Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Biopsiefreie Diagnose von Prostatakrebs

19.4.2011

Prostatakrebs ist gut behandelbar, wenn er früh genug erkannt wird. Deshalb ist die Diagnose vor allem in den letzten Jahren zu einem zentralen Baustein für die Therapie geworden. Eine Vielzahl von neuen Blut-und Urintests sowie immer besser und aussagefähiger werdende bildgebende Verfahren helfen dabei, Prostatakrebs auch ohne die gefürchtete Biopsie - eine Gewebeentnahme aus der Vorsteherdrüse - zu erkennen.

Ca. 500.000 Biopsien werden jedes Jahr in Deutschland bei Männern vorgenommen, obwohl die Biopsie nicht immer treffsicher, nicht gerade risikoarm und für den Mann eine gefürchtet, schmerzhafte Prozedur ist. Nicht treffsicher, denn der Arzt kann "daneben stechen", d.h. den Krebsherd in der Prostata gar nicht treffen. Nicht risikoarm, weil eine Tumoraussaat, ein Ausschütten von Tumorzellen, in die Blutbahn beim Hineinstechen in die Prostata und den Krebsherd befürchtet wird. Es besteht deshalb ein enormes Interesse, andere Mittel, andere Verfahren zu entwickeln, um die Biopsie überflüssig zu machen und wenn überhaupt - dann nur als defintiv letztes Mittel zu verwenden.

Gibt es Alternativen? In Heidelberg wurde ein Arbeitskreis Biopsiefreie Diagnostik gegründet, in dem unter Leitung von Dr. J.-E. Deuster Experten unterschiedlichster Fachrichtungen Ersatzmethoden für die Biopsie diskutieren, die vereinzelt jetzt schon in der Praxis eingesetzt werden oder zumindest eingesetzt werden könnten.

Dr. Joachim-Ernst Deuster: " Es gibt inzwischen die Möglichkeit, Art und Anzahl zirkulierender Tumorstammzellen im Blut, also Tumorstammzellen, die aus der Prostata kommen, zu diagnostizieren. Und es gibt den PCA3-Test, der Tumorzellen im Prostatasekret nachweist. Es ist also möglich, schon sehr früh den Verdacht auf Prostatakrebs zu erhärten."

Das Cholin-PET/CT, eine Ganzkörper-Untersuchung, ist eine Möglichkeit, Tumorgewebe in der Prostata, als auch Metastasen im Körper zu entdecken. Der Tumornachweis mit dem MagnetResonanzTomografen (MRT) unter Zuhilfenahme von spezieller Software stellt derzeit das beste bildgebende Verfahren dar, was auch die interdisziplinär mit Radiologen und Urologen besetzte Arbeitsgruppe für die S3-Leitlinie bewog festzustellen, dass "mit der MRT die Prostata, ihre nähere Umgebung und die lokalen Lymphabflußwege abgebildet werden können." Allerdings sind das relativ teure bildgebende Verfahren, die von den Kassen kaum oder gar nicht erstattet werden.

Prof. Eickenberg, Urologe aus Werther: "Unsere Daten können die Statements der Leitlinie bestätigen, dass bei klinischem Verdacht eines Prostatakarzinoms die MRT tumorverdächtige Areale lokalisieren kann. Aufgrund der Sensitivität <90% kann die MRT allerdings die Biopsie nicht ersetzen. Sie kann jedoch nützliche Informationen zum Prostatakarzinomvolumen und dessen Lokalisation vor Biopsie geben. Die Unterscheidung zwischen lokal begrenztem oder lokal fortgeschrittenem Tumor ist mit MRT möglich. Das hat Konsequenzen für die weiterführende Therapie."
Über die in der ALTA-Klinik in Gütersloh von Prof. Eickenberg verwendete stereotaktische perkutane MR-Biopsie informiert ein gesonderter Beitrag.(...ist in Arbeit/06.12.2009)

Die Ultraschall-Elastographie, ein weniger teures Verfahren, macht sich die Tatsache zu nutze, dass Tumorgewebe in der Prostata verhärtet ist und sich mittels spezieller Software deutlich von gesundem, d.h. weicherem, Gewebe unterscheiden lässt.

Zweifelsfrei werden künftig molekulare, gentechnische und bildgebende Verfahren den stanzenden Urologen und den Pathologen im Vorfeld einer Therapie viel Arbeit abnehmen. Dies um so mehr, als tausende vergeblich biopsierter Männer solches inbrünstig herbeibeten. Aber noch ist es nicht soweit, denn allen heutigen Verfahren, ob mehr, weniger oder gar nicht wirksam, ist eines gemeinsam: Keines der bisherigen nichtinvasiven Verfahren kann die Aggressivität des Tumors zweifelsfrei bestimmen und damit eine zielführende Therapie ermöglichen. Ob deshalb die eingangs erwähnten und weitere, andere Methoden schon heute die Biopsie generell oder im Einzelfall ersetzen können, war Gegenstand von Vorträgen auf dem diesjährigen 61. DGU-Kongress in Dresden.

Moderne Optionen in der Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms
Moderation Prof. A. Heidenreich, Aachen
Screening und Diagnostik - J. Breul, Freiburg

Eine frühzeitige Diagnostik ist wohl die effektivste Maßnahme, um die Mortalität des Prostatakarzinoms zu senken. 3000 Männer müßten pro Jahr NICHT an einem ProstataKarzinom sterben, wenn ein Screening gemacht würde und wenn bessere Testverfahren zur Verfügung stünden.

