rhythmische Bewegung rasch ein entspannter Zustand entsteht. Die Behandlungszeit und -dauer wird dabei auf das Krankheitsbild abgestimmt.

(Anmerkung: Bei mir wurde die manuelle Lymphdrainage mit jeweils einer Stunde Dauer verordnet, und zwar zunächst dreimal wöchentlich, später, nach 20 Terminen, nur noch zweimal wöchentlich.)

Neben den speziellen Greif- und Streichbewegungen kommt hier dem sorgfältigen Anlegen von Kompressionsbestrumpfung eine besondere Bedeutung zu, denn beim Lymphödem darf diese nicht elastisch sein. Daher muss die Bestrumpfung grundsätzlich in Flachstrick-Technik hergestellt werden (Anmerkung: Ich frage mich nur, warum wurden mir zunächst elastische Kompressionsstrümpfe angepasst und erst später Flachstrickstrümpfe? Ob die Elastischen, die jetzt in der Schublade liegen, wohl billiger waren? Oder wollte man erst mal abwarten, ob ich die Therapie durchhalte?).

Neben dieser manuellen Form gibt auch eine apparativ durchgeführte Lymphdrainage, bei der durch rhythmisch arbeitende Druckmanschetten um die Beine der Lymphstrom angeregt werden soll. Das ist eine rhythmische Kompressionsbehandlung mit gekammerten aufblasbaren stiefelartigen Beinüberzügen. Die Behandlungs-manschetten bestehen aus mehreren sich überlappenden Luftkammern aus Kunststoff. Bei der Behandlung werden die Luftkammern der Behandlungsmanschetten vom Zehnbereich rumpfwärts kontinuierlich mit Luft gefüllt, in der Form, daß die nächst-folgende Luftkammer erst dann mit Luft beschickt wird, wenn die davorliegende Kammer den gewünschten Behandlungsdruck erreicht hat. Sämtliche Luftkammern bleiben solange mit Luft gefüllt, bis auch die letzte Kammer den eingestellten Behandlungsdruck aufweist. Danach entweicht aus den Luftkammern gleichzeitig die Luft. Nach einer einstellbaren Pausenzeit (ca. 1 - 10 Sekunden) beginnt das Füllen der Luftkammern von neuem.

Nach der Lymphdrainage macht es Sinn, zur Verhinderung eines raschen und erneuten Anschwellens die Kompressionsstrümpfe sofort wieder anzulegen. Bewegungs-übungen, die durch abwechselndes Anschwellen und Erschlaffen der Muskeln die Pumpwirkung der Muskeln erhöhen, tragen zur weiteren Entleerung des Ödems bei. Gründliche Hautpflege und peinlichste Sauberkeit sind ebenso unerlässlich wie eine salzarme Ernährung und der Abbau bzw. das Vermeiden von Übergewicht.

Von zentraler Bedeutung beim Kampf gegen das Lymphödem ist die Eigenmotivation des Patienten: Ein Leben mit Lymphödem ist natürlich nicht völlig unbeschwert – doch wer bei den Therapien aktiv mitmacht, kann ein weitgehend uneingeschränktes Leben führen. Eine allgemeine vorbeugende Behandlung - also bei Betroffenen ohne Symptome – ist nicht zu empfehlen.

Vorsichtsmaßnahmen beim Lymphödem

• Keine intensive Belastung des betroffenen Beines (z.B. durch intensiven Sport)
• Verletzungen vorbeugen (Beine/Füße schützen bei der Arbeit)
• Vorsicht bei Hitzebelastungen. Keine heißen Bäder, die verstärken das Lymphödem.
• Druckbelastungen durch enges Schuwerk vermeiden
• Vorsicht bei der Fußpflege/Nagelpflege (ggf. profess. Dienst anfordern, bezahlt in bestimmten Fällen die Krankenkasse)
• Vermeiden von Injektionen an den betroffenen Gliedmaßen
• Beine möglichst hoch lagern, insbesondere nachts, damit die Lymphe abfließen kann.
• Vorsicht bei Saunabesuch, besser vorher zum Arzt
(Herzog-Klinik, Bad Salzhausen)

Bei sachgemäßer Anwendung durch gut ausgebildete Therapeuten treten Nebenwirkungen wie schmerzhafte Verspannungen oder niedriger Blutdruck nur sehr selten auf. Allerdings berichten Experten aus Fachkliniken, dass die Lymphdrainage immer wieder falsch angewendet wird. Mit gesundheitlichen Folgen: Der Zustand des Patienten kann sich verschlechtern, wenn beispielsweise zuerst nur das geschwollene Bein massiert wird, anstatt das gesunde Gewebe oberhalb der Schwellung auf den Abstrom vorzubereiten. Nicht angewendet werden darf die Lymphdrainage u.a. bei frischen Beinvenenthrombosen oder deren Entzündungen.
(Oekostest 02/06)

Wer bezahlt die Therapie?

Da es sich bei der Lymphdrainage um ein anerkanntes Verfahren handelt, beteiligen sich die gesetzlichen Krankenversicherungen bei ärztlicher Verordnung mit bis zu 90 Prozent an den Kosten.
(Oekotest 02/06)

Wie findet man einen qualifizierten Lymphtherapeuten?

Betroffene können im Internet unter
www.lymphnetzwerk.de
Informationen und Hilfe bei der Suche nach Therapeuten oder Fachkliniken finden. Sie können sich auch an die Deutsche Gesellschaft für Lymphologie (DGL)
www.dglymph.de wenden.
(Oekotest02/06)

Anmerkung:
Vor allem in Deutschland und in Österreich sind die Vorteile der manuellen Lymphdrainage bekannt, in den USA ist sie längst nicht so weit verbreitet.

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Bielefeld – Wolfhard D. Frost September 2008

Ergänzung:
Und was kann man machen, wenn am Bein offene Stellen entstehen (siehe untenstehendes Bild)und Lymphflüssigkeit beginnt auszutreten?
Bein konsequent hochlagern. Kompressionsstrümpfe vorerst weglassen, falls möglich bandagieren, unbedingt zum Arzt gehen, vermutlich wird eine kosequente Entstauung mittels KPE erforderlich ( Das Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, die mit Hilfe der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) erfolgreich behandelt werden kann. Sie ist die Therapie der Wahl bei Lymphödemen jeglicher Genese.), phasengerechte Lokaltherapie der Ulceration, evtl. systemische Antibiose , Schmerztherapie,Thrombosepropylaxe nicht vergessen.

letzte Aktualisierung im August 2010 Lymphödeme bei Prostatakrebs e% else %}



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