Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

B17

30.12.2011

Ist Amygdalin oder B17 ein wirksames Krebsmittel?

Text auf der Basis eines Aufsatzes von Autoren des Zentrums für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP) der ABDA - Jägerstraße 49/50 in 10117 Berlin

Amygdalin kursiert immer wieder – auch unter Amigdalina, Laetrile (Lätril), Mandelonitril oder Vitamin B17 – als alternatives oder natürliches Mittel zur Behandlung von Tumorerkrankungen oder deren Symptomen.

Der Substanz aus Aprikosenkernen wurden zunächst in Tierexperimenten antitumorale Eigenschaften zugesprochen. In den 70ern wurde Amygdalin als "Vitamin", das Krebs heilen könnte, neu entdeckt unter anderem durch ein intensives Bewerbem in den USA und unter Berufung auf die Therapiefreiheit bei austherapierten und letztlich im Endstadium befindlichen Krebspatienten. In mehreren US-Bundesstaten wurde es sogar als "Arzneimittel" – ohne die üblichen strengen Zulassungsauflagen – oder Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht werden. Amygdalin wurde in einigen kleineren, teilweise hochrangig publizierten Studien untersucht aber am 24. März 1987 aufgrund einer richtlerlichen Verfügung vom Markt genommen. Seitdem ist Amygdalin ein nicht zugelassenes Arzneimittel.

Chemie und Biologie

Amygdalin ist chemisch ein Abkömmling der Mandelsäure. Amygdalin und andere cyanogene Glykoside sind toxische sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe insbesondere in der Pflanzenfamilie der Rosaceen, beispielsweise in Aprikosenkernen oder bitteren Mandeln, eingesetzt zur Bekämpfung von schädlichen Pflanzenfressern als Fraßschutz.

Wirkung

In Gegenwart von Wasser wird Amygdalin durch das zum Beispiel in bitteren Mandeln ebenfalls enthaltene Enzym Amygdalase in Traubenzucker und Mandelsäurenitrilglukosid gespalten und zerfällt letztlich durch den Einfluss weiterer Enzyme in Cyanid/Blausäure. Und genau die unterbricht die Sauerstoffverwertung in der Atmungskette. Eine "innere Erstickung" ist die Folge. Der Körper kann systemisch zwar kleinere Mengen Cyanid mit Hilfe des Rhodanidsynthetasesystems, das besonders in der Leber vorhanden ist, in das relativ untoxische Thiocyanat (Rhodanid) umwandeln. Trotzdem sind bereits 50 mg Cyanid-freisetzende Blausäure (HCN) tödlich. Amygdalin schädigt also durch einen unspezifischen Angriff die Zellatmung in allen Zellen und im gesamten Organismus. Amygdalin wird auch als Vitamin B17 bezeichnet, dessen Mangel den Ausbruch der Krebskrankheit zu verantworten habe. Dafür gibt es keine Beweise. In Tierversuchen konnten selbst Hochdosistherapieschemata keine Verlängerung der Überlebenszeit bei Krebserkrankung bewirken. Im Rahmen einer im renommierten Medizinjournal New England Journal of Medicine publizierten klinischen Studie wurden 178 Krebspatienten mit Amygdalin behandelt. Ein Drittel der Patienten hatte zuvor keine Chemotherapie erhalten. Die Patienten befanden sich in einem guten klinischen Zustand. Es wurden verschiedene in praxi eingesetzte Dosierungsregime von Amygdalin untersucht. Es wurde kein Benefit in Bezug auf Heilungsraten, Verbesserung oder Stabilisierung der Krebserkrankung, Verbesserung der mit der Krebserkrankung korrelierten Symptomatik oder eine Ausdehnung der Lebensspanne beobachtet. Im Gegenteil: Es wurden bei einigen Patienten toxische Symptome festgestellt oder Blutspiegel gemessen, die annähernd letal-toxische (tödlich-giftige) Werte annahmen. Das Ergbenis war die Erkenntnis: Amygdalin ist eine toxische Substanz ohne Effekte bei der Krebstherapie.

Auf das Fehlen klinischer Belege der Wirksamkeit und einer entsprechenden Zulassung für das Produkt "Laetrile" hat die FDA im Jahre 2000 hingewiesen. Herstellung und Vertrieb von Amygdalinprodukten waren deswegen einzustellen. In Deutschland sind keine zugelassenen oder anderweitige verkehrsfähigen Präparate auf dem Markt. Amygdalin wird von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker als bedenklicher Stoff eingestuft.

Bedenkliche Arzneistoffe dürfen nach Paragraph 5 des Arzneimittelgesetzes (AMG) nicht in Verkehr gebracht werden. Eine Abgabe ist somit für Amygdalin selbst dann unzulässig, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt. Denn das AMG genießt als Gesetz in der rechtlichen Priorität Vorrang vor dem Verordnungsrecht, nach dem eine ärztliche Verschreibung von der Apotheke laut Paragraph 17 der Apothekenbetriebsordnung unverzüglich zu beliefern ist. Dies wird auch durch den Bezug auf die Therapiefreiheit des Arztes nicht in Frage gestellt.

