Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Androgenrezeptor

10.1.2009

Androgenrezeptor Begriffserläuterung:

Testosteron ist das häufigste und wichtigste im Blut vorkomende Androgen. 6 – 8 mg Androgen werden täglich im Hoden produziert. Andere Androgene wie Androstendion oder DHT spielen in der Zirkulation keine wesentliche Rolle, wohl aber lokal in einzelnen Geweben wie z.B. das DHT in der Prostata.

Die Androgene entfalten ihre Wirkung über einen speziellen intrazellulären Androgenrezeptor (AR), der zur Familie der steroidbindenden Hormonrezeptoren gehört. Testosteron und DHT wirken über den gleichen Androgenrezeptor.

Was ist ein Rezeptor? Wikipedia hat es sehr gut erklärt:

Als Rezeptor wird in der Biologie
auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder
auf molekularer Ebene (und das ist für uns interessant) ein Protein (oder sogar ein Proteinkomplex), das z.B. wie eine Empfangsantenne aus der Oberfläche einer Biomembran (Trennschicht zwischen zwei Bereichen einer Zelle) herausragt und für die Bindung (etwas als richtig erkennen und zur Weiterverarbeitung festhalten – im Gegensatz dazu etwas als falsch erkennen und abweisen) verschiedener Partikel sorgt, welche in die Zelle importiert werden oder im Inneren der Zelle biochemische Signalprozesse auslösen oder sich im Inneren der Zelle selbst befindet und dort solche Signalprozesse auslöst.

Wirkungsweise des AR:
Entweder bindet Testosteron oder das zu DHT reduzierte Testosteron an den AR. Dieser Rezeptor-Hormon-Komplex wandert nun in den Zellkern (man muß sich das wie eine Schleuse vorstellen, an deren Eingang ein Wächter kontrolliert, wer reindarf oder nicht rein darf) und bindet dort an spezielle androgensensible Elemente der DNA. Das wiederum aktiviert eine Reihe anderer androgenabhängiger Gene. Durch Transskription und Translation entstehen nunmehr Proteine, die für die androgene Wirkung im Körper erforderlich sind.

Erläuterung:
Die Transskiption ist ein Vorgang, bei dem Informationen von einem Teilstück der DNS abgelesen werden, diese Teilstück ist eine Kopie der DNA wird als RNA bezeichnet.
Translation meint: An die bei der Transskription entstandene Übersetzung des RNA-Stranges werden mit Hilfe von einem Ribosom Informationen angehängt, es entstehen Informationsträger z.B. Signalpeptide für weitere wichtige Prozesse.

Der AR stellt als intrazellulärer Rezeptor die Verbindung zu den Androgenen her, die für die Entwicklung, Differenzierung und das Wachstum der Prostata verantwortlich sind. Über den AR entfalten die Androgene ihre regulierende Wirkung.

In der Prostata findet man den AR überwiegend in den sekretorischen Zellen, in den Basalzellen kaum. Im Stromagewebe der Prostata ist der AR immunhistochemisch nicht oder nur sehr schwach nachweisbar.

Das Wachstum des Prostatakarzinoms ist meist ein androgenabhängiger Prozeß, der intrazellulär vom AR gesteuert wird. Genetische Veränderungen des aktivierten AR spielen eine lebenswichtige Rolle in der Progression des Prostatakarzinoms. Androgene gelangen ohne weitere Hilfsmittel in die Zellen der Prostata und binden dort an den Androgenrezptor, der daraufhin Gene einschaltet, die ein Androgen-Steuerelement besitzen. Die zurzeit verwendeten Antihormone sind synthetische steroidale und nichtsteroidale Substanzen, die, wie Androgene, an den AR binden und dessen Aktivität hemmen. Die Hemmung des AR führt letztlich zur Hemmung des Krebswachstums. Eine bekannte Wirkungsweise der Antihormone ist, dass der AR mit sog. Corepressoren (CoR) interagiert, welche zu einer Hemmung der AR-vermittelten Transkription führen. Alle molekularen Mechanismen, welche hinter der Hemmung des AR stehen, sind jedoch noch nicht vollständig aufgeklärt. Jedoch ist es wichtig zu wissen, dass auch der Androgen-unabhängige Prostatakrebs immer noch auf die Aktivität des AR angewiesen ist. Die Ursachen für ein Hormon-unabhängiges Wachstum des PCa sind sehr vielfältig. Zum einen kann es zu einer Überexpression des AR kommen oder aber es treten Mutationen im AR auf, welche die Aktivierung des Rezeptors sogar durch die in der Therapie verwendeten Antihormone ermöglichen.

Januar 2009


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