Der Referent beleuchtete verschiedene diagnostische Verfahren und Möglichkeiten hinsichtlich ihres diagnostischen und/oder prognostischen Aussagewertes:

DRU – allein hilft nicht beim Screening und auch nicht beim Staging. In Kombination mit PSA ist DRU jedoch derzeit noch die beste Methode.
DRU mit Kontrastmittel erkennt vorzugsweise die eher aggressiven Tumore.
Elastografie – Die Methode verbessere die Trefferquote bei einer Biopsie. Anzumerken sei, dass man mit der E. insbesondere die aggressiveren Tumore detektieren könne, diese seien weniger elastisch.
EPCA-2 - Mit EPCA-2 ist ein neuer Biomarker mit höherer Genauigkeit als PSA vorhanden. pT2 von pT3 Tumoren, genauer organbegrenztes und organüberschreitendes Wachstum sind unterscheidbar.
Hier scheint es zum Stillstand gekommen zu sein. Dem Vernehmen nach (ein urologischer Experte: Der EPCA-2 Test ist wahrscheinlich nicht zuverlässiger als eine Münze zu werfen. ) konnten die von Dr. Gerstenberger ermittelten ersten Daten nicht reproduziert (oder sagt man validiert?) werden.
PCA3 - PCA3 ist ein Gen, das ausschließlich in Prostatagewebe exprimiert wird. Wenn Prostatazellen entarten, wird PCA3 überexprimiert. Prostatakarzinomzellen synthetisieren dabei 60-100fach mehr PCA3-mRNA als normales Prostatagewebe. Der PCA3-Score kann als ergänzende Information zur Vorhersage des prä-operativen Risikos der PCa-Progression (Prädiktor für extrakapsuläre Ausdehnung) und der Notwendigkeit einer frühen Behandlung genutzt werden.
GSTP1 – ist im Serum und im Urin nachweisbar; wird in HGPIN und in Karzinomgewebe nicht jedoch im normalen Prostatagewebe gefunden. Ist als potentieller Früherkennungsmarker interessant.
Zirkulierende Tumor(stamm)zellen – Im peripheren Blut frei zirkulierende Tumorzellen sind für diagnostische Zwecke nicht hilfreich
Hierzu gibt es auch andere Meinungen z.B. von Frau Prof. Pachmann, Bayreuth Patientenseminar München 2010, Vortrag von Frau Prof. Pachmann zu Zirkulierende Tumorzellen
Anzahl Biopsiestanzen – Der Referent stellt die Frage, ob aus diagnostischer Sicht 20 Stanzen einen Vorteil gegenüber 10 Stanzen bringen würden.
Androgenstimulation – Für prognostische bzw. diagnostische Zwecke zum Nachweis eines Prostatakarzinoms nicht verwendbar.
3dimensionales Mapping mit Sättigungsbiopsie - sei ein nur in wenigen Ausnahmefällen geeignetes Mittel zur Diagnosegewinnung
Side-fire oder End-fire-Technik - Eine entscheidende Rolle für das Erreichen guter Ergebnisse hat nach Aussage des Referenten im Rahmen der Ultraschallgesteuerten Prostatabiopsie die Verwendung des Vaginalscanners in Verbindung mit der End-Fire-Führungshilfe
Molekulare Tests – die Trefferquote sei dabei nur bei etwa 50%, da könne man auch eine Münze werfen.
Hierzu siehe die Vorträge von Prof. Bonkhoff und Prof. Sarbia auf dem Patientenseminar 2010 in München

PSA

Nicht unerwähnt bleiben kann in diesem Zusammenhang der PSA-Wert, die Kritik am PSA-Wert und die derzeit als alternative oder neue oder als verbessert bezeichneten anderen Tumormarker. Prof. Semjonow, Münster erläuterte in seiner bekannt launigen Art, drei Marker:

Sarcosin - Hier steht die Publicity in keinem Verhältnis zum Nutzen. Es gibt nur eine Studie mit 53 Männern
pro-PSA - ist eine Subgruppe des fPSA und ist nicht sehr stabil; proPSA sinkt beim Lagern nicht ab, sondern es steigt. Man muß es innerhalb 3 Stunden zentrifugieren. Lt. Prof. Semjonow ist "proPSA wahrscheinlich ein Fortschritt zum alleinigen fPSA"
PCA3 - ein Urintest; kommt im normalen Prostatagewebe so gut wie gar nicht vor; bei etwa 90% aller Prostatakarzinomgewebe ist es jedoch überexprimiert. Prof. Semjonow: "Leider hilft uns der PCA3-Score nicht, festzustellen, dieser Mann braucht KEINE (weitere?) Biopsie. Selbst bei normalem PCA3-Score hatten noch 12% der Männer ein Karzinom." PSA wird uns nach Meinung von Prof. Semjonow noch längere Zeit weiter begleiten, zumindest als Selektionskriterium für dann aufwendigere Untersuchungen bei Verdacht auf Prostatakarzinom.

Ein weiteres interessantes Verfahren, biopsiefrei Prostatakrebs zu erkennen, scheint das sogenannte HistoScanning zu sein. Mehr dazu hier .

Weiteres auch unter Bildgebende Diagnostik von Prostatakrebs und unter
Tumorstammzellen .

Dezember 2009/aktualisiert im April 2011

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Vorträgen von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.


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