Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Chemotherapie, was bringt sie?

24.4.2011

Grundsätzlich:
Die mangelnde Wirksamkeit der Chemotherapeutika durch die niedrige Zellteilungsrate des Prostatakarzinoms sowie Alter und Komorbidität der Patienten sind häufig wichtige Gründe gegen eine Chemotherapie.

Experten äußerten sich dazu auf dem nachfolgend genannten Treffen:
23. Annual Meeting of the EAU, Debatte "Prostate cancer and chemotherapy", 27. März 2008, Mailand

Prof. Urs Studer, Klinik und Poliklinik für Urologie, Bern:
"Bei Patienten mit fortgeschrittenem hormonrefraktärem Prostatakarzinom gibt es bessere Möglichkeiten als eine Chemotherapie, um die Lebensqualität zu erhöhen. Der Preis ist zu hoch, sowohl kostenmäßig als auch im Hinblick auf die Toxizitäten." Studer zu den Nebenwirkungen unter dem Docetaxel-Regime, die zugunsten eines geringen Überlebensvorteils erkauft werden: "Die Hälfte der Patienten klagt über Müdigkeit, zwei Drittel über Haarausfall. 30% entwickeln eine sensorische Neuropathie, 20% eine Stomatitis." Und nochmals Studer: "Unter einer Kombination aus Docetaxel mit Estramustin kommt es signifikant häufiger zu Übelkeit und Erbrechen."

Studer zu der weit verbreiteten Expertenansicht, dass Patienten mit bespielsweise einer raschen PSA-Verdopplungszeit am meisten von einer Chemotherapie profitieren würden: "Auch diese Hoffnung wurde zunichtegemacht".In der Untersuchung starben die Patienten mit der kürzesten PSA-Verdopplungszeit am schnellsten."

Für die Chemotherapie argumentierte Prof. Dr. Mario Eisenberger, Johns Hopkins University, Baltimore wie folgt:
"Unter Mitoxantron plus Prednison resultierte eine deutlichere Verbesserung der Schmerzsituation und der Lebensqualität als unter Prednison allein, und die Therapie verlangsamte die Progression signifikant. Etwa ein Drittel der Patienten wies deutliche Reduktionen der PSA-Spiegel auf."

Eisenberger zu den sehr unterschiedlichen Chancen hinsichtlich eines Ansprechens bzw. des Überlebens bei einer Chemotherapie: "Die Patienten, bei denen eine hohe Chance auf ein Ansprechen besteht, sollten diese Gelegenheit auch erhalten." Eisenberger zu den Nebenwirkungen einer Chemotherapie: "Unter dreiwöchentlichem Docetaxel entwickeln 30% der Behandelten eine Neutropenie, aber nur 3% eine febrile (fiebrige) Symptomatik." Wenn keine Chemotherapie zur Anwendung käme, so Eisenberger, müsse man sich fragen, was die Alternativen seien. "Im natürlichen Verlauf tritt unter Prednison oder Second-Line-Hormontherapie innerhalb von drei bis vier Monaten eine Verschlechterung ein, und die Patienten sterben noch vor Ablauf eines Jahres." Bei einem späten Behandlungsbeginn können bereits viele ungünstige Faktoren bestehen: hohe Metastasenanzahl, Schmerzen, schlechter Performancestatus, ungünstiger Progressionstyp, kurze PSA-Verdopplungszeit.
"Man soll so früh wie möglich behandeln und die Gelegenheit zur Therapie nicht ungenutzt verstreichen lassen."

Das BPS-Magazin schreibt Folgendes zur Chemotherapie

aktualisiert im Dezember 2009/April 2011



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