Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Plenaxis

14.2.2011

Eine neue Form der Hormontherapie stellt die Gabe von GnRH-Antagonisten dar. Als erster Vertreter dieser Substanzgruppe wurde Abarelix (Plenaxis ®) im Februar 2008 in Deutschland zugelassen. Das Präparat hemmt – im Gegensatz zu GnRH-Agonisten – direkt die hypophysären GnRH-Rezeptoren. Dadurch sinkt der Testosteronspiegel sofort, d. h., es besteht keine Gefahr, dass sich durch initiales Flareup die Symptome verschlechtern oder ein Fortschreiten der Tumorentwicklung angeregt wird – die zusätzliche Gabe von Antiandrogenen entfällt.

Plenaxis® wird als Kit mit 100 mg Abarelix in Form eines Carmellose-Komplexes (weißliches Pulver) und isotoner Natriumchloridlösung (klares, farbloses Lösungsmittel) zur Herstellung einer Injektionssuspension geliefert. Die gebrauchsfertige Zubereitung sollte mit kreisenden Bewegungen gut durchmischt werden, d.h. die Durchstechflasche sollte gut geschüttelt werden und ist zur sofortigen Applikation bestimmt. Plenaxis® ist nur als Einmonatsdepotpräparat verfügbar und wird intramuskulär verabreicht.

Der Anstieg der Transaminasenwerte sollte unter Plenaxis engmaschig überprüft werden. Plenaxis sollte bei eingeschränkter Leber- und/oder Nierenfunktion nicht verabreicht werden.
Und bei einem Körpergewicht >100KG kann die Wirkung von Plenaxis eingeschränkt sein.

Aufgepasst:
Plenaxis kann das QT-Intervall verlängern. das hat mit Herzrhythmusstörungen zu tun.

Prof. Porst in Hamburg verweist auf seiner Webseite auf eine äußerst interessante Studie bezüglich der Auswirkungen eines Testosteronmangels auf den Herzrhythmus bzw die elektrische Reizleitung im Herzen. Herausgefunden wurde, dass bei Männern mit zu niedrigem Testosteron im Elektrokardiogramm (EKG) das so genannte QT-Intervall verlängert ist. Die Behandlung mit Testosteron kann diese potentiell lebensgefährliche Reizleitungsstörung wieder beheben. (Giraldi FP et al: Int J. Andrology 2009). Unerkannte QT-Verlängerungen sind die häufigste Ursache für lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen (Kammertachykardien und Arrhythmien) und plötzlichem Herztod.

Meine Anmerkung:
Hier war für mich die Überlegung angebracht: Folge ich dem ärztlichen Rat, Testo auf Kastrationsniveau abzusenken unter Inkaufnahme evtl. kardiovaskulärer Probleme oder riskiere ich ein evtl. mögliches Tumorwachstum und eine kürzere Restlebenszeit (siehe Studie von Morote et al. nämlich signifikante Überlebenszeitverkürzung, wenn Testosteron nicht unter den Kastrationslevel bei einer hormonablativen Therapie abgesenkt wird) durch Testosteron? Tausche ich Belzebub gegegen Teufel?

Ich habe mich nach 11 Jahren verschiedenster PCa-Therapien und unterschiedlich schweren wie belastenden Nebenwirkungen sowie unter Berücksichtigung meines Alters (70) gegen die absolute Testosteronabsenkung und für Lebensqualität entschieden. Hoffentlich habe ich noch etwas davon!

Zwischenergebnis: Die Therapiepausse nach der zweiten Sequenz meiner IADT mit Plenaxis war mit knapp einem Jahr recht kurz, zumal auch noch die PSA-Steigerungsrate bei einer Verdreifachung innerhalb von 10 Wochen liegt.
Eine aktuelle nuklearmedizinische Diagnose (11Cholin PET/CT) zeigte deutlich die "Rückkehr" des Rezidives an derlinken Samenblase, ebenso die Knochenmetastase am Schambein (vergrößert) und zwei weitere verdächtige Stellen in der nähe des Sakralgelenks und in den Lendenwirbeln. Es liegt der Verdacht nahe, die Entscheidung für Plenaxis könnte bei der 2. iADT-Therpiesequenz könnte falsch gewesen sein. (Februar 2011)

Häufig vorkommende Nebenwirkungen wurden folgende genannt:
Juckreiz (an der Einstichstelle)
Gewichtszunahme
Depression und Schlafstörung, Schläfrigkeit
Schwindel und Kopfschmerz
Atemnot
Bauchschmerzen, Blähungen
Haarausfall und Ausschlag
Muskelschwäche, Muskelschmerzen
Pollakisurie, Nykturie
empfindliche Brustwarzen, Hodenschmerzen
Kraftlosigkeit, Schwäche, Schmerzen an der Injektionsstelle, peripheres Ödem und gelegentlich Hämatom an der Injektionsstelle
Erhöhung der Leberenzymwerte

Die Behandlung mit Plenaxis kann nach Mitteilung des Herstellers auf Dauer zu einer Abnahme der Knochenmineraldichte führen.

Die fertige Injektionssuspension enthält keine Konservierungsmittel und muß sofort verwendet werden. Allenfalls bis 8 Std. bei Raumtemperatur sollte die Suspension aufbewahrt werden.

siehe auch Abarelix ond/oder Degarelix März 2009;ergänzt im November 2009; ergänzt im Juli 2010, aktualisiert im Februar 2011

Wichtige Ergänzung:

Plenaxis ist nicht mehr lieferbar. Meine EMail-Nachfrage beim Hersteller brachte nur den lapidaren Satz zustande: Plenaxis ist nicht mehr liederbar. Kein Hiweis auf später, ob es das Medikament dann wieder gibt oder ob es ganz vom Markt genommen worden ist.

Alternative:

Urologen greifen jetzt verstärkt zu Firmagon (Degarelix) oder kehren wieder zurück zum LHRH. Für mich ist das unbefriedigend, war doch Plenaxis bei mir hochwirksam bei geringen, fast gar keinen Nebenwirkungen.

April 2015 WDF

 


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