Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Neue Medikamente

19.4.2009

HORMONBLOCKADE

Wieder wird neue Hoffnung im Kampf gegen Prostatakrebs geweckt. Wieder ist es ein neuer Wirkstoff, der im Tierversuch die Testosteronwirkung besser blockiert als die bisherigen Medikamente.

Wissenschaftler um Chris Tran vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York testeten neue Substanzen, die die krebsförderliche Wirkung des männlichen Geschlechtshormonens Testosteron hemmen soll. Die Versuchssubstanzen MDV3100 und RD162 greifen an den Hormonrezeptoren der Krebszellen an, die sich unter dem Einfluss von Testosteron oft besonders schnell vermehren (proliferieren). Auch herkömmliche Medikamente blockieren diese Rezeptoren - doch die Krebszellen reagieren auf die bisherigen Blockadeversuche und entgehen dem Angriff mitunter, indem sie immer mehr Andockstellen produzieren. Bisher haben wir Kranke da mit Dostinex versucht entgegenzuwirken.

Das Neue scheint zu sein: Die beiden Wirkstoffe besetzen auch dann die Rezeptoren, wenn diese zahlreicher vorkommen als unter normalen Bedingungen. Bei den behandelten Mäusen nahm die Tumorgröße durch die Therapie deutlich ab.

Bei Tests mit 30 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs, wo geklärt werden sollte, ob das Mittel sicher ist und wie es dosiert werden kann, stellte sich heraus, dass fast bei der Hälfte der Probanden der PSA-Wert abnahm. Die Experten bezeichneten die Substanzen als vielversprechend für die Therapie von fortgeschrittenem Prostatakrebs.

Meine Anmerkung ist nicht neu: Maus müßte man sein. Es ist hinlänglich bekannt, dass Erfolge beim Mausmodell nur selten auf den Menschen übertragbar sind. Hier scheint es immerhin bei fast der Hälfte der kleinen Probandengruppe gelungen zu sein. Muß ich jetzt meine Meinung ändern? Bei mir überwiegt die Skepsis. Zu oft habe ich in den zehn Jahren meiner bisherigen Krankheit von ausserordentlichen Forschungserfolgen gehört und gelesen. Wir sind auf einem guten Weg, war auch oft dabei. Ziehe ich Bilanz, dann bin ich immer noch krank, werde mit Mitteln behandelt, die schon vor knapp zehn Jahren bekannt waren und großspurig angekündigte Neuerungen entpuppten sich als voreilige Wasserstandsmeldungen mehr für den Erfolg auf dem Aktienmarkt geeignet denn für uns langjährig Kranke. Und das, was dann noch übrig blieb, verfing sich in den Prüfnetzen der Zulassungsbehörden. Dennoch, die Hoffnung stirbt zuletzt, denn die Forscher arbeiten weiter. Hoffentlich bald mit durchschlagendem und nachhaltigem Erfolg für uns.

April 2009


Schlagwörter:

MDV3100, RD162

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