Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Bildgebende Diagnostik bei Prostatakrebs

05.3.2012

Bildgebende Diagnostik bei Prostatakrebs
Was? wofür?

Unterschieden werden folgende bildgebende Verfahren:

• Sonographie
• Konventionelles Röntgen
• Computertomographie
• Magnetresonanztomographie
• Nuklearmedizinische Methoden

Es ist leider ein weit verbreiteter Irrtum, bösartige Gewebeveränderungen (Tumoren) müssten bei den bildgebenden Verfahren immer zu sehen sein. Das ist nicht bei allen Gewebeveränderungen der Fall, und so auch beim Prostatakarzinomen. Trotz immer besserer hochauflösender Geräte ist es auch jetzt immer noch nicht empfehlenswert, sich auf bildgegebende Verfahren allein zu verlassen. Ein negativer Befund im Ultraschall aber auch im MRT schließt nämlich ein Prostatakarzinom nicht aus. Außerdem wird gern vergessen: Ein Gerät alleine macht noch keine Diagnostik! Es gehört der Betrachter/Untersucher dazu. Und der muß sein Fach beherrschen! D.h. die Qualität der Bilder hängt nicht allein von der Technik ab, die Qualität der Bilder und vor allem deren Interpretation hängt ganz entscheident von der Erfahrung des Untersuchers ab. Dr. Eichhorn: "Manchmal ist die Methode gut, aber der Untersucher, der Arzt unerfahren. Dann sind die Ergebnisse unbrauchbar. Hinzu kommt dann noch das Problem des Personalwechsels. Das müssen wir bei unseren Fragen zur Qualität der bildgebenden Verfahren berücksichtigen."

Sonographie/Ultraschall (TRUS)
Die Sonografie/Ultraschall kommt völlig ohne ionisierende (Röntgen) Strahlung aus. Die Bilder entstehen durch die Reflexion von Schallwellen an den Grenzflächen verschiedener Gewebe.
Die Erwartung, dass der transrektale Ultraschall (TRUS) durch Darstellung echoarmer Areale in der Prostata die Früherkennung des Prostatakarzinoms verbessern kann, hat sich nicht bestätigt. Mehrere Studien haben die unzureichende Leistungsfähigkeit des transrektalen Ultraschalls belegt, nämlich lokalisierte Prostatakarzinome im Rahmen der Früherkennung eindeutig zu identifizieren.

Mit der Weiterentwicklung des Ultraschalls werden in letzter Zeit Versuche unternommen, die Sensitivität und Spezifität des TRUS zu verbessern. Dazu gehören die farbkodierte Duplexsonografie, die hochauflösende Dopplersonografie, der Einsatz von Ultraschallkontrastmittel, die B-Bild-Harmonic-Sonografie, die 3-Dimensionale-Darstellung und die Verwendung neuronaler Netzwerke.

HistoScanning ist eine Methode, die computerunterstützt die Rohdaten einer konventionellen rektalen Ultraschalluntersuchung auswertet. Hierdurch kann eine genauere und verbesserte Unterscheidung, Visualisierung und Größenbestimmung von verändertem Prostatagewebe vor allem bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom erfolgen.

Ultraschall mit (Farb-)Dopplereffekt dient der Darstellung von Gefäßen (Das Fließen von Blut kann dargestellt werden). Die farbkodierte transrektale Duplexsonografie mit einem 10 Mhz-Schallkopf (FCDS-TRUS) zeigt in der Prostata verdächtige Areale mit höherer Gefäßdichte ab 2 mm Größe an. In hier entnommenem Gewebe findet sich häufiger ein Karzinom.
Eine deutliche Verbesserung für die Früherkennung bei Prostata- Karzinomen verspricht ein System namens ANNA (Artifizielle Neuronale Netzwerk-Analyse). ANNA ist ein Programm, das auf Datenbanken von Ultraschall-Bildern und histologischen Präparaten von Prostatakrebs zurückgreift. Dieses Computerprogramm identifiziert im transrektalen Ultraschall (TRUS) Prostata-Tumoren, die vorher sonographisch nicht erkannt wurden. Bei diesem Verfahren ist wichtig zu wissen: der Computer kann in den Ultraschallbilder sehr viel mehr Graustufen unterscheiden als das menschliche Auge. Er, der Computer, "sieht mehr" als der Mensch (Arzt) vor dem Bildschirm mit dem bloßem Auge. Problem: Das Verfahren wurde von PD Dr. Loch (früher Homburg-Saar heute in Flensburg) entwickelt m.W. aber nicht der Wissenschaft offen zur Verfügung gestellt. Nur bei Dr. Loch gibt es ANNA!
In Betroffenenkreisen wird dieses Verfahren gelobt, weil die Trefferquote bei ANNA insbesondere bei Patienten mit steigendem PSA aber negativen Biopsien, manchmal sogar mehreren, passabel sei. Die Trefferquote wird in Betroffenenkreisen für diese besonderen Fälle mit 50 Prozent angegeben.

