Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Botox und die Prostata schrumpft

03.4.2011

Botox - Statt Falten zu glätten schrumpft die Prostata

Botulinum, ein hochwirksames Bakteriengift, glättet offenbar nicht nur Falten und hilft gegen Schielen, es schützt wohl auch Pianisten und Karikaturisten vor Krämpfen in den Fingern. Und jetzt wird berichtet, dass das Toxin auch eine viel zu große Prostata schrumpfen lässt. In der Ärztezeitung war zu lesen, US-Urologen seien überzeugt, dass Botulinumtoxin künftig eine Therapieoption bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) sei - und womöglich auch eine adjuvante Therapie beim Prostatakarzinom. Denn das Toxin würde lt. neuerlich veröffentlichten Forschungsergebnissen nicht nur eine vergrößerte Prostata schrumpfen lassen und lindere BPH- Beschwerden, nein, es würde auch Karzinomzellen in den Tod treiben. (Dr. Michael B. Chancellor aus Pittsburg in der Zeitschrift "Current Prostate Reports" 4, 2006, 75).

Das Prostata-Volumen nahm, so wurde berichtet, in einer Versuchsgruppe von 53 auf 17 ml ab, also um zwei Drittel, der Harnfluss verbesserte sich, das Restharnvolumen nahm deutlich ab und der PSA-Wert fiel. Bei drei von vier Teilnehmern seien die Beschwerden, gemessen mit der Internationalen Prostata-Symptom-Skala (IPSS), um mehr als 30 Prozent zurückgegangen (von 8 auf etwa 5,5 Punkte). Dies hätte sich auch in einer erhöhten Lebensqualität bemerkbar gemacht. Zudem würden Entzündungsprozesse gehemmt. Das Botulinumtoxin wurde den Patienten transperineal (durch die Haut in den Dammbereich zwischen After und Hodensack) und unter transrektaler Ultraschallkontrolle in die Prostata injiziert.

So ermutigend diese Meldung scheint, ist doch eher Zurückhaltung empfohlen. Die Apoptose von Prostatakarzinom-Zellen sei nämlich lediglich in Tierversuchen nachgewiesen worden. Die bisher auf dem Markt befindlichen Präparate hätten zudem unterschiedliche pharmakologische Profile, seien weder von der Dosierungen her vergleichbar noch sei die Wirksamkeit bei verschiedenen Indikationen von einem Präparat auf ein anderes übertragbar. Auch wenn Hoffnung etwas verfrüht erscheint, aber möglicherweise lassen sich mit Botulinum, einem der stärksten bekannten Gifte, demnächst sogar Operationen vermeiden.(2009 - WDF)

Ergänzung
Durch Verletzungen bei einer OP an der Prostata oder Entfernung der Prostata oder Erkrankungen des Nervensystems können sowohl die Blasenfüllung als auch die Entleerung in Mitleidenschaft gezogen werden. Die aktuellen Therapiekonzepte reichen vom Miktionstraining bis zur Injektion von Botulinumtoxin.

Bezüglich der Diagnostik und Behandlung von Blasenfunktionsstörungen werden diese einerseits in Probleme der Blasenfüllung und Harnkontinenz und andererseits in Probleme der Blasenentleerung unterteilt.
Als medikamentöse Therapie der Wahl stehen Anticholinergika zur Verfügung. Unter dieser Therapie sind regelmäßig Restharnmessungen zu empfehlen, da sich eine Detrusor-Hypoaktivität entwickeln kann. Aufgrund zentralnervöser Nebenwirkungen sollte vor allem bei älteren Patienten Trospiumchlorid bevorzugt werden.

Besteht trotz medikamentöser Therapie z.B. mit einem Anticholinergika oder Trospiumchlorid (wird häufiger für ältere Patienten empfohlen) weiterhin Harndrang und Inkontinenz, kann nach Expertenmeinung eine Injektion von Botulinumtoxin eine merkliche Besserung herbeiführen. Bei dieser könnte es notwendig werden, kurzzeitig/vorübergehend einen Katheter zu nutzen weil sich Restharn bildet.

Diese Therapiemöglichkeit wird bereits in randomisierten Studien bei Patienten mit Blasen- und Prostataerkrankungen untersucht. Erste Daten, so heißt es, zeigen, dass die Injektion von Botulinumtoxin die Zahl der täglichen Inkontinenzepisoden um 60 bis 80% reduzieren kann.(Univ.-Prof. Dr. Walter Artibani, Vorstand der Urologischen Abteilung am Universitätsspital Padua, Italien.)

letzte Aktualisierung im April 2011

Definitiver Wirknachweis mit Botulinum nicht erbracht

Botulinum

Patienten mit chronischer, abakterieller Prostatitis / chronischem Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) leiden unter einer starken Schmerzhaftigkeit im Bereich des Dammes, des äußeren Genitale bzw. des Unterbauches. Die Symptome dieses Krankheitsbildes können bislang nur unzureichend behandelt werden kann. Botulinumtoxin Typ A scheint eine desensibilisierende Wirkung auf sensorische Nervenfasern zu haben. Jedoch nachdem eine zweite prospektiv-randomisierte Studie negativ ausging scheint die intraprostatische Botulinum-Toxin-A-Injektion bei der Indikation LUTS/BPH keine nahe Zukunft mehr zu haben.

08.04.2015 WDF



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