Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Therapeutischer Oberarm gegen hormonrefraktären Prostatakrebs

30.8.2009

Klingt neu. Ist es auch.

Seit dem 2. Juli 2009 ist mit dem GnRH-Agonisten Histrelinacetat (Vantas® 50 mg Implantat, Orion Corporation, Kosten: 1.598,00 €) ein neuer Therapieansatz in der Behandlung des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms verfügbar.

Histrelin ist ein synthetisches LHRH-Analogon, welches die Testosteron-Bildung komplett, aber reversibel unterdrücken und damit das Wachstum hormonabhängiger Tumoren bremsen kann. Bei Vantas handelt es sich um ein kleines Kunststoffröhrchen, welches in einer einfachen Prozedur in den Oberarm implantiert wird, d.h. der Arzt platziert das Implantat subkutan durch einen kleinen Hautschnitt (unter Lokalanästhesie) auf der Innenseite des Oberarms. Das Implantat enthält 50mg Histrelin, das innerhalb eines Jahres nach und nach kontrolliert per Diffusion in das Gewebe freigesetzt wird.

Über zwölf Monate hinweg kann damit der Testosteronspiegel auf niedrigem Niveau gehalten werden. Nach einem Jahr wird das verbrauchte Implantat gegen ein neues ausgetauscht. Der besondere Vorteil gegenüber der 3 Monats- oder 6 Monatsspritze anderer Medikamentenanbieter liegt darin, dass das Implantat bei eventueller Unverträglichkeit oder bei einem Stop der Hormontherapie herausgenommen werden kann. Innerhalb von zwei bis drei Tagen soll lt. Prof. M. Graefen, Hamburg, kein Wirkstoff mehr vorhanden sein .

In Studien fielen die Serumtestosteronwerte nach Einsetzen des Vantas-Implantats innerhalb von vier Wochen mit durchschnittlich 15,8 ng/dl deutlich unter das Kastrationsniveau.

Berichtet wird in den Fachankündigungen über Nebenwirkungen, die infolge der Testosteronunterdrückung ohnehin zu erwarten seien. Dazu zählen Hitzewallungen, Gynäkomastie, Hodenatrophie und erektile Dysfunktion, häufig auch Müdigkeit (Fatigue). Ebenso könne es zu Beschwerden an der Operationsstelle wie Schmerzen, Schwellung oder Entzündung (selten) kommen. Erwähnen muß man da wohl auch die Möglichkeit einer Abstoßung des Implantats.

Herstellerseitig wurde berichtet, der kurzzeitige Hormonanstieg zu Beginn jeder Therapie mit GnRH-Agonisten könne bei einigen Patienten Symptome wie zum Beispiel Gelenk- und Knochenschmerzen, Neuropathie oder Harnwegsobstruktionen verschlimmern. Dann könne der Arzt die Gabe von Antiandrogenen erwägen.

Meine Anmerkung:
Ein hoffnungsvoll erwartetes Medikament bei beginnendem hormonrefraktärem Prostatakrebs!

August 2009

(WDF)



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