Elastografie
Bei der Elastografie, einer Ultraschallmethode, werden Bilder auf Basis unterschiedlicher Dichtegrade des Gewebes erstellt. D.h. dieses Verfahren unterscheidet zielgenau gesundes und tumorartiges Gewebe und eignet sich zur genauen Lokalisation des Tumors innerhalb der Prostata, denn Experten sind der Meinung, mit der Elastographie kann man die Trefferquote bei Prostatakrebs im Vergleich zur bisherigen Tumordiagnostik um bis zu 30 Prozent erhöhen.
Prof. Stenzel, Tübingen: "Die Elastografie ist so etwas wie die elektronische Weiterentwicklung der rektalen Prostataabtastung (DRU). Durch den Einsatz der Elastografie können wir das Risiko falsch-negativer Befunde minimieren."

Die Trefferquote der Elastographie liegt aktuellen Studien zufolge mehr als doppelt so hoch gegenüber der konventionellen Sonographie.

Röntgen
Die konventionelle Röntgenuntersuchung (mit Film-Folien-Systemen oder Durchleuchtung) ist die Basismethode, insbesondere zur Diagnostik von

• Lunge
• Skelett (Frakturen)
• Abdomen (begrenzt)
• Mammographie (spezielle Einrichtung)
• Knochendichte (spezielle Einrichtung, DEXA)

Die normale Röntgenaufnahme ist auch heute noch in der Regel die erste und häufigste Untersuchung zur Abklärung eines Geschehens, welches den Knochenstoffwechsel beeinträchtigt. Dazu sind jedoch folgende Voraussetzungen erforderlich:
Es muss eine deutliche Kalksalzminderung (30%-50%) vorliegen – also ein bereits recht großer Verlust an "Knochensubstanz", um krankhafte Umbauvorgänge im Knochen mittels Röntgen sichtbar machen zu können.
Es kann jeweils nur ein kleiner Teil des Skelettsystems mit einer Aufnahme untersucht werden.
Vorteile:
Billig, Geringe Strahlenbelastung, Hohe Verfügbarkeit, Anwendung von Kontrastmitteln
Nachteile:
Schlechte Darstellung von Weichteilen

Computertomographie (CT)
CT = Transmissions-Computer-Tomographie; tomos – Schnitt(bildverfahren)
CT arbeitet mit Röntgenstrahlen, die von außen durch den Körper des Patienten geschickt werden. So entstehen Aufnahmen, die die inneren Körperstrukturen des Patienten in kontrastreichen Bildern zeigen von Weichteilen und Gefäßen, Organe, Gehirns, Skelett und große Gefäße (Aorta) und z.B. des Abdomens und des kleinen Beckens. Mit der Computertomographie (CT) können ossäre Veränderungen, insbesondere in komplexen anatomischen Regionen (Wirbelsäule, Becken, Schultergürtel) detaillierter als mit konventionellen Röntgenaufnahmen dargestellt werden.
Beim PSA-Rezidiv ist der Nutzen bildgebender Untersuchungen mit Hilfe von CT fraglich. Zum Staging bei sehr kleinen Metastasen ist CT nicht geeignet.

Prof. Dr. med. Wammack, Essen: "Die Bildgebung bei der Prostata, etwa im Rahmen einer CT-Untersuchung, ist nahezu wertlos, da bösartige Veränderungen zum Teil mikroskopisch klein sind und somit vom CT nicht erfasst werden können. Darüber hinaus sehen selbst harmlose Veränderungen an der Prostata in einer CT-Aufnahme oftmals wie Prostata-Krebs aus."

