Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prostatakrebs und Lungenmetastasen

30.11.2011

Das Prostatakarzinom neigt zur Bildung von Knochenmetastasen und Lungenmetastasen, also Krebsablegern in diesen Organen. Entsprechende Symptome wie Knochenschmerzen, besonders auch in der Wirbelsäule und im Becken, sowie Atemnot weisen auf ein fortgeschrittenes Tumorleiden hin.

Das spontane, schubweise oder kontinuierliche Ausstreuen von Geschwulstzellen in den Körper ist typisch für bösartige Tumore wie das Prostatakarzinom. Das kann geschehen durch:
• Durch Verschleppen von Tumorzellen über die Blut- oder Lymphbahnen; dadurch entstehen hämatogene oder lymphogene Metastasen.
• Im Bauchraum können bei der Operation Tumorzellen beim Eingriff frei geworden sein, die dann im OP-Gebiet verblieben sind.

Es ist zwar ziemlich sicher, dass die meisten im Körper "ausgesäten" Krebszellen durch unser Immunsystem entdeckt und zerstört werden. Überleben jedoch vereinzelte bösartige Zellverbände an einem "warmen"Plätzchen in unserem Körper oder werden sie von der Abwehr nicht identifiziert, wächst an einem solchen Ort so nach und nach eine Filiale, eine Tochtergeschwulst, eine Metastase.

Unser Körper ist in seinen Organen unterschiedlich anfällig für Metastasenwachstum. Oft, man könnte sogar behaupten zunächst, entstehen sie in tumornahen Lymphknoten, bei Prostatakrebs bevorzugt jedoch auch in den Knochen, seltener in Lunge, Leber, Gehirn. Sozusagen nie wachsen Metastasen im Herzmuskel und in der Skelettmuskulatur. Tumorzellen gelangen zwar auf dem Blutweg in diese Organe, doch finden sie hier offenbar schlechtere Überlebensbedingungen als anderswo, oder sie werden durch das Immunsystem leichter zerstört.

Die Lungenmetastase entwickelt sich also aus einem ausserhalb der Lunge liegenden Primärtumor, bei uns Männern also dem Prostatakarzinom. Tumore, die bevorzugt in die Lunge metastasieren, sind:
• Magen-, Dickdarmkarzinom
• Nierenkrebs
• Prostatakrebs
• Seltener sind andere Primärtumore die Ursache für Lungenmetastasen.

Lungenmetastasen weisen auf eine fortgeschrittene Krankheit hin, die sich trotz vorheriger Operationen, Bestrahlung, Hormon- oder Chemotherapie weiter entwickelt hat.

Die von der Lunge ausgehenden Symptome sind häufig:
• Bronchitis, Husten und blutiger Auswurf
• anhaltende Heiserkeit
• Brustschmerzen, Wasseransammlung im Brustraum, Atemnot
• Lungenentzündung
• bläulichgraue Verfärbung des Gesichts
• Gewichtsverlust, Nachtschweiss, allgemeine Schwäche

Da gibt es viel Ähnlichkeit mit den Syptomen des Bronchialkarzinoms. Bisweilen werden die Lungensymptome jedoch überlagert von den Krankheitszeichen des Primärtumors, also hier des Prostatakarzinoms. Deshalb bleiben die Symptome der Lungenmetastasen lange Zeit unentdeckt im Hintergrund. Allerdings, auch das Umgekehrte ist möglich, nämlich dass die erkrankten Männer recht stark oder gar hauptsächlich an Atemproblemen (Atemnot, Brustschmerz), also an den Metastasen, leiden.

Die Diagnose wird mit Hilfe von Lungenröntgen, Computertomographie (CT), MRT und Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege) gestellt. Das Abpunktieren einer Wasseransammlung im Brustraum („Pleurapunktion“) erleichtert nicht nur das Atmen, sondern gestattet auch das Untersuchen der Flüssigkeit auf Tumorzellen.

Welche Therapie?
• Einzelne Lungenmetastasen können operativ entfernt werden.
• Minimal-invasive Verfahren erfordern nur kleine Einstiche in der Haut; sie sind in speziellen Fällen anwendbar. Dabei werden einzelne Metastasen durch Hitze (Laser, Radiofrequenzablation) oder Tiefkühlung (Kryotherapie) zerstört. Unter Navigation durch Computertomographie oder Magnetresonanztomographie führt man spezielle Hitze- oder Kältesonden in die Mitte der Metastase und vernichtet den Krebsknoten thermisch.
• Die Bestrahlung kann als „stereotaktische Radiotherapie“ mit hoher Präzision auf einzelne Lungenherde fokussiert werden.

Erläuterung zu RFA:

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. Hat sich auf dem 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc 08dgch9465 mit der RFA eingehend befasst. Hier eine Kurztext aus einer Veröffentlichung vom 16.04.2008. Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter:

In der palliativen Behandlung primärer und sekundärer Lungentumore findet die Radiofrequenzablation (RFA) derzeit als minimalinvasive interventionelle Maßnahme eine zunehmende Anwendung. Bei 19 Patenten mit multiplen pulmonalen Metastasen verschiedener extrathorakaler Primärtumore wurde im Rahmen einer kurativen Metastasenresektion intraoperativ an einem peripheren Herd die RFA mit einem bipolaren Hochfrequenzstrom vorgenommen. Alle Metastasen wurden reseziert und eine Lymphknotendissektion durchgeführt. Das Ausmaß der Tumorzellnekrose nach RFA wurde histologisch durch Standard HE-Färbung, Immunhistochemie (Monoklonale Mitochondrien Antikörper) und Enzymhistochemie (NADH) überprüft. Nichtbehandelte Herde dienten als Kontrolle.
Ergebnis:
Immunhistologisch und enzymhistochemisch liessen sich in 8 Fällen (42%) keine vitalen Tumorzellen mehr nachweisen, in 9 Fällen (47%) fanden sich eine Devitalisierung von > 90% des Tumorgewebes. In 2 Fällen (11%) wurde noch > 10% vitales Restgewebe insbesondere in den äußeren Randbezirken der Rundherde nachgewiesen. Das umgebende Lungengewebe wies keine thermischen Schäden auf. Mittels Radiofrequenzablation kann durch Applikation einer dem Tumorvolumen entsprechend hohen Energie eine komplette Devitalisierung von Tumorgewebe erreicht werden. Insbesondere bei Herden größeren Durchmessers lassen sich unmittelbar nach Ablation jedoch noch vitale Tumorzellen nachweisen.

Februar 2009



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