Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prostatakrebs und DNA-Zytometrie

22.8.2009

DNA-Zytometrie ist eine Methode zur Frühdiagnose bösartiger Tumoren durch Messung des Gehaltes an Erbsubstanz (DNA) in ihren Zellen. Daneben kann das Verfahren auch zur Bestimmung der Bösartigkeit (Malignität) einiger Tumoren eingesetzt werden. Biologische Grundlage ist die Tatsache, dass die meisten bösartigen Tumoren Störungen der Zahl ihrer Chromosomen pro Zellkern aufweisen (chromosomale Aneuploidie). Je bösartiger ein Tumor ist, umso ausgeprägter sind in der Regel diese Chromosomenaberrationen (Anmerkung: Aberration = Abweichung). Die Messung des DNA-Gehaltes geschieht z. B. mittels digitaler Bildanalyse im Mikroskop durch Bestimmung der optischen Dichte und Größe der Zellkerne nach spezifischer Anfärbung ihrer DNA (Bildzytometrie). Als Untersuchungsmaterialien kommen sowohl Zell- als auch Gewebeproben (z.B. bei einer Zweitbegutachtung nach einer Biopsie wird das Stanzmaterial an den Referenzpathologen gesandt.) infrage. Alternativ kann der DNA-Gehalt von Zellen nach Anfärbung mit Fluoreszenzfarbstoffen auch in Flüssigkeiten gemessen werden (Durchflusszytometrie). Anwendungsbeispiele sind die Früherkennung von Gebärmutterhals- oder Mundhöhlenkrebs an Schleimhaut-Abstrichen oder die Bestimmung des Grades der Bösartigkeit von Karzinomen der Prostata.

Was kann die DNA-Zytometrie im Zusammenhang mit Prostatakrebs hinsichtlich der Therapieentscheidungen beitragen?

Auszug aus der Broschüre der GEK:
Zitatbeginn

"Abwartendes Beobachten:
In Fällen von rein peridiploiden Prostatakrazinomen mit niedriger Wachstumsgeschwindigkeit in frühen Stadien (T1) bei älteren Männern (über 70) kann vielfach auf eine Therapie vorerst oder sogar lebenslang verzichtet werden.....in einer solchen Situation, alle ein bis zwei Jahre mittels Feinnadelaspirationsbiopsie und DNA-Zytometrie kontrollieren, ob der Tumor zwischenzeitlich aggressiver geworden ist und dementsprechend behandelt werden muß.
...bei x-ploider oder multiploider DNA-Verteilung ist eine abwartendes Verhalten vor allem bei jüngeren Männern problematisch, da diese Tumoren unbehandelt rasch fortschreiten.

ggf. Verzicht auf eine Hormontherapie
Bei Vorliegen eines peritetraploiden Verteilungsmusters bei einem Prostatakarzinom sollte eine antiandrogene Hormontherapie sehr kritisch hinterfragt werden..... ggf. verschlechtert sich bei diesen Patienten die Prognose sogar, weil unter Entzug männlicher Hormone....Platz gemacht wird für evtl. vorhandene aggressive Krebszellen.
Bei rein peridiploiden Prostatakarzinomen relativ junger Männer4 kann prinzipiell eine hormonelle Behandlung erwogen werden."


Zitatende

Die DNA-Zytometrie steht in Konkurrenz mit den anderen Methoden zur Aggressivitätsbestimmung von Prostatakarzinomen:
Gleason-Score
Histologischer Malignitätsgrad nach Helpap

Ob die DNA-Zytometrie nach einer bereits durchgeführten Therapie noch einen Sinn macht, das bejaht die GEK-Broschüre. Ob der behandelnde Urologe sich darauf einläßt, das muß jeder Patient selbst klären.

August 2009

 

Ergänzung2015

Dr. Böcking meint:
" Während es sich bei der Bestimmung der histogenetischen Klassifikation von Tumoren um eine qualitative mikroskopische Beurteilung handelt, wird beim mikroskopischen Malignitäts-Grading eine skalierbare Größe quantitativ geschätzt."

Und weiter:
" Um anhand einer Zell- oder Gewebeanalyse eines Tumors auf sein zukünftiges Verhalten zu schließen, sollte vor allem auf dessen bösartigsten Anteile geachtet werden, nicht auf die häufigsten, wie es der Glöeason tut. Die Betonung des häufigsten statt des malignesten Anteils mißachtet die Tatsache, dass es im Rahmen der Tumorprogression zu einer Abnahme weniger maligner Zellen und zur Zunahme höher maligner kommt. Die malignesten Anteile im Tumor bestimmen das Schicksal des Patienten."

Empfehlung:
Und der folgenden Meinung von Dr. Böcking kann ich mich anschließen: "Die DNA-Malignitäts-Gradierung bietet eine Art Zweitmeinung mit anderer Methodik an, welche den histopathologischen Erstbefund nicht kompromittiert."

Meine Meinung: Keine Primär-Therapie ohne Zweitmeinung und beim geringsten Zweifel die Biopsiestanzen zum Referenzpathologen schicken, auch wenn ggf. der behandelnde Urologe wenig Begeisterung dafür zeigt. Ich meine, es geht um mich, um mein Über-Leben, um meine gesundheitliche Zukunft. Da ist mir eine zögerliche oder gar ablehnende Antwort meines Urologen, wohlgemerkt wenn ich auch  nur den geringsten Zweifel habe, herzlich egal. Und ein "guter" Urologe, wird mir helfen.  
WDF 01.05.2015

April 2015 WDF 

 



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