Die Zahl der CT- Untersuchungen ist dennoch in Deutschland in den letzten Jahren stark angestiegen. Jährlich führen Ärzte fast zehn Millionen CTs durch. Auf die CTs entfällt mehr als die Hälfte der gesamten Strahlenbelastung durch Röntgenaufnahmen.

Mithilfe der SPECT (Single-Photon-Emission-Computer-Tomographie) können zusätzlich überlagerungsfreie Schnittbilder einzelner Knochenstrukturen im Körper erreicht werden. Fusion bezeichnet in diesem Zusammenhang die gleichzeitige, übereinander gelegte Darstellung der Bilddatensätze.

Dr. Frank Eichhorn: "CT und Knochenscintigramm sind im Rahmen der Primärdiagnostik überflüssig, irreführend, Geldverschwendung. Stattdessen sollten risikoadaptiert neue bildgebende Verfahren wie erMRI, Cholin - PET oder USPIO eingesetzt werden."

Knochenszintigrafie
Im Gegensatz zu radiologischen Untersuchungsverfahren (CT/MRT), die vor allem Veränderungen in der Struktur des Knochens sichtbar machen, gibt die Szintigraphie in erster Linie Aufschluss über ungewöhnliche Veränderungen des Knochenstoffwechsels. Auffällige szintigrafische Befunde sind allerdings kein Beweis für Metastasen. Sie können auch bei gutartigen Knochenerkrankungen oder bei Verschleißerscheinungen an den Gelenken (Arthrose) auftreten. Zur weiteren Diagnostik der Fernmetastasierung im Knochen ist nach wie vor die Skelettszintigraphie die Methode der Wahl, allerdings sind positive Befunde bei niedrigeren PSA-Werten (kleiner PSA 20) nur Einzelfälle. Die Erfassungsgrenze des Knochenscans liegt für osteoblastische Reaktionen bei 0,4 cm.(Meine Anmerkung: Das halte ich für zu optimistisch. Meine Erfahrungen sind eher die, dass Knochenmetastasen erst ab 1cm Durchmesser einigermassen sicher detektiert werden.) Solide Herde, sog. "hot spots" und osteolytische Metastasen stellen für den Knochenscan ein Problem dar. Beim PSA-Rezidiv ist der Nutzen bildgebender Untersuchungen mit Hilfe der Skelettszintigraphie fraglich Prof. Weißbach, Fürth: "Obwohl diese Untersuchung in der Nachsorge zu den häufigsten gehören dürfte, hat sie keinen Stellenwert."

Magnetresonanztomografie (MRT)
Die Magnetresonanztomographie auch Kernspintomographie genannt oder
MRT : Magnet-Resonanz-Tomographie
NMR: Nuclear Magnetic Resonance MRI: Magnetic Resonance Imaging
erzeugt, ähnlich der Computertomographie Schnittbilder des menschlichen Körpers. Sie benötigt im Gegensatz zu der Computertomographie keine Röntgenstrahlen, sondern lediglich ein starkes Magnetfeld und Radiowellen.
Viele Teile des menschlichen Körpers (zum Beispiel Knorpel, Sehnen, Bindegewebe und Muskulatur oder auch unterschiedliche Gebiete des Gehirns) weisen nur sehr geringe Dichteunterschiede auf und lassen sich deshalb mit der Computertomographie nur sehr bedingt voneinander unterscheiden. Weil aber die unterschiedlichen Gewebe unter anderem einen sehr unterschiedlichen Gehalt an Wasserstoffkernen haben, lassen sich diese Gewebe in der MRT jedoch sehr gut beurteilen

