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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Clavien-Klassifikation

09.3.2012

...Clavien-Dindo Klassifikation chirurgischer Komplikationen

Patienten wollen wissen, wer gut operiert. Pierre-Alain Clavien, der sich wissenschaftlich mit der Evaluation von Chirurgen befasst, hat einen Kriterienkatalog erarbeitet, in dem er alle möglichen Komplikationen in sieben Schweregrade einteilt. Kliniken und Chirurgen lassen sich mit diesem Instrument vergleichen.Als Komplikationen gelten alle Ereignisse, die nicht dem normalen Verlauf nach einer Operation entsprechen. Die Schwierigkeit bestand darin, möglichst objektive Kriterien für die Beurteilung zu finden. Das wichtigste Kriterium aus der Sicht des Patienten, die Lebensqualität, ist für einen objektiven Qualitätsvergleich kein Gradmesser, weil deren Bewertung zu sehr von der subjektiven Sicht des Patienten abhängt.

Clavien teilt die Komplikationen nach der Art der ärztlichen Behandlung ein, die ein solches Ereignis nötig macht. Beim leichten Wundinfekt, der keine medikamentöse Behandlung braucht, handelt es sich um eine Komplikation des Schweregrads I. Lebensbedrohende Komplikationen, die eine Einlieferung in die Intensivstation mit weiteren Operationen nötig machen, entsprechen z.B. dem Schweregrad IV. Stirbt der Patient auf Grund einer Komplikation nach einer Operation, entspricht dies dem höchsten Grad V. Trägt der Patient eine bleibende Behinderung davon, muss dies unabhängig vom Schweregrad mit dem Buchstaben d (für disability) vermerkt werden.

Clavien-Klassifikation für postoperative Komplikationen

Grad I Abweichung vom normalen postoperativen Verlauf ohne die Notwendigkeit einer Intervention (medikamentös, radiologisch, chirurgisch)

Grad II Leichte Komplikationen, die einer medikamentösen Intervention, Bluttransfusion oder parenteralen Ernährung bedürfen

Grad III Komplikationen, bei denen eine chirurgische, endoskopische oder radiologische Intervention notwendig ist

Grad IIIa wie zuvor jedoch ohne Vollnarkose
Grad IIIb wie zuvor jedoch mit Vollnarkose

Grad IV Lebensbedrohliche Komplikation, die eine intensivmedizinische Behandlung verlangen

Grad IVa Versagen eines Organs
Grad Ivb Versagen mehrerer Organe

Grad V Tod durch Komplikation hervorgerufen

In der NZ-Online im September 2004 stand zu lesen:

Chirurgen warnen davor, einen Vergleich der Kliniken oder Ärzte nur auf nackte Zahlen zu stützen. Kliniken, die überwiegend Hochrisikopatienten behandeln, würden automatisch schlechtere Werte erreichen. Ein solcher Wettbewerb der Zahlen könnte Kliniken dazu verleiten, sich auf leichtere Fälle zu konzentrieren. Das Nachsehen hätten dann die Patienten, die gute Chirurgen am dringendsten brauchen.

Weitere Unterteilung der Komplikationen erfolgen in
 vermeidbar
 schicksalhaft = unvermeidbar
Wobei vermeidbare Komplikationen wiederum in
 individuell
 systemisch
unterteilt wurden.

September 2009/aktualisiert im Juni 2011/März 2012



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