Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Screening und Diagnostik

07.11.2009

Mitgeschrieben auf dem 61. DGU-Kongress im September 2009 in Dresden:

Moderne Optionen in der Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms - Screening und Diagnostik
J. Breul, Freiburg
Eine frühzeitige Diagnostik ist wohl die effektivste Maßnahme, um die Mortalität des Prostatakarzinoms zu senken. 3000 Männer müßten pro Jahr NICHT an einem ProstataKarzinom sterben, wenn ein Screening gemacht würde und wenn bessere Testverfahren zur Verfügung stünden. Der Referent beleuchtete verschiedene diagnostische Verfahren und Möglichkeiten hinsichtlich ihres diagnostischen und/oder prognostischen Aussagewertes

DRU – allein hilft nicht beim Screening und auch nicht beim Staging. In Kombination mit PSA ist DRU jedoch derzeit noch die beste Methode.
DRU mit Kontrastmittel erkennt vorzugsweise die eher aggressiven Tumore.
Elastografie – Die Methode verbessere die Trefferquote bei einer Biopsie. Anzumerken sei, dass man mit der E. insbesondere die aggressiveren Tumore detektieren könne, diese seien weniger elastisch.
EPCA-2 - Mit EPCA-2 ist ein neuer Biomarker mit höherer Genauigkeit als PSA vorhanden. pT2 von pT3 Tumoren, genauer organbegrenztes und organüberschreitendes Wachstum sind unterscheidbar.
PCA3 - PCA3 ist ein Gen, das ausschließlich in Prostatagewebe exprimiert wird. Wenn Prostatazellen entarten, wird PCA3 überexprimiert. Prostatakarzinomzellen synthetisieren dabei 60-100fach mehr PCA3-mRNA als normales Prostatagewebe. Der PCA3-Score kann als ergänzende Information zur Vorhersage des prä-operativen Risikos der PCa-Progression (Prädiktor für extrakapsuläre Ausdehnung) und der Notwendigkeit einer frühen Behandlung genutzt werden.
GSTP1 – ist im Serum und im Urin nachweisbar; wird in HGPIN und in Karzinomgewebe nicht jedoch im normalen Prostatagewebe gefunden. Ist als potentieller Früherkennungsmarker interessant.
Zirkulierende Tumorzellen – Im peripheren Blut frei zirkulierende Tumorzellen helfen nicht, sind für diagnostische Zwecke nicht hilfreich
Anzahl Biopsiestanzen – Der Referent stellt infrage, dass aus diagnostischer Sicht 20 Stanzen tatsächlich einen Vorteil gegenüber 10 Stanzen bringen würden.
Androgenstimulation – Für prognostische bzw. diagnostische Zwecke zum Nachweis eines Prostatakarzinoms nicht verwendbar.
3-dimensionales Mapping mit Sättigungsbiopsie - sei ein nur in wenigen Ausnahmefällen geeignetes Mittel zur Diagnosegewinnung
Side-fire oder End-fire-Technik - Eine entscheidende Rolle für das Erreichen guter Ergebnisse hat nach Aussage des Referenten im Rahmen der Ultraschallgesteuerten Prostatabiopsie die Verwendung des Vaginalscanners in Verbindung mit der End-Fire-Führungshilfe
Molekulare Tests – die Trefferquote sei dabei nur bei etwa 50%, da könne man auch eine Münze werfen.

Bildgebende Diagnostik und Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms – Prof. A. Heidenreich, Aachen
Prof. Heidenreich favorisierte das endorektale MRT mit MR Spectroskopie. Aber es brauche einen Radiologen, der sich wirklich gut mit der Prostata auskennen würde. Nur etwa ein Viertel der Unikliniken habe eine endorektale Spule und MR Spectroskopie.
Wenn ein HighRiskTumor T3 operiert werden müsse, sei das keine OP für alle. T3 brauche eine besondere OP-Erfahrung. Es sei eine Modifikation der Operationstechnik erforderlich, um die sonst übliche Rate positiver Absetzungsränder von ca. 30 % signifikant zu senken und die hohe Rate an metastasierten Lymphknoten zu entdecken. Diese Operationstechnik der extendierten radikalen Prostatektomie basiere darauf, die urethrale Präparation (Durchtrennen der Harnröhre) nicht intraprostatisch (in Höhe der Prostata), sondern mit einem Abstand von ca. 3–4 mm nach distal (aussen gerichtet) durchzuführen. Zudem wird der laterodorsale (seitlich zum Rücken hin) Bereich der Gefäßnervenbündel weit bis in das Niveau des perirektalen (nahe zum Dickdarm gelegen) Fettgewebes reseziert (entfernt), um die häufig durch Perineuralscheideninvasion in diesem Bereich vorkommenden Tumorzellinfiltrationen komplett entfernen zu können.

In einer Studie, so Prof. Heidenreich, hatte nach der klassischen Operationsmethode ungefähr ein Drittel der Patienten einen R1-Befund, während bei der modifizierten OP-Technik, der extendierten radikalen Prostatektomie, nur 9 % positive Schnittränder aufwiesen. Die PSA-Progressionsrate sei nach drei Jahren bei den modifiziert Operierten deutlich niedriger gewesen.

(Meine persönliche Anmerkung: In einer urologischen Schrift an anderer Stelle hat sich Prof. Heidenreich hierzu noch zusätzlich wie folgt geäußert: "Für junge Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom ohne bildgebend erfaßbare Metastasen stellt die radikale Prostatektomie bei guter Selektion eine Behandlungsoption mit kurativer Intention dar. Günstige Prognosefaktoren sind ein PSA < 20 ng/ml, ein Biopsie-Gleason-Score < 7 sowie ein Befund < cT3a.")

November 2009

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Vorträgen von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.


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