MRT hat ihre Schwerpunkte in der Darstellung des Gehirns, des Rückenmarks, der Weichteile und außerdem dient sie der Untersuchung des Knochenmarks (die Beurteilung des kortikalen/äußeren Knochens selbst ist schlechter als in der Computertomo-graphie), der Bänder sowie von Organen.
Im klinischen Einsatz sind zur Zeit hauptsächlich 1,5T- und 3T-Systeme.(Anmerkung: T steht für Tesla. Mit Tesla wird -grob vereinfacht ausgedrückt- die Leistungsfähigkeit der magnetischen Spule bezeichnet. Je mehr Tesla, desto mehr Leistung in Sachen genauer Bilder. Nur das hört irgendwo auf. Denn dann sieht der Betrachter z.B. bei einem 7T-MRT Bilder, die er nicht mehr zu deuten weiß.)
MR-Tomographen mit höheren Feldern 5T oder 7T werden in der Regel zu Forschungszwecken eingesetzt.
Magnetresonanztomographische Untersuchungen sind sehr laut, weshalb das Tragen eines bereitgestellten Gehörschutzes wichtig ist! Die Untersuchungsdauer hängt von der Untersuchungsregion und der Fragestellung ab. Sie bewegt sich zwischen zwanzig Minuten und einer Stunde.

Grundsätzlich ist zunächst festzustellen: MRT weist in der Diagnostik von ossären Metastasen gegenüber dem Knochenscan und der CT eine höhere Sensitivität und Spezifität auf. MRT ist deshalb auch das Verfahren der Wahl für die Ausbreitungs-diagnostik und das bedeutet: Ausdehnung und Lokalisation des Tumors können können bestimmt werden. D.h. mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) ist erkennbar, ob der Tumor die Organgrenze bereits überschritten hat und ob er in das Nachbargewebe bereits eingewachsen ist.

Im Allgemeinen ist der Weichteilkontrast bei der MRT besser als in der CT, während Knochen schlechter abgebildet werden. In der T1-Wichung der MRT-Bilder ist die Struktur des Gewebes besonders gut zu erkennen. Das ist wichtig, wenn man wissen möchte, ob die Anatomie des untersuchten Organs normal ist. In der T2-Wichtung werden eher die krankhaften Prozessen sichtbar.

Die MRT ist damit ein wichtiges Instrument für die Operationsplanung, die mit der konkreten Fragestellung verbunden ist, wie viel Gewebe der Operateur entfernen muss.
Probleme:
Aufgrund des hohen Magnetfeldes und des Hochfrequenzfeldes ist die Kernspintomographie für Patienten mit Herzschrittmacher oder sonstigen implantierten elektronischen Geräten ungeeignet; solche Patienten dürfen den abgeschirmten Untersuchungsraum nicht betreten.
Gar nicht so selten haben Patienten im Tomographen Probleme mit Platzangst (Claustrophobie).
Körperbewegungen während der Messung sind überaus störend für die Bildgebung.
Bei einer Tumorgröße von 2-4 mm² liegt die Erkennungswahrscheinlichkeit zwischen 20 % und 30 %, bei einer Größe zwischen 2 mm ² bis 5 mm² liegt die Fehlerquote bei gemittelten 80 %.
Die Ganzkörperskelettuntersuchung mit Hilfe der MRT hat sich wegen des hohen zeitlichen Aufwandes und der schlechteren Verfügbarkeit nicht in der Routinediagnostik durchgesetzt.
Zum Staging bei sehr kleinen Metastasen ist sowohl die CT als auch die MRT nicht geeignet.

MRT mit Endorektalspule (erMRT)
Um möglichst hohe Auflösung der Schnittbilder zu erreichen, wird eine besondere Kombination von Oberflächen- und Endorektalspule eingesetzt, was allerdings eine besondere Geräteausrüstung voraussetzt. Die Endorektalspule ist in einem weichen Gummiballon untergebracht, wird schmerzfrei in den Enddarm gelegt und verbleibt dort während der 15-minütigen Untersuchungsdauer. Die im Radiologischen Zentrum München-Pasing erzielten Ergebnisse für die Beurteilung des Tumorstadiums mit dieser speziellen MR-Technik ergaben eine Treffsicherheit von 87 % (Sensitivität 91 %, Spezifität 83 %) für die Beurteilung eines kapselüberschreitenden Wachstums und eine Treffsicherheit von 89 % (Sensitivität 86 %, Spezifität 93 %) für die Erkennung einer Samenblaseninfiltration. Diese Ergebnisse liegen im oberen Level der in der Weltliteratur mitgeteilten Resultate mit Treffsicherheiten von 82 - 88 % (Sensitivitäten 80 - 95 %, Spezifitäten 82 - 93 %). Fachzeitschrift Der Radiologe (Band 43, Heft 6/2003, S.464–473)

