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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Metronome Therapie mit Endoxan

05.11.2009

Frau Dr. Hübner, Habichtswaldklinik: Da erst wenige Studien zur metronomischen Therapie veröffentlicht wurden und eine systematische Erfassung der Therapiergebnisse erst bei relativ kleinen Patientenzahlen erfolgte, ist noch unklar, in welchen Situationen und bei welchen Tumoren sie im Vergleich zu einer klassischen Chemotherapie eingesetzt werden kann.

Die Nebenwirkungsrate dieser Kombinationstherapie ist vergleichsweise gering. Insbesondere im Vergleich zu einer normal- oder hochdosierten Chemotherapie berichten die Patienten nur in wenigen Fällen über schwerwiegende Unverträglichkeiten.

Endoxan = Wirkstoff:Cyclophosphamid

Dauerhafte, niedrigdosierte (metronomische) Zytostatikabehandlungen haben sich als antiangiogen wirksam erwiesen. Für einige „klassische“ Chemotherapeutika konnte eine antiangiogene Aktivität in vivo und in vitro nachgewiesen werden, so z.B. für Bleomycin, Fluorouracil, Etoposid und auch für Cyclophosphamid
[Albertsson et al., 2003; Klement et al., 2000; Miller et al., 2001].
In einer 2000 erschienenen Veröffentlichung konnten BROWDER und Mitarbeiter zeigen, daß eine metronomische Therapie mit Cyclophosphamid (Endoxan) an verschiedenen Tumorarten im Tierversuchsmodell durch den Mechanismus der Antiangiogenese zu einer wirksamen Inhibition des Tumorwachstums bei vergleichsweise geringen chemotherapeutischen Nebenwirkungen führte. [Browder et al., 2000].

NICOLINI und Mitarbeiter untersuchten die Wirkung einer niedrigdosierten kontinuierlichen Therapie mit Cyclophosphamid beim hormonrefraktären, metastasierten Prostatakarzinom (MHRPCa) an 8 Patienten. Es zeigte sich, daß insgesamt 62,5%(Anmerkung dazu siehe unten) der Patienten von der Behandlung profitierten; die mittlere Überlebenszeit, die für das MHRPCa mit ca. 1 Jahr angegeben wird, betrug bei 5 der behandelten Patienten 17-33 Monate. Es traten Neutropenien der Grade II und III bei allen Patienten auf, die Therapie wurde jedoch insgesamt gut vertragen [Nicolini et al., 2004].

Beachte: Abhängig von der Behandlungsdauer kann jedoch nach Therapieende noch insgesamt genügend intaktes bzw. nur reversibel geschädigtes Tumorgewebe bzw. Endothel vorhanden sein, um ein weiteres Tumorwachstum zu gewährleisten [O´Byrne et al., 2001].

Auch stellt sich die Frage, ob nicht auch metronomische Therapieverfahren Resistenzen der Tumorzellen hervorrufen können.

Meine persönliche Anmerkung:
Über die relativen Zahlenspielereien kann ich mich richtig ärgern. Das ist Augenwischerei. 62,5%, das klingt doch überzeugend. Wenn man aber nachrechnet und erkennt, das waren gerade mal 5 Patienten, dann wird das schon enger mit der Aussage, auch wenn die Gruppe der patienten gerade mal 8 Personen betrug. Und wenn die anderen 3 dann auch noch während der Studie verstorben sind, dann ärgere ich mich über solche relativ günstig erscheinenden zahlen noch mehr.

November 2009


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