Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Bestrahlung und Knochenmark

04.2.2009

Im Knochenmark werden die Blutzellen gebildet: Die roten (Erythrozyten) und die weißen (Leukozyten) Blutkörperchen sowie die Blutplättchen (Thrombozyten). D.h. alle Blutzellen entstehen aus einer oder wenigen Stammzellen im Knochenmark.

Vom Knochenmark aus gelangen die Blutzellen ins Blut und erfüllen dort ihre lebensnotwendigen Aufgaben. So versorgen die roten Blutkörperchen alle Organe mit Sauerstoff, die weißen Blutzellen sind unter anderem unverzichtbar für die Infektabwehr, und die Blutplättchen tragen dazu bei, dass der Mensch nicht verblutet (Blutgerinnung).

Bestrahlung mit großer Dosis führt zum Absterben der Vorläuferzellen, wodurch Blutgerinnung und Abwehr nicht mehr funktionieren (z. B. nach Einwirkung radioaktiver Strahlung), denn Knochenmarkstammzellen sind sehr strahlenempfindlich.

Nach höherer Strahlendosis (größer 30 Gy) wird das bestrahlte Knochenmark auf lange Zeit oder sogar auf Dauer in Faser- oder Fettmark umgewandelt. Langfristig erholt sich zwar das Knochenmark nach Bestrahlung, es muß aber mit einer längerfristigen Einschränkung der Knochenmarksreserve gerechnet werden. Das wiederum bedeutet Probleme für nachfolgende Chemotherapien.

Kurz gesagt: Nach einer höherdosierten Bestrahlung des Knochenmarks, verfettet dieses und ist nicht mehr für die Blutbildung verfügbar.

Dosen von 10 Gy sind völlig ausreichend um das Knochenmark zellfrei zu machen. Das Knochenmark kann sich rasch wieder reparieren. Anders ist es bei der Verfettung, die eher so ab 24 Gy passiert.

Strahlenwirkung auf einzelne Organe

1) Keimdrüsen
Dosen über 1 Gy verursachen eine Oligospermie, Dosen über 5 Gy führen zur endgültigen Hemmung der Spermiogenese. Bei höheren Strahlendosen schwellen die Hoden an.
2) Blutbildendes System:
Sehr empfindlich sind die Stammzellen. Zelluntergänge im Knochenmark treten be-reits bei 1 Gy auf, nach 3 Gy überleben nur noch ca. 10%, nach 6 Gy nur noch ca. 1% der Stammzellen (akute Strahlenkrankheit). Von den reifen Blutzellen sind nur die Lymphozyten strahlenempfindlich. Daher tritt nach einer Bestrahlung bereits am 1. Tag eine Abnahme der Lymphozyten auf, während die Zahl der Granulozyten und Thrombocyten sowie der Erythrozyten erst später als Folge der Stammzellenschädi-gung abnimmt. Nach Bestrahlung von einzelnen Skelettabschnitten (z.B. bei der Strahlentherapie einer Knochenmetastase) wandelt sich das rote Knochenmark in Fettmark oder es kommt zur Myelofibrose.
3) Magen-Darm-Trakt:
Spätschäden, die auch nach fraktionierter Bestrahlung auftreten können, sind atrophische Schleimhautveränderungen, die zu narbigen Stenosen, Ulzerationen und Perforationen führen können.

Strahlendosen im Rückenmark von 40 Gy (abhängig von der Größe des bestrahlten Volumens) können vorübergehende oder bleibende neurologische Ausfälle bis zur Querschnittslähmung verursachen

Minuten oder Stunden nach der Bestrahlung treten Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit und Hautrötung auf. Innerhalb von 1 oder 2 Tagen verschwinden obige Symptome wieder und der Betroffene fühlt sich subjektiv weitgehend wohl. In dieser Latenzphase entwickeln sich die Strahlenschäden in den einzelnen Geweben und Organen.


Schlagwörter:


Zurück