Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Bestrahlung und Hormontherapie

19.12.2010

Es geht um die Wirksamkeit einer kombinierten Therapie aus Bestrahlung und Hormontherapie

Dazu die Meinung eines Strahlenexperten:

Die Überlegenheit einer kombinierten Strahlentherapie und Hormontherapie ist nur bei der primären Therapie eines nicht operierten Tumors bewiesen. Da gibt es eine Reihe von randomisierten Studie, die dies beweisen. Diese Behandlung ist Standardmethode und wird von den meisten (wenn nicht allen) Strahlentherapeuten bei Mittel- und Hochrisikopatienten empfohlen.

Eine einfache Hormontherapie mit einem LHRH-Analogon sollte ausreichen. Es gibt keine Daten dafür, dass man die Hormontherapie während der Bestrahlung mit einer Kombination aus LHRH und Antiandrogen machen sollte.

Im Falle eines operierten Tumors allerdings ist die Kombination einer postoperativen Strahlentherapie mit einer Hormontherapie kein Standard und führt eben NICHT zu einem bewiesenem Gesamtüberlebensvorteil. Dies gilt sowohl für die adjuvante als auch die Salvage Radiotherapie.

Studien zu dieser Fragestellung laufen aktuell (z.B. RADICALS) oder sind in der Auswertungsphase (siehe Anmerkung unten). Ich rechne damit, dass wir erst in 5-10 Jahren eine Aussage treffen können. Bis dahin bleibt die alleinige Strahlentherapie OHNE Hormontherapie der Standard bei operierten Patienten mit Hochrisikonstellation (pT3/R1) oder PSA-Anstieg.

Anmerkung:
Studie AP 26/99 – Radiotherapie versus Radiotherapie plus Hormontherapie bei isoliertem PSA-Anstieg nach radikaler Prostatektomie wegen Prostatakarzinom Diese Studie unter der Leitung von Dr. R. Schwarz, Universitätsklinikum Eppendorf, ist für Patienten mit radikaler Prostatektomie wegen Prostatakarzinom konzipiert und untersucht die Effekte einer kombinierten Therapie bestehend aus Hormongabe und Radiotherapie im Vergleich zur alleinigen Radiotherapie.
In dieser Studie soll den Hinweisen anchgegangen werden, ob die Kombination einer Bestrahlung mit einer temporären Hormontherapie Vorteile gegenüber einer alleinigen Bestrahlung für das erkrankungsfreie Überleben bringen kann.

Das waren wichtige Vorüberlegungen zu dieser Studie:
Das Konzept für die weitere Behandlungsstrategie von Patienten mit einem Prostatakarzinom des Stadiums pT3, pT4A nach RP ist uneinheitlich. Während bei einem Teil der Patienten lediglich ein PSA-Monitoring durchgeführt wird und erst bei biochemisch (PSA-Anstieg) oder klinisch (stanzbioptisch oder durch bildgebende Verfahren) nachgewiesenem Progress interveniert (eingegriffen/Therapiert) wird, wird bei anderen Patienten eine sofortige adjuvante Therapie durch Androgenentzug durchgeführt.

Durch die adjuvante Strahlentherapie nach RP wird versucht, nach einer maximalen Tumorreduktion durch die Operation durch die Strahlentherapie die noch minimal vorhandenen lokalen Reste des Tumors zu therapieren.

Bei dem Einsatz der adjuvanten RT nach RP bestehen jedoch eine Vielzahl ungelöster Probleme. Welche Patienten profitieren am wahrscheinlichsten von einer Strahlentherapie? Geht man davon aus, das etwa 35%-75% der Patienten im Stadium pT3A-C pN0 innerhalb von 10 Jahren einen Progress (als Anstieg des PSA) entwickeln aber nur die Hälfte davon ein ausschließlich lokales Tumorrezidiv aufweisen, dann könnten ca. 20%-40% aller Patienten im Stadium pT3 pN0, die von einer Bestrahlung profitieren.

Würden alle im Stadium pT3 pN0, die ein Tumorrezidiv aufweisen, bestrahlt, dann könnten vermutlich etwa 90 % dieser Patienten kuriert werden. Denkt man aber weiter, würden bei einer solchen Überlegung ein nicht unerheblicher Teil der Betroffenen übertherapiert, und zwar mit den bekannten unangenehmen Nebenwirkungen an Enddarm und Blase.

Onkologisch gesehen, so waren und sind sich die Fachleute einig, kann es nicht sinnvoll sein, abzuwarten, während lokal mit etwa 40-50% Wahrscheinlichkeit Tumor wächst. Als Ausweg ist versucht worden, über eine Analyse der PSA-Verdoppelungszeit Hinweise auf die Lokalisation des Tumorrezidivs zu erhalten.

April 2009

Ergänzung:
Erneut bekräftigt ein Strahleneperte im BPS-Forum die Kombination von Bestrahlung + Hormontherapie bei einer Primärbehandlung:

Es gibt eine Reihe randomisierter Studien, in welchen die alleinige Strahlentherapie mit der Kombination aus Strahlentherapie+Hormontherapie verglichen haben. Alle diese Studien kamen zum gleichen Resultat:
Wenn die Hormontherapie gleich mit der Strahlentherapie und nicht erst beim Rezidiv nach der Strahlentherapie gegeben wird, kriegen die Patienten: a) weniger Rückfälle b) weniger Metastasen und sie leben länger.

In der D Amico Studie waren es 10% nach 5 Jahren (in der Regel intermediate Risk Tumoren). In der RTOG 8610 Studie waren es 9% nach 9 Jahren (intermediate+high Risko Tumoren). In der EORTC 22863 Studie waren es 16% nach 5 Jahren (in der Regel high Risk Tumoren).

Zitiert werden die folgenden Studien:
- EORTC 22863
- D Amico

weitere Studien zu diesem Thema, d.h. Studien, bei denen herausgefunden wurde, dass die Kombination aus Strahlen- und Hormontherapie effektiver als die alleinige Bestrahlung ist:

Lancet. 2002 Jul 13;360(9327):103-6.
Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2005 Apr 1;61(5):1285-90
J Clin Oncol. 2008 Feb 1;26(4):585-91. Epub 2008 Jan 2.

letzte Aktualisierung im Dezember 2010



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