Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Harnröhrenverengung

01.2.2011

Bei der Verengung der Harnröhre (Harnröhrenstriktur) handelt es sich um eine gutartige Erkrankung, die verschiedene Ursachen haben kann. Hierzu gehören Infekte der Harnwege, Unfälle (insbesondere schwere Unfälle mit Beckenringfraktur) sowie alle Manipulationen an der Harnröhre (z.B. Kathetereinlage, Spiegelung). In manchen Fällen bleibt die Ursache unklar. Folgen einer solchen Harnröhrenenge können Probleme beim Wasserlassen bis hin zum kompletten Urinstopp (Harnverhalt) sein.

Bei einem erstmaligen Auftreten einer wird in der Regel eine Harnröhrenschlitzung (Urethrotomie) durchgeführt. Hierbei wird in Volloder Teilnarkose unter Sicht ein bleistiftdickes optisches Instrument in die Harnröhre eingeführt und mit einer Klinge oder einer Lasersonde die Verengung der Harnröhre erweitert. Anschließend wird ein Katheter über die Harnröhre eingelegt, der wenige Tage dort verbleibt. 60 – 70 % der Patienten, bei denen eine solche Schlitzung durchgeführt wird, benötigen keinen weiteren Eingriff.

Bei einem Wiederauftreten einer Harnröhrenenge sinkt der Anteil der Patienten, die mit einer Schlitzung geheilt werden können. Kommt es also zu einer erneuten Enge der Harnröhre oder ist die Enge sehr langstreckig ist eine offene Operation sinnvoll.
Urologische Universitätsklinik, Klinikum Mannheim

Chefarzt Dr. med. Gunnemann, Klinikum Lippe in Detmold: Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit besteht in der operativen Behandlung von wiederholt aufgetretenen Harnröhrenengen (Rückfall- oder Rezidivstenosen) aber auch bei langstreckigen, also ausgedehnteren Harnröhrenengen. In diesen Fällen reicht eine wie zuvor beschriebene erneute Schlitzung nicht aus, weil prinzipiell mit einem weiteren Rückfall gerechnet werden muss. In solchen Fällen sind völlig andere Behandlungsprinzipien erfolgreich. Ein sehr erfolgreiches Verfahren besteht in der operativen Entfernung des gesamten engen und vernarbten Harnröhrenabschnitts, wobei anschließend die "gesunden" Schnittränder der Harnröhre in mikrochirurgischer Nahttechnik wieder miteinander verbunden werden (sog. Segmentresektion und End-zu-End-Anastomose). Nach 10 bis 14 Tagen wird so wieder eine normale, unbehinderte Blasenentleerung möglich.

Bei ausgedehnteren, langstreckigen Harnröhrenengen (mehr als 20 mm) wird der verengte Bereich nicht entfernt, sondern längs aufgetrennt und durch körpereigenes Gewebe (Vorhaut, Penishaut, Mundschleimhaut etc.) erweitert (Onlay-Plastik). Auch bei dieser Operationstechnik ist nach 10 bis 14 Tagen eine normale, ungehinderte Blasenentleerung zu erwarten.

Ergänzung:
Urethrotomie nach Otis
Ziel dieser Operation war es die ursprüngliche Weite der Harnröhre wieder herzustellen. Derzeit bestehen bei der Behandlung von Harnröhrenstrikturen zahlreiche unterschiedliche Therapiekonzepte. Diese Tatsache an sich weist darauf hin, dass keines der Behandlungsverfahren zufriedenstellende Ergebnisse liefert. Es tritt ein hoher Prozentsatz an Strikturrezidiven auf, weshalb ständig an neuen Behandlungsmöglichkeiten geforscht wird.

Bei der Otis-Methode wird die Harnröhre „blind“ eingeschnitten, das heißt der Operateur kann die Engstelle nicht genau einsehen. Sie eignet sich besonders für Strikturen im Bereich des äußeren Harnröhrenausganges und der Harnröhre im Penis. Das Instrument zum Schlitzen wird in die Harnröhre eingeführt und nach dem Öffnen wird das dachförmig konfigurierte Messer über die Enge bei 12 Uhr (oben) zurückgezogen.

Die Urethrotomia interna nach Sachse erfolgt im Gegensatz zu der Urethrotomia interna nach Otis unter Sicht.

In der Regel gelingen die Eingriffe in örtlicher Betäubung unkompliziert, schnell und schmerzfrei.

weitere Informationen siehe "Diagnostik Urethrografie"

September 2008
Letzte Aktualisierung im Februar 2011



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