Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Sarkosin

04.6.2010

Sarkosin als neuer Biomarker

US-amerikanische Forscher haben die Grundlage für einen neuen Urintest bei Prostatakrebs entwickelt. Sie entdeckten im Urin einen Indikator für den Tumor, die nicht-proteinogene Aminosäure Sarkosin. Der Biomarker ermögliche einfachere Diagnoseverfahren und bessere Behandlungsmethoden, berichten die Wissenschaftler am Krebs-Zentrum der Universität Michigan in Ann Arbor im britischen Fachjournal Nature (Doi: 10.1038/nature07762).

Hier kann man in einem Abstrakt des Originaltextes mehr lesen:
Letter
Nature 457, 910-914 (12 February 2009) | doi:10.1038/nature07762; Received 9 October 2008; Accepted 6 January 2009 Metabolomic profiles delineate potential role for sarcosine in prostate cancer progression
http://www.nature.com/nature/journal/v457/n7231/abs/nature07762.html

Multiple, complex molecular events characterize cancer development and progression. Deciphering the molecular networks that distinguish......

Prof. Semjonow, Münster erläuterte in seiner bekannt launigen Art auf dem Urologenkongress 2009 in Dresden drei Marker, unter anderem Sarcosin:

Sarcosin - Hier steht die Publicity in keinem Verhältnis zum Nutzen. Es gibt nur eine Studie mit 53 Männern
Auf einer Veranstaltung der Uniklinik Münster in 2009 wurde Prof. Semjonow erneut deutlich:
Unverständlichen Medienrummel habe es um Sarkosin gegeben, einen neuen Biomarker zur Entdeckung von Prostatakrebs, der schon als neuer Supermarker gefeiert würde, da er laut Studie bessere Ergebnisse als der PSA-Test aufweise. Für den Einsatz von Sarkosin in der PCa-Diagnostik sei es noch zu früh.

Ein neuer Tumormarker sei dagegen PCA3, mit dessen Hilfe ein Prostatakarzinom identifiziert werden könne. Ein guter Ansatz sei auch, zusätzlich zur Bestimmung des freien PSA das pro-PSA. proPSA, eine Unterform des PSA, kann möglicherweise Hinweise auf die Aggressivität eines Prostatakarzinomes geben können und damit vielleicht eine Hilfe bei der Vermeidung von Uberdiagnose und Übertherapie eines "zu früh" erkannten Prostatakarzinomes geben können.

Für die Zukunft: Es sei zu vermuten, dass nicht ein einzelner Parameter zu einer aussagefähigen PSA-Messung führen wird, sondern eher eine Kombination aus mehreren Verfahren. "Das bedeutet dann aber auch, dass für den PSA-Test nicht mehr 20 bis 30 Euro zu bezahlen sind, sondern er wird mehrere hundert Euro kosten," fügte Prof. Semjonow an.

Meine persönliche Anmerkung:
Da wird in den Gazetten und im Radio und wer weiß wo noch bereits von einem neuen Biomarker und von neuen Behandlungsmöglichkeiten gesprochen und geschrieben. Ich erhalte aus der Selbsthilfeszene aufgeregte Anrufe, da ist was, was uns hilft! Und was ist daran? Vorerst nichts. Dereinst möglicherweise ja, aber wohl kaum in naher Zukunft. Tut mir leid, verehrte Leser, aber ich kann dieser Art von pressegeilen Frühversprechen nichts, aber auch rein gar nichts abgewinnen. Fakt ist: Forscher haben etwas Gemeinsames bei rd. 79 Prozent einer Gruppe von Betroffenen entdeckt und haben möglicherweise laut nachgedacht. Mehr ist noch nicht geschehen. Bis die Entwicklung eines für die Diagnose geeigneten, verläßlichen und sicher wiederholbaren Tests erfolgt und abgeschlossen ist und die Entwicklung von Therapeutika mit all den notwendigen Studien den Hürdenlauf Zulassung erfolgreich beendet hat, werden sicher noch Jahre vergehen. Und wer sagt denn, dass eine Zulassung dann wirklich erfolgen kann? Haben wir nicht gerade die Zurücknahme des Zulassungsantrages eines als Hoffnungsträgers hochgepriesenen Medikaments (Satraplatin) und eines ebenso hochgelobten Kontrastmittels (mit eisenhaltigen Nanopartikeln) registriert?

Das besonders Frustrierende ist jedoch die in Folgediskussionen oft geäußerte Beschwichtigung Wir sind auf einem guten Weg. Das höre ich jetzt schon seit etwa 11 Jahren und warte immer noch, dass dieser Weg endlich fertig wird. Warum?
Ich bin heute krank! Ich brauche heute Heilung bringende Medizin!

Juni 2010 WDF


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