Bei klinisch und / oder laborchemisch vermutetem Prostatakarzinom hilft das erMRT bei der Lokalisation zumindest der suspekten Areale, welche gezielt biopsiert werden können.
Bei bereits nachgewiesenem Prostatakarzinom hilft das erMRT bei der Erkennung des Ausmaßes des Befalls, ebenso bei der Erkennung von Tumorgröße, Kapselüberschreitung, Samenblaseninfiltration, Infiltration der neurovaskulären Bündel oder angrenzender Strukturen wie Blase oder Rektum.
Nach RPE: Bei ansteigendem PSA-Wert und bei nicht eindeutigem TRUS-Befund kann die erMRT des kleinen Beckens zur Beurteilung der Anastomosenregion und der Prostataloge hilfreich sein

Die hochauflösende MR-Untersuchung mit einer Kombination von Endorektal- und Phased-Array-Spulen ist dabei anderen bildgebenden Verfahren wie dem TRUS (transrektalen Ultraschall) oder der CT (Computertomographie) sowohl in der Erkennung und Lokalisation von Tumoren, als auch bei der Einschätzung des Tumorstadiums überlegen.

MR-Spektroskopie
Mit Hilfe der MR-S gelingt es, Einblicke in die Gewebezusammenhänge zu erhalten. Dabei werden Citratgehalt und Cholingehalt z.B. in der Prostata analysiert. Bei bösartigen Tumoren in der Prostata sinkt der Citratgehalt des Prostatagewebes. Gleichzeitig steigt der Gehalt von Cholin, ein Zellbaustein, der für die Bildung der Zellmembran benötigt wird. Sein verstärktes Vorkommen ist ein Signal für das Wachstum eines Tumors.
Es gibt Patienten, bei denen eine PSA-Erhöhung vorliegt, aber der Urologe kann mit seinen Untersuchungsverfahren keinen Tumor und keine andere Erklärung für die PSA-Erhöhung finden. Für diese Patienten kann die Magnetresonanz-Spektroskopie eine sinnvolle Erweiterung des diagnostischen Spektrums darstellen, um bei weiteren Stanzbiopsien gezielt verdächtige Areale der Prostata histologisch zu untersuchen.

Wie genau ist MRS?
Die Magnetresonanz-Spektroskopie allein, wie alle anderen Bildgebenden Verfahren, kann das Vorliegen eines Prostatakarzinoms nicht beweisen. Der histologische Nachweis durch Prostatabiopsie bleibt weiterhin unbedingte Voraussetzung für die Tumorbehandlung. In Kombination mit der Magnetresonanztomographie (MRT) kann eine Treffsicherheit von ca. 80-85% erzielt werden. Falsch negative Ergebnisse, d.h. ein Tumor wird nicht erkannt, sind allerdings auch zu beobachten. Dies liegt in erster Linie daran, dass Tumoren mit niedrigem Malignitätsgrad sich nur wenig von normalem Prostatagewebe unterscheiden und daher auch kein erhöhtes Cholin zu finden ist. Auch gibt es Prostatakarzinome, die nicht als umschriebener Herd wachsen, sondern als einzelne Tumorzellen in normales Gewebe eingestreut vorliegen und daher nur in der Gewebsprobe mikroskopisch erkannt werden

Cholin PET/CT
PET ist ein nuklearmedizinisches Diagnoseverfahren, das seit mehr als fünfzehn Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Für eine PET-Untersuchung werden dem Patienten winzige Mengen radioaktiv markierter Stoffe, so genannte Tracer, verabreicht. Deren unterschiedliche Verteilung in den Körperzellen wird mit Hilfe der PET-Kamera sichtbar gemacht.
Das CT (Computertomogramm) erfasst eine Vielzahl von Röntgenbildern und kann den untersuchten Körperabschnitt schichtweise abbilden. Es liefert präzise Angaben, wo im Körper geschwulstartige Wucherungen auftreten. Mit der PET lässt sich dann klären, ob eine in der CT entdeckte auffällige Gewebestruktur tatsächlich einen Tumorrückfall (stark erhöhter Stoffwechsel) oder Narbengewebe (besonders niedriger Stoffwechsel) darstellt. Denn PET liefert die entscheidend ergänzenden Informationen, ob es sich dabei um Zellen mit erhöhter Cholin-Aufnahme tumorverdächtige Bereiche handelt.

