Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Testosteronunterdrückung optimieren

07.5.2011

Optimierung der Testosteronunterdrückung bei Prostatakrebs
Auszug aus dem Vortrag von Dr. Strum am 16. Mai 2009 in Bielefeld

Ironischerweise, obwohl diese Behandlungsform eindeutig als Therapie definiert ist, bei welcher das Androgene entzogen wird, haben lt. Dr. Strum 95% der Patienten nie den aller-einfachsten Test – die Bestimmung des Testosteron-Blutspiegels – durchführen lassen. Die Urologen scheinen ebenfalls anzunehmen, dass Medikamente wie LHRH-Antagonisten (das sind z.B. Enantone, Trenantone, Eligard, Zoladex, Profact usw., sie blockieren die Testosteronproduktion in den Hoden, indem sie im Nebenhirn bestimmte Signal-Vorgänge auslösen, die den Hoden mitteilen: "Ab jetzt wird die Testosteronproduktion beendet ") nicht nur PSA sondern auch denTestosteronspiegel immer ausreichend absenken. Dies entspricht nicht der Realität.

6 Möglichkeiten zur Optimierung der ADT

Dr. Strum hat in einem seiner Dias größere Teilgebiete aufgelistet, die oft vernachlässigt werden, wenn die ADT (ADT= Androgen Deprivarions Therapie) durchgeführt wird. Hier seine Empfehlung:

1. Blockiere den Zugang für Androgene zur Prostatakarzinom - Zelle
2. Stelle einen signifikanten Abfall des Testosteronspiegels sicher
3. Messe Testosteron mit einem genauen Labor Assay (d.h. = Messwerkzeug)
4. Verwende US-PSA als biologischen Endpunkt für die ADT (US=Ultrasensitiv)
5. Nutze Möglichkeiten zur Herunterregulierung ( dR) der Sensitivität des Androgenrezeptors ( AR ) (dR=downRegulierung)
6. Blockiere Wachstumsfaktoren aus den Knochen, die durch exzessive Osteoklastenaktivität freigesetzt werden (ja, ebenfalls ausgelöst durch Androgenenzug)

Es gibt viele Möglichkeiten den Tumorzellen den Zugang zum Androgen zu verwehren. Deshalb nennen wir diese Behandlung ADT = Androgendeprivationstherapie. Dazu gehören:
Die Blockade der testikulären Testosteronproduktion über LHRH), (testikulär meint: in den Hoden)
die Blockade der Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron (das passiert in der Krebszelle!)und
die Blockade der adrenalen Androgenvorläufer (d.s. verschiedene vom Körper produzierte Hormone, aus denen später Testosteron entsteht. Dazu gehört auch Cholesterin!!) die zu Testosteron und Dihydrotestosteron umgewandelt werden.

Prostatakrebs, ob in der Prostatadrüse oder in Form einer Prostatakrebsmetastase, ist in der Lage selbst Androgene zu synthetisieren (d.h. grob üersetzt=herzustellen). Dies ergibt sich aus der sogenannten Intrakrinologie des Prostatakrebses. So wird DHEA (eines der körpereigenen Hormone) zu Androstendion und dieses Androstendion dann weiter zu Testosteron umgewandelt. Erst dann wird Testosteron zu dem aggressiven Dihydrotestosteron (DHT) verstoffwechselt. DHT stimuliert den Prostatakrebs fünfmal stärker als Testosteron.
Sowohl Testosteron als auch DHT können mit dem Androgenrezeptor interagieren (d.h. ungefähr: soviel wie reagieren) um die DNA-Synthese (Umwandlung) und damit das Prostatakrebswachstum anzuregen.

Die Möglichkeit Dihydrotestosteron (DHT) mit einem 5-Alpha-Reduktasehemmer wie Proscar oder Avodart zu hemmen, sollte aus verschiedenen Gründen Teil einer ADT sein.
Avodart ist ein ausgezeichneter Hemmer der Typ I, II und III 5-Alpha-Reduktase. Avodart kann Gene herunterregulieren, die beim Prostatakrebswachstum eine Rolle spielen, z.B. TMPRSS-2 und TTF3 (Trefoil-Faktor 3), während es auch in der Lage ist Gene wie IGFPB3 (Insulin like growth factor binding protein 3) hoch zu regulieren - verbunden mit einer Hemmung des Prostatakrebswachstums.
Der Einsatz von 5-Alpha-Reduktasehemmern während der ADT bewirkt damit eine signifikant längere Auszeit, im Rahmen einer intermittierenden Androgenblockade (IAD)
(Literatur: Scholz, Jennrich, Strum et.al: Journal of Urology 1975: 1673-8, 2006).

ADT bezieht sich auf die Androgen Verfügbarkeit

• PK Wachstum wird durch Androgene vermittelt
• Das nennt man androgen – abhängigen PK oder androgen-unabhängigen PK ( AUPK ) oder kastrations-resistenten PK (KRPK) - aber das PK Wachstum hängt von Androgenen ab.
• PK Metastasen können sogar ihr eigenes Testosteron synthetisieren
• Der Testosteronspiegel (T) ist ein biologischer Schlüssel-Endpunkt
• T wird bei 95% der Männer mit PK nicht gemessen.
• "Kastrationsniveau" sollte < 20 ng/dl sein
• Weiteres absenken von T könnte das Ansprechen verbessern

Anmerkung: Testosteron - Assays sind bei niedrigen Testosteronwerten ungenau: es sollten Assays auf der Basisi von LC/MS/MS verwendet werden

Deshalb -so Dr. Strum- ist der kritische Punkt bei jeder Prostatakrebstherapie einschließlich der Therapie des androgenunabhängigen Prostata-Karzinoms die Frage: Wie weit es gelingt dem Androgenrezeptor den Zugang zu Androgenen zu verwehren.

Es gibt andere kritische Punkte, die den Androgenrezeptor selbst betreffen, aber die Androgenverfügbarkeit ist immer noch der Löwenanteil des Problems bei den allermeisten Männern, die eine Androgenentzugstherapie bekommen.

Ein Dia aus dem Vortrag von Dr. Strum fasst das zusammen und deutet darauf hin, dass es sich bei dem Androgenantzuges um ein sehr wichtiges Element in der Krebstherapie handelt und Ärzte dennoch die Bestimmung des Testosteron-Blutspiegels nicht regelmäßig durchführen oder gar ablehnen.
Aber auch wenn die Urologen Testosteron-Blutspiegel anfordern/in Auftrag geben, wird in den Laboren meist ein Assay verwendet, das nicht empfindlich genug ist, um Testosteron wirklich genau messen zu können. Das ausreichende Absenken des Testosteron-Spiegels auf < 20 ng/dl wird oft nicht einmal angestrebt.

Ergänzung
Hohe Testosteronwerte unter Therapie mit GnRH-Agonisten beeinflussen das spezifische Sterberisiko (Studie von Morote und and.) fast ebenso stark wie die Aggressivität des Tumors (hoher Gleason Score) und sogar stärker als hohe PSA Werte. Das Alter dagegen hat keinen signifikanten Einfluss. Daher sollte dem Testosteronspiegel im Therapie-Monitoring eine stärkere Bedeutung zugeordnet werden.

Juni 2009 WDF/Mai 2011


Schlagwörter:


Zurück