Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Screening Schwellenwert

14.4.2011

Verwirrung – Erst PSA 4, dann 3, jetzt 2? Oder doch nicht

Das Screening auf Prostatakrebs anhand von PSA-Werten wurde gerade aktuell auf einem Kongress in Orlando, USA, weiterhin kontrovers diskutiert, da es keinen definitiven PSA-Schwellenwert geben würde und der PSA-Test selbst weder besonders spezifisch noch empfindlich sei. Nur etwa 25 Prozent der Männer mit erhöhten PSA-Werten würden tatsächlich Prostatatumore entwickeln, während 40 Prozent der Männer mit Prostatatumoren keine erhöhten PSA-Werte aufweisen würden. Ein PSA-Schwellenwert von 4 ng/ml war geraume Zeit das Signal für die Durchführung einer Biopsie, weil man annahm, dass bei einem niedrigeren Wert, keine Tumoren vorhanden seien. Diese Annahme wurde jedoch auf dem Kopf gestellt, als Ergebnisse in der Kontrolle des Prostate Cancer Prevention Trials (PCPT) bekannt wurden. Dort tauchten Fälle von Prostatatumoren in allen PSA-Wertebereichen auf (N. Engl. J. Med. 2004;350:2239-46).

In laufenden Studien wurde festgestellt, den Schwellenwert des Prostata-spezifischen Antigens von 3 auf 2 ng/ml zu senken verdreifache die Anzahl der diagnostizierten Prostatatumoren. Allerdings sei die überwiegende Mehrheit der Fälle laut Ergebnissen der European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer nicht letal. "Die Mehrheit der Krebserkrankungen, die durch den niedrigeren PSA-Schwellenwert gefunden wurden, hatten möglicherweise schmerzunempfindliche Eigenschaften. Sie waren..... wahrscheinlich überdiagnostizierte Prostatatumore", war dazu die Stellungnahme von Dr. Monique J. Roobol auf dem jährlichen Genitourinary Cancery Symposium, das vom American Society of Clinical Oncology gesponsert wird.

Die European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) hat seit 1993 etwa 267.990 asymptomatische Männer randomisiert, die sich alle 2 bis 4 Jahre in acht europäischen Zentren vorsorglich haben untersuchen lassen. Ein PSA-Wert von mindestens 3-4 ng/ml wurde als Auslöser für eine Biopsie gewertet.

Experten vertraten die Ansicht, dass die Entscheidung für eine Prostatabiopsie nicht aufgrund des PSA-Wertes allein gefällt werden sollte, sondern dass ein Risikorechner oder ein Nomogramm hinzugezogen werden sollte. Tumor-Marker oder Risikofaktoren für Prostatakrebs wie das Alter oder die Familiengeschichte sollten dafür miteinbezogen werden. Es gab da aber auch mahnende Hinweise, dass ein Nomogramm wegen der Unterschiedlichkeit der Probanden nur mit äußerster Vorsicht verwendet werden sollte.

Meine Meinung:
Das hatte sich, verfolgt man die Meldungen der Expertenpresse aufmerksam, schon eine ganze Weile angedeutet, also nicht ganz neu. Neu ist die Frage: Welche Konsequenzen folgen diesen Erkenntnissen? Wenn ich jetzt mal laut denke, dann komme ich ins Grübeln. Ein Prostatazentrum nach dem anderen etabliert sich, immer bessere und auch gleichzeitig teurere Operationstechniken finden Eingang in diese Abteilungen. Und jetzt kommen Experten zu der Ansicht: Es muß nicht so oft operiert werden. Habe ich da nicht einen leicht gequälten Blick eines Verwaltungsleiters beim Blick in die Krankenhausfinanzierung ausgemacht? Was hat die obige medizinische Erkenntnis dann für Konsequenzen? Kann das -hintergründig und ein wenig boshaft formuliert- künftig heißen: Nicht jeder Patient muß operiert werden, aber Sie!

Zugegeben, ich bin verwirrt.
(WDF)

Nachsatz:
Oder werden gar die für eine Zertifizierung erforderlichen Fallzahlen (Mindestmengen an Eingriffen und Maßstab für Qualität) in den zertifizierten Zentren gesenkt?

April 2009/April 2011


Schlagwörter:

PSA-Schwellenwert

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