Cholin sammelt sich besonders stark in Wucherungen, die von Prostatakrebs herrühren, an. So können sehr kleine Tumorherde (ab ca. 2 bis 3 mm Durchmesser) geortet werden. Prof. Stenzel, Tübingen: "Diese Methode stellt zurzeit den höchsten Diagnosestandard dar und sie ist noch ausbaufähig". Der große Vorteil des PET/CT-Verfahrens ist neben der Kürze der eigentlichen Untersuchung, dass zwei Untersuchungen zeitgleich durchgeführt werden können. Zudem lässt sich der Verlauf einer Chemo- oder Strahlentherapie exakt beobachten, was wichtige Rückschlüsse über den Erfolg einer Behandlungsstrategie zulässt.
Darüber hinaus gelingt es mit PET/CT und F-18-Fluorid die hochauflösende, dreidimensionale Darstellung des Skelettsystems. Hierbei ist – analog zur Skelettszintigraphie – der Nachweis ossärer Metastasen sowie die Beurteilung der Vitalität eines ossären Primärtumors im Verlauf unter Therapie hoch sensitiv möglich

USPIO
Die derzeit zur Verfügung stehenden bildgebenden Verfahren sind zur Beurteilung des Lymphknotenstatus nicht ausreichend zuverlässig. Ultraschall, CT und MRT geben gerade mal Hinweise auf Größe und der Form eines Lymphknotens, wobei kleine Lymphknotenmetastasen übersehen bzw. fehldiagnostiziert werden können. Um dieses Problem zu beheben, wurde das USPIO (Ultrakleines superparamagnetisches Eisenoxidpartikel), ein zelluläres MR-Kontrastmittel (Sinerem, in Deutschland derzeit nicht zugelassen!), entwickelt. Gerätetechnisch wird an den derzeitigen Europa-Standorten Nimwegen (Niederlande) und ganz aktuell auch in Mannheim im Rahmen von Studien ein hochauflösendes 3T-MRT eingesetzt.

Nach der intravenösen Injektion werden die Nano-Partikel von Makrophagen aufgenommen und in die Lymphknoten transportiert. 24 Stunden nach der intravenösen Gabe von USPIO-Partikeln können benigne und maligne Lymphknoten unterschieden werden. Es können z. B. befallene Lymphknoten bis hinunter zu einer Größe von 2-3 mm erkannt werden (etwa Streichholzkopfgröße).

Grundsätzlich kann man die Qualität der bildgebenden Verfahren wie folgt einordnen:
Bei einem CT Abdomen ist die Auflösung am Schlechtesten
besser ist Cholin – PET/CT
- am Besten ist USPIO.(letzteres vom Markt genommen, steht nicht mehr zur Verfügung- Dezember 2011)

Bielefeld, im Juli 2009/Dezember 2011
Wolfhard D. Frost

Ergänzung:

Auszug aus einer Studie:
Art und Ausmaß der durchzuführenden Bildgebung bei neu diagnostizierten Prostatakarzinomen sollte in Abhängigkeit vom Risikoprofil des Patienten erfolgen. Wir ermittelten 2006/2007 die Rate präoperativer Computertomographien (CT), Magnetresonanztomographien (MRT) und Knochenszintigrammen vor radikaler Prostatektomie in Abhängigkeit vom jeweiligen Risikoprofils.
Beteiligt waren 1018 Patienten. Ergebnis: Die Rate präoperativer CT und Knochenszintigramme ist bei Patienten der Low-Risk-Gruppe ausserordentlich hoch. Demgegenüber erscheint sie bei High-Risk-Patienten eher zu niedrig zu sein.

Ergänzung 2016 des nachfolgenden bisherigen Textes (WDF)


Cholin PET/CT ist weitgehend Geschichte. Heute wird mit PSMA-MRT diagnostiziert; Siehe weiter unten die neuere Ergänzung.

