Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Bestrahlung von Lymphknoten

21.2.2012

Positive Lymphknoten im Becken sind noch lange kein systemisches Rezidiv. Positive Beckenlymphknoten und die regionären Lympgbahnen befinden sich in der Prostataloge und sind deshalb eine lokoregionäre Metastasierung. D.h. es handelt sich um ein lokales Problem.
Paraaortale Lymphknoten und Knochenmetastasen sind hingegen ein systemisches Rezidiv.

Ein Strahlenexeperte: "Patienten mit positiven Lymphknoten profitieren von einer postoperativen Bestrahlung. Die Bestrahlung wirkt nicht nur auf die Prostataloge, sie kann auch die Ausbreitung des Tumors in den Beckenlymphknoten verhindern und bekämpfen. Man muss nur die Bestrahlung richtig machen, um die Lymphbahnen mit abzudecken."

Literatur:
Eur Urol. 2009 May;55(5):1003-11. Epub 2009 Feb 4.
Long-term follow-up of patients with prostate cancer and nodal metastases treated by pelvic lymphadenectomy and radical prostatectomy: the positive impact of adjuvant radiotherapy.
Da Pozzo LF, Cozzarini C, Briganti A, Suardi N, Salonia A, Bertini R, Gallina A, Bianchi M, Fantini GV, Bolognesi A, Fazio F, Montorsi F, Rigatti P

Für die Bestrahlung paraaortaler Lymphknoten könnte nach Meinung von Strahlenexperten eine Bestrahlung mit Protonen vorteilhafter (weil genauer) sein.

Und jetzt die spannende Frage nach der Prognose, die der Strahlenexperte wie folgt beantwortet:

 

Es besteht 80% Wahrscheinlichkeit, dass der PSA-Wert unmittelbar nach der Bestrahlung abfällt.
Es besteht 50% Wahrscheinlichkeit, dass der PSA-Wert dauerhaft unten bleibt.
Die restlichen 30% betreffen Patienten, die:
a) zu wenig Dosis gekriegt haben und bei denen die Strahlentherapie erstmal den PSA-Wert senkt, bis Tumorzellen wieder in der Prostataloge wachsen.
b) Mikrometastasen ausserhalb der Prostataloge haben, die aktuell ruhen aber nach Jahren aufwachen und wachsen.

Im Gegensatz dazu vertritt der von mir sehr geschätzte Dr. Frank Kahmann, Berlin die nachfolgende Meinung bzgl. Bestrahlung von metastasierten Lymphknoten:

Bei einer lymphogen metastasierten Erkrankung hilft die lokale Bestrahlung der Prostata nicht, da der Tumor über die Prostatagrenze hinausgewachsen ist. Durch eine solche Therapie handelt man sich nur Nebenwirkungen ein, ohne dass eine Erfolgsaussicht besteht.

Der Strahlenexperte im BPS-Forum:

Wenn man vom Zwerchfell bis ins kleine Becken eine Vielzahl von LK-Metastasen bestrahlen muss, ist das:
1. Eine anstrengende Behandlung
2. Ein Zeichen dafür, dass der Tumor weit gestreut hat und demnächst weitere LK ausserhalb des Bestrahlungsfeldes zu erwarten sind.

Einen Überlebensvorteil gibt es bei einer solchen Strahlentherapie nicht. Probleme/Beschwerden machen 2-7mm grosse LK keine.

 

 

 

 

 

Toxizitätsanalyse der Bestrahlung von Beckenlymphknoten bei Prostatakrebspatienten behandelt mit IMRT (M.E. Johnsen et al.)

(Text Dr. FRank Eichhorn, Bad Reichenhall, 2015) Verglichen wurde eine Patientengruppe bei der nur die Prostata bestrahlt wurde mit einer solchen, bei der Prostata, Samenblasen und Beckenlymphknoten der Bestrahlung unterzogen wurden. In der Gruppe mit Bestrahlung der Prostata und der Beckenlymphknoten mit 56 Gy entwickelte sich ein signifikanter Anstieg der Grad 2 Spät-Toxizität (nach 5 Jahren!); es kam relativ häufig zu länger anhaltenden Darmblutungen.

Interessant war, dass es kurzfristig keinen Unterschied bei den Nebenwirkungen der beiden Gruppen gab. Natürlich muss man das für und wider der Lymphknotenbestrahlung gut gegeneinander abwägen. Es gibt aber Möglichkeiten, Darmkomplikationen nach einer Bestrahlung zu vermeiden oder wenigstens in der Häufigkeit und Schwere zu vermindern – z.B. durch den Space OAR. Dabei wird in einem kleinen Eingriff ein Hydrogel zwischen Darm und Prostata gebracht, um den Abstand zwischen den Organen zu vergrößern. So sinkt die Verletzungsanfälligkeit des Darms durch die Bestrahlung erheblich.Wahrscheinlich könnte man auch mit Hilfe einer ganzen Reihe von Medikamenten, Vitaminen und Spurenelementen vor, während und nach der Bestrahlung Darmblutungen verhindern.

Das tröstliche ist: Die Blutungen hören irgendwann von alleine wieder auf. Ernst zu nehmen ist die Beobachtung von Dr. „Snuffy" Myers, der bei großflächiger Beckenbestrahlung eine lang anhaltende Beeinträchtigung des Immunsystems festgestellt hat.
letzte Aktualisierung im Februar 2010/April 2015 (WDF)

Ergänzung im März 2017

Zusätzliche Bestrahlungen bei Lymphknotenbefall
Sind bei Prostatakrebs die Lymphknoten befallen, kann nach der Operation eine Strahlentherapie zusätzlich zur Hormonentzugstherapie Überlebensvorteile bringen. Wie intensiv Prostatakrebs, der bereits in die Lymphknoten, aber noch nicht in andere Organe gestreut hat, nach der Operation behandelt werden sollte, ist derzeit noch umstritten. In einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Cancer zeigte sich, dass Patienten von einer Strahlentherapie, die zusätzlich zur unterstützenden (adjuvanten) Hormonentzugstherapie angewandt wird, profitieren können.

Die Patienten, die zusätzlich bestrahlt wurden, hatten ein signifikant besseres Fünf-Jahresgesamtüber-leben als die Patienten, die keine zusätzliche Bestrahlung erhielten.

 

 

 

Dabei bestand keine Interaktion zwischen diesem Zusammenhang und anderen potenziellen Einflussfaktoren wie der Zahl der befallenen Lymphknoten, positiven Tumorrändern, dem Gleason-Score oder der Höhe des prostataspezifischen Antigens. Offenbar verbessere eine Strahlentherapie zusätzlich zur adjuvanten Hormonentzugstherapie bei Patienten mit Prostatakrebs und positivem Lymphknotenbefall die Prognose, so die Schlussfolgerung der Studienautoren.

 

 

(Quelle: Jegadeesh, N. et al.: The role of adjuvant radiotherapy in pathologically lymph node positive prostate cancer. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 8. November 2016, DOI: 10.1002/cncr.30373)

Mein Kommentar als Betroffener Laie:
So recht kann ich das nicht glauben. Zum einen sind für mich hinsichtlich des Überlebens 5 Jahre einfach zu kurz, besser wären 10 Jahre zum anderen kann ich es nicht glauben, dass Gleason  und R1 hier keinen Einfluß hätten. 24.03.2017 WDF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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