Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Second-Line-Hormone Therapie

30.7.2011

auseinem Vortrag von Dr. Myers (Snuffy Meyers) USA im September 2009 auf der Konferenz des PCRI:
....ist fest davon überzeugt, dass die Behandlungsergebnisse besser sind, wenn man den PSA-Wert im hormonrefraktären Stadium nicht ansteigen lässt. Er plädiert für eine frühzeitige second-line-Hormontherapie vor der Chemotherapie - mit Ketokonazol und Östrogenen.

...in einer hochrangig publizierten wissenschaftlichen Studie gezeigt, dass Ketokonazol dramatisch besser wirkt wenn PSA noch unter 10ng/ml liegt. Dr. Small et.al. haben über eine Ansprechsquote von 70% berichtet, wenn Ketokonazol mit Leukine kombiniert wird. Ketokonazol kann mit vielen chemotherapeutisch wirksamen Medikamenten kombiniert werden.

Die Einstellung eines Patienten auf Ketokonazol ist nicht ganz einfach, weil das Medikament im Magen sehr unterschiedlich resorbiert wird. Ideal ist die Bestimmung des Ketokonazol-Blutspiegels. Wenn diese Möglichkeit nicht besteht sollen die Patienten mit einer niedrigen Dosis (z.B. 3 x 100mg alle 8 Stunden auf leeren Magen) beginnen und langsam auf 3 x 400mg täglich steigern. Problem: Ketokonazol interagiert mit sehr vielen sehr häufig eingenommenen Medikamenten. Das Leberenzym CYP3A4 baut ungefähr die Hälfte aller verschreibungspflichtigen Medikamente ab. CYP3A4 wird jedoch von Ketokonazol blockiert. Besondere Vorsicht ist geboten bei Calciumblockern, Erythromycin und anderen Antibiotika

Diethylstilbestrol (DES) und Estradiol.
Dr. Myers bevorzugt Östrogen-Pflaster, weil damit die Wahrscheinlichkeit für Thrombosen wesentlich niedriger ist als bei DES (Kommentar: Estradurin steht in Amerika nicht zur Verfügung). Benötigt werden meistens bis zu 10 Pflastern. Besonders praktisch weil klein sind die Pflaster von Vivelle. Nachteile der Östrogen-Therapie: Bei ca. 80% der Patienten kommt es zu einer Brustvergrößerung; Flüssigkeitsansammlung im Körper und Beinödeme bei ca. 20 – 30%.
Vorteile: Ein gut verträgliches Sexualhormon, das schnell Knochen aufbaut und damit einer Osteoporose entgegenwirkt. In der Kombination mit Lupron sind die Testosteron-Spiegel üblicherweise <0,1ng/ml. Dr. Myers: "Es ist die am wenigsten toxische Hormontherapie die ich kenne."

...in einer Studie gezeigt, dass Leukine in manchen Fällen den fortgeschrittenen Prostatakrebs länger als 5 Jahre unter Kontrolle halten kann. Die Ansprechsquote bei einer Leukine-Therapie liegt bei 70%. Im Vergleich dazu darf bei Taxotere nur mit einer Ansprechsquote von 40 – 50% gerechnet werden.
Vorzüge einer Leukine-Therapie: Heilung von Strahlenschäden
Nebenwirkungen von Leukine: Anstieg der Leukozyten im Blut auf 20.000 – 30.000, Beinödeme, Fatigue-Syndrom, allergische Reaktionen. Die meisten Nebenwirkungen können mit Antihistaminika gut behandelt werden. Leukine, Ketakonazol und Östrogene können kombiniert werden.

Sandostatin-LAR ... wichtige Schlüsselrolle beim androgenunabhängigen Prostata-Karzinom... kann ein Ansprechen auf LHRH-A wieder herstellen. Das (sehr teure) Medikament wird außerordentlich gut vertragen.

Dr. Frank Eichhorn, Bad Reichenhall:

Die Second-line-Hormontherapie bietet Ansprechraten, die mit Taxotere vergleichbar sind -bei besserer Lebensqualität. Will man die Second-line-Hormontherapie richtig einsetzen muss auf verschiedene Details bezüglich Dosierung der Medikamente, Dosierungsintervall und Medikamenteninteraktionen geachtet werden. ... haben in Bad Reichenhall mit allen von Dr. Myers genannten Medikamenten gute bis sehr gute Behandlungsergebnisse gesehen und können seine Erfahrungen nur bestätigen.

siehe auch: Sekundäre Hormontherapie

siehe auch
MDV 3100 oder
Abiraterone oder
Nizoral (Ketokonazol) oder
hormonelle Manipulation

Wichtige Ergänzung:

Frage auf dem Julitreffen 2011 der Prostatakrebs SHG in Münster:
Gibt es Studien mit Medikamenten, die lebensverlängernd wirken oder anstatt einer Hormontherapie verabreicht werden?
Dr. Bögemann, Uniklinik Münster:
Derzeit werden in Studien MDV3100 und Tasquinimod erprobt für Patienten mit kastrationsresistentem PCa, die im Rahmen der Hormontherapie bisher alle Therapieoptionen ausgeschöpft haben und bisher keine Chemotherapie erhalten haben. In solcher Situation sind künftig MDV3100 und TASQ vermutlich die besseren Therapeutika.

Es könne sein, dass unter dem Eindruck der neuen Medikamente zukünftig die Reihenfolge der verabreichten antihormonellen Therapeutika neu überlegt werden müsse.

November 2009/Mai 2011/aktualisiert im Juli 2011



Zurück