Molekulare Bildgebung mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
Krebszellen in Prostatatumoren und ihren Tochtergeschwülsten tragen an ihrer Oberfläche ein Eiweiß, das im menschlichen Körper sonst sehr selten ist, nämlich das Eiweiß PSMA (Prostata-spezifisches Membran-Antigen), welches in Prostatakarzinomen und ihren Metastasen in bis zu zehnmal höherer Konzentration als in gesundem Gewebe gebildet wird. Diese Eigenschaft nutzen Nuklearmediziner der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg in einem neuen Diagnoseverfahren: Mit maßgeschneiderten radioaktiven Wirkstoffen, die ausschließlich an dieses Eiweiß binden, wird der Tumor für die Bildgebung markiert.
Das neue Kontrastmittel, bestückt mit dem nur wenige Stunden haltbaren radioaktiven Isotop Gallium-68, ist eine Entwicklung der Abteilung Radiopharmazie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Kooperation mit den Nuklearmedizinern des Universitätsklinikums Heidelberg, zeichnet sich durch eine höhere Treffgenauigkeit als gängige radioaktive Kontrastmittel (Radiopharmaka) aus.
Lt. Prof. Haberkorn, Heidelberg, habe man mit dem neuen radioaktiven Marker einen deutlich besseren Kontrast zwischen Tumor und gesundem Gewebe und könne mit Hilfe der Positronen-Emissionstomographie (PET) nun auch kleinere Metastasen oder Rezidive, also erneut gewachsene Tumoren, besser erkennen. Den Verlautbarungen nach sollen Nebenwirkungen nicht auftreten.

Bericht vom Besuch des Vortrages: Therapie und Diagnostik, PSMA Nuklearmedizin von Dr. Rahbar, Uniklinik Münster am 30. Juni 2016, 18.00 Uhr bei der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Münster – WDF+ASF:Unsere Notizen

Der Wirkstoff PSMA läßt sich mit radioaktiven Substanzen koppeln. Gebunden an ein diagnostisches Radionuklid macht er Prostatatumoren und Metastasen im PET sichtbar. Markiert mit einem therapeutischen Radionuklid tötet er gezielt Krebszellen (dkfz). 

Untersuchung mit Ga-68-PSMA-PET/CT

Eine qualitativ hochwertige Bildgebung ist besonders wichtig in der Rezidiv-Diagnostik, um zu erkennen, ob ein Tumor nach einer Behandlung wieder anfängt zu wachsen. Eine neue Variante der Positronen-Emissions-Tomografie (PET/CT oder auch PET/MRT) kann Prostatakrebszellen nach einem Rezidiv überall im Körper aufspüren. Dazu erhält der Patient eine („Spür-„)Substanz (Tracer) in die Vene gespritzt, deren Partikel an das Prostataspezifische Membranantigen (PSMA, ein Eiweiß) bindet. Dieses PSMA befindet bzw. bildet sich zwar im ganzen Körper wie z.B. in den Speichel- und Tränendrüsen, auf gesunden Prostatazellen und auch in der Niere, vermehrt und weitgehend spezifisch findet man es in größerer Menge (10mal höhere Konzentration) aber auf Prostatakrebszellen. Gekoppelt an das Radionukleid 68-Gallium (Ga68) ermöglicht diese Substanz ein zuverlässigeres Staging als mit bisherigen Standarduntersuchungen wie Knochenszintigrafie und CT bzw. MRT. Insbesondere die prätherapeutische Diagnose (Staging) von Metastasen bei hohem oder intermediärem Risikoprofil könne genauer erfolgen.

Auch beim biochemischen Rezidiv können selbst bei niedrigen PSA-Werten <1ng/ml Tumoranreicherungen detektiert werden wie z.B. kleine Lymphknotenmetastasen. Eine Überlagerung mit Bildern aus einer Ganzkörper-Computertomographie (CT) verfeinere die PET-Darstellung. Nicht geeignet sei die PSMA-Untersuchung für die Erstdiagnostik. 

