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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Chemotherapie in der Praxis bei älteren Patienten

03.5.2009

Chemotherapie in der Praxis – besondere Anforderungen und Management bei älteren Patienten,
Frau Dr. Eva Hellmis, Duisburg, auf dem 55 NRW-Urologenkongress 2009 in Münster
persönliche Notizen von Annette Siekmann-Frost

Sowohl bei Ärzten als auch Patienten bestehe das Vorurteil, eine Tumorbehandlung im Alter sei zu risikoreich und wenig effektiv. Die Rate der stadiengerechten Behandlung sinke bei über 70-Jährigen erheblich. Jedoch: Eine Krebskrankheit fördere die Akzeptanz zur Chemotherapie. Dabei seien die Therapieerfolge bei alten Patienten denen junger vergleichbar. Entscheidend sei, ob der Patient oder die Patientin von der Chemotherapie einen Nutzen erwarten könne, der die Nebenwirkungen überwiege, oder nicht. Viele Ärzte aber auch Patienten seien bzgl. der Tumortherapie im Alter zurückhaltend, weil sie vermehrt auftretende Nebenwirkungen und Komplikationen fürchten. Die meisten Chemotherapien jedoch können lt. Frau Dr. Hellmis auch bei älteren Patienten eingesetzt werden, wenn physiologische und pharmakokinetische Unterschiede berücksichtigt würden.

Fr. Dr. Hellmis: Eine obere Altersgrenze, ab der Menschen grundsätzlich nicht mehr mit Chemotherapie behandelbar wären, gibt es nicht. Ältere Patienten profitieren im gleichen Umfang von Docetaxel.

Selbst 80-jährige Patienten können mit Docetaxel behandelt werden, betonte Frau Dr. Hellmis. Durch Körperfettzunahme und Wasserhaushalt verändere sich die Chemowirksamkeit. Eine Interaktion mit der Dauermedikation und vor allem mit Eigenmedikationen sei zu beachten. Die Chemotherapie an sich und das Regime bieben in jedem Fall eine Case by case-Entscheidung, die aber in keinster Weise vom kalendarischen Alter des Patienten abhängen würde.

Ältere Patienten seien enorm anfällig für Fatigue. Angeraten seien engmaschige Kontrollen von Fatigue, Schlaf, Angst und Mobilität.

Bei Docetaxel sei es angebracht, die Zyklenanzahl aufzutitrieren und erst bei dritten Durchgang der Chemotherapie bei 100% zu sein. Wichtig sei: Die Wirkdosis wird langsam unter sorgfältiger, engmaschiger Beobachtung langsam gesteigert oder gestreckt oder je nach Verträglichkeit und Wunsch beim Patienten auch zwischendurch ausgesetzt.

Zweckmäßig sei es, Bisphosphonate mit bis zu 2 Stunden Dauer zu verabreichen.

Frau Dr. Hellmis:
- Die Ehefrau muß mitmachen und beobachten, alles aufschreiben.
- 80jährige unter Performance sind künftig usus
- Der Patient muß genauso mutig sein wie der Arzt

(02.05.2009 - Annette Siekmann-Frost)


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