Im Internet wird jedoch aus dem Ausland für Amygdalin geworben. Bei vielen Patienten wird deswegen der Wunsch nach dieser "natürlichen", im Vergleich zu einer klassischen Zytostatikatherapie angeblich nebenwirkungsarmen Tumortherapie geweckt. Ich kann bei verzweifelten Menschen den Wunsch nach einer Amygdalin-Therapie zwar nachvollzieen, möchte aber eindringlich auch von einer Bestellung über das Internet abraten.

Selbst dann, wenn Amygdalin verfübar sein sollte, muß dringend gewarnt werden, da, sofern im Ausland bezogen, die zur rezepturmäßigen Herstellung erforderliche Qualität nicht immer gewährleistet ist. Als exemplarisches Beispiel, kann eine bereits ältere Studie angeführt werden, in der die pharmazeutische Qualität im Auftrag des National Cancer Institutes (NCI) untersucht wurde. Alle untersuchten Proben eines Herstellers hatten sich als chemisch unrein, falsch deklariert und von schlechter Herstellungsqualität erwiesen. Außerdem wurde bei einigen Proben mikrobielle Verunreinigungen festgestellt. Die in diesem Zusammenhang untersuchten Tabletten- und Ampulleninhalte dieses Herstellers wurden von den Experten als ungeeignet zur Applikation am Menschen befunden.

Fazit

Amygdalin ist eine stark toxische Substanz. Seriöse klinische Untersuchungen belegen bisher keinen Nutzen von Amygdalin für eine Behandlung von Tumorerkrankungen. Experten meinen: Wegen nicht auszuschließender Risiken ohne wissenschaftlich erwiesenen klinischen Nutzen bei teilweise nicht ausreichender pharmazeutischer Qualität wird Amygdalin als bedenklicher Arzneistoff eingestuft. Von einer eigenmächtigen Therapie nach Bezug über das Internet ist dringend abzuraten.

Ergänzung
In einem anderen Forum fand ich diesen Beitrag zu B17:

B17 ist kein Allheilmittel, aber es wirkt! ......., Vitamin B17 Verkäufer findest du reihenweise hier im Web, doch so einfach wie es mancher User hier darstellt ist die Geschichte mit B17 / Laetril / Amygdalin nun auch nicht. Nach 12 Jahren diverser Krebstherapie (darunter 2 Chemos und 1 Intensivbestrahlung) hat mich die Schulmedizin aufgegeben, so dass ich notgedrungen in der Alternativmedizin Hilfe suchte. Leider zog mir hier so mancher "Wunderheiler" viel Geld aus der Tasche, ohne dass eine nachhaltige Besserung erfolgte. Ich hatte schon jegliche Hoffnung aufgegeben, als man mir zur Amygdalin-Therapie riet. Hierbei handelte es sich aber nicht um ein paar Nüsschen kauen, sondern die Therapie umfasste eine komplette Ernährungsumstellung, Vitamin- und Enzymkuren, Darmsanierung, Immunisierung, B17 Infusionen und Tumorbekämpfung (durch Einspritzungen) sowie einer umfassenden psychotherapeutischen Begleitung. Es ist also keinem damit geholfen, jemanden zu finden, der einen den Stoff besorgt bzw. verschreibt, entscheidend für den Erfolg ist das Gesamtpaket und eine gute Zusammenarbeit mit dem Therapeuten.

aktueller (14.03.2011)wichtiger Hinweis des Vertreibers bzgl. seiner Adresse:
.....schon vor dem Jahre 2007 haben wir die Hotlinenummer 0177-244-1314 gekündigt. Der Provider Base hat diese Rufnummer einer anderen Person zugeordnet. Ständig wird dieser mit Nachfragen belästigt und gibt sodann unsere aktuelle Hotlin 0177-555-1998 weiter. Bitte seien Sie so freundlich und löschen bzw. korrigieren Sie Ihre Veröffentlichungen im Internet. http://www.prostata-sh.info/cgi-bin/forum/forum.cgi?sort=thread&page=0&kategorie=1&rubrik=8&fid=1056&show=yes
hier unsere aktuelle Adresse und Rufnummern:
Unsere Hotline +49-(0)-177-555-1998 Fax: +49-(0)-3212-555-1998
Email-1: biopharm@email.de
Email-2: amygdalin@planet.ms
Email-3: biofarm@email.de
Email 4 : cpwrahlstedt@aol.com Domain: http://www.amygdalin.net

Biopharm - Postfach 730570 - D-22125 Hamburg

und hier noch ein Bezugshinweis
Einen weiteren Hinweis auf eine Bezugsquelle finden Sie am Ende dieses Eintrages, ganz unten!

hier noch ein Beitrag zu Öl aus Aprikosenkernen

Und die folgende Webseite enthält weitere grundlegende B17 Informationen

Diese Fundstellen, von einem der Moderatoren aus einem anderen Forum (Chemieonline) übernommen, enthalten Kurzhinweise auf wissenschaftliche Überprüfung der Wirkung von B17:

CG Moertel et al. (1982), A clinical trial of amygdalin (Laetrile) in the treatment of human cancer, N Engl J Med. 306(4):201-6.
Zitat:
No substantive benefit was observed in terms of cure, improvement or stabilization of cancer, improvement of symptoms related to cancer, or extension of life span. The hazards of amygdalin therapy were evidenced in several patients by symptoms of cyanide toxicity or by blood cyanide levels approaching the lethal range. [...]
Amygdalin (Laetrile) is a toxic drug that is not effective as a cancer treatment.