Dr. Rahbar: „Die frühe Entdeckung von Metastasen z.B. in Lymphknoten, inneren Organen wie z.B. der Leber oder in Knochen ist für die weitere Therapie-entscheidung wichtig. Mit der GA-68-PSMA-PET/CT können wir schon bei leichtem Anstieg des PSA-Wertes Metastasen im ganzen Körper sicher und präzise nachweisen, besser als mit dem bisherigen Cholin Kontrastmittel.“. Und nochmal Dr. Rahbar, aktueller Preisträger für seine Studien im UKM zum Thema PSMA und Theranostik: „Die Erfahrungen mit dem GA-68-PSMA-Tracer (Kontrastmittel) sind so gut, dass eine Aufnahme der PSMA-Untersuchung in die Leitlinien geboten erscheint.“
Die Kosten für die PSMA-Untersuchung wird von den Krankenkassen nicht übernommen.

Lt. Dr. Rahbar würden nicht alle PSMA Krebszellen entdeckt, wenn auch in geringem Prozentsatz, denn es gäbe NICHT-PSMA-aufnehmende Prostatakrebszellen, die durch das GA-68-PSMA-PET/CT dann auch nicht dargestellt werden können.-
aus einer Pressenotiz des UKM in Münster: Wie lassen sich Tumorzellen in der Prostata genau lokalisieren? Und wie lässt sich die Behandlung von Patienten mit diesem Wissen noch zielgerichteter planen? Diese Fragen hat sich Dr. Kambiz Rahbar, Oberarzt in der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Münster (UKM), gestellt. Herausgefunden hat er, dass die bildgebende Untersuchung mit speziellen radioaktiv markierten Substanzen (Ga-68-PSMA PET/CT) helfen kann, die Ausdehnung des Tumors in der Prostata von Patienten genau einzugrenzen. Die mit diesem Verfahren erzeugten Schichtbilder der Prostata lassen zunächst von außen darauf schließen, wo und in welchem Ausmaß sich Turmorzellen in der Prostata befinden. Für seine Pilotstudie ist der Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Münster jetzt mit dem „Georg-von-Hevesy-Preis“ der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) ausgezeichnet worden. Dieser gilt als der wichtigste Forschungspreis in der deutschen Nuklearmedizin.
„Unsere Ergebnisse könnten dazu beitragen, Biopsien zur Sicherung der Diagnose in Zukunft zielgerichteter durchzuführen und damit die Belastung von Patienten zu verringern“, sagt Rahbar.
Bielefeld, 03.07.2016 WDF und ASF

.....aus der vorerwähnten Studie, Veröffentlichung 2016:
Zitatbeginn

 

 

Correlation of intraprostatic tumor extent with 68-Ga-PSMA distribution in patients with prostate cancer

.....Results: 112/132 segments were eligible for analysis. The correlation of histological results with PSMA-PET images showed a specificity and sensitivity of 92%, respectively. The positive and negative likelihood ratio and the positive and negative predictive value for PSMA-PET detecting prostate cancer were 11.5, 0.09, 96% and 85%, respectively. The median maximum standard uptake value of true positive prostate segments was significantly higher than in true negative segments (11.0±7.8 vs. 2.7±0.9, p<0.001) and a cutoff of 4 revealed a sensitivity and specificity of and 86.5% and an accuracy of 87.5%. Conclusion: These preliminary results show that the intraprostatic localization and extent of prostate cancer may be estimated by PSMA-PET. This imaging method may be helpful for identifying target lesions prior to prostate biopsy and may support decision-making prior to focal or radical prostate cancer therapy.
Zitatende 

 

 

 

Weitere Ergänzung
Die PET mit Ga-68 DOTATOC (Gallium-68)erlaubt die Darstellung und quantitative Bewertung der Rezeptorexpression im Tumorgewebe (Somatostatinrezeptoren). Bei neuroendokrinen Tumoren), ist die Dichte der Somatostatin-Rezeptoren in den Tumoren meistens erhöht.

PET/MR
ist zurzeit eines der am meisten diskutierten Themen im Bereich von Nuklearmedizin und Radiologie. Es gibt Stimmen, die PET/MRT prophezeien, dass es PET/CT ablösen werde. Tatsächlich bietet die Fusion von PET und MRT einige Vorteile gegenüber PET/CT: Weil bei der MRT keine ionisierende Strahlung zum Einsatz kommt, ist bei PET/MRT die Strahlenbelastung geringer.

aktualisiert im Dezember 2010/März 2012



 

 

 

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Vorträgen von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Schlagwörter:

PSMA

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