S Millazo et al. (2006), Laetrile treatment for cancer, Cochrane Database Syst Rev. 19;(2):CD005476.
Zitat:
The claim that Laetrile has beneficial effects for cancer patients is not supported by data from controlled clinical trials. This systematic review has clearly identified the need for randomised or controlled clinical trials assessing the effectiveness of Laetrile or amygdalin for cancer treatment.

S Millazo et al (2007), Laetrile for cancer: a systematic review of the clinical evidence, Support Care Cancer. 15(6):583-95.
Zitat:
RESULTS: Thirty six reports met our inclusion criteria. No controlled clinical trials were found. Three articles were nonconsecutive case series, 2 were consecutive case series, 6 were best case series, and 25 were case reports. None of these publications proved the effectiveness of laetrile. CONCLUSION: Therefore, the claim that laetrile has beneficial effects for cancer patients is not supported by sound clinical data.

Hier finden Sie weitere Informationen, diesmal entgegen meiner Zurückhaltung gegenüber B17 ein positive Stellungnahme eines mir unbekannten Autors:

B17 positive Stellungsnahme

Praktische Tipps zur Ernährung und Diät im Zusammenhang mit B17

Therapie und Erfahrungsberichte

Meine Anmerkung:
Ich bin kein Verfechter einer Therapie mit Aprikosenkernen, mit B17 und wie das auch immer heißen mag. Mich fanziniert der heftige manchmal schon militant anmutende Streit von Experten und Fachleuten und solchen, die sich als solches bezeichnen, um diese Therapie.

Ergänzung
Von einem Freund erhielt ich heute einen LINK zu einer Preisliste bzgl. Bezug von bitteren Aprikosenkernen.

aktualisiert im März 2011/November 2011/DEzember 2011

Weitere Ergänzung:
Vorsicht vor Amygdalin, Laetril oder "Vitamin B17": Gefährliche Blausäurevergiftung möglich

krebsinformationsdienst@dkfz.de

Bitte beachten Sie:
Diese Nachricht ist bereits älter als 90 Tage.

16. Dezember 2014

Erneut hat ein Krebspatient durch die Behandlung mit Amygdalin eine Blausäure-Vergiftung erlitten und musste in einer Klinik behandelt werden.
Amygdalin wird seit langem zur Krebstherapie beworben, oft unter dem Phantasienamen "Vitamin B17". Produkte, die Amygdalin oder das chemisch verwandte Laetril(e) enthalten, haben jedoch weder in Deutschland noch in der Europäischen Union eine Zulassung als Arzneimittel. Auch als Nahrungsergänzungsmittel sind sie weitgehend illegal. In der Krebstherapie hat Amygdalin keinen Stellenwert, denn: Für eine Wirksamkeit gegen Krebs gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft weist aus aktuellem Anlass ausdrücklich darauf hin, dass Amygdalin vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als bedenklich eingestuft wird. Von der Anwendung Amygdalin-haltiger Produkte und Arzneimittel raten die Behörden entschieden ab. Die Warnung der Experten gilt auch für größere Mengen bitterer Aprikosenkerne, die findige Anbieter inzwischen als Ersatz anpreisen: Davon sollten Erwachsene nicht mehr als ein oder zwei pro Tag verzehren, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Besser ist es, ganz darauf zu verzichten.

 

 

Und noch eine Ergänzung/ein Warnhinweis:

26. Januar 2015

 

Insbesondere im onkologischen Sektor erfreuen sich alternative Methoden großer Beliebtheit. Allerdings birgt das Begehren auch beträchtliche Risiken.

Nach der oralen Verabreichung eines Amygdalin-Präparats endete der alternative Ansatz bei einem vierjährigen Jungen jäh mit einer Blausäure-Vergiftung. Die Gabe des Antidots Natriumthiosulfat führte rasch zu einer Besserung, sodass der Junge nach zweitägiger stationärer Behandlung wieder entlassen werden konnte. Nach mehrfachen Rezidiven eines anaplastischen Ependymoms (WHO Grad III) war das erkrankte Kind in der palliativen Situation mit Amygdalin behandelt worden. Amygdalin ist ein toxischer Inhaltsstoff zahlreicher Kerne von Steinfrüchten und wird unter dem irreführenden Namen „Vitamin B17“ angeboten – es handelt sich bei Amygdalin nämlich keineswegs um eine lebenswichtige Substanz. Unter enzymatischer Spaltung durch Bakterien im GI-Trakt wird lebensgefährlicher Cyanwasserstoff freigesetzthttp://vg01.met.vgwort.de/na/046bfedd153b413fa9af48808b578520.

aus dem Internet, 25.11.2016 WDF

 

 


 



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