Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Bestrahlung nach radikaler Prostatektomie

06.3.2012

Wann sollte eine Bestrahlung direkt nach der Operation erfolgen?

Eine Bestahlung möglichst bald nach der RPE wird immer dann zu überlegen sein, bei
- positivem Schnittrand (R1),
- Samenblaseninfiltration
- Kapseldurchbruch.

Ob die Bestrahlung direkt im Anschluss an die Operation erfolgt oder zunächst ein Anstieg des PSA-Wertes abgewartet wird, muß sorgfältig überlegt werden. PSA-Nadis nach der RPE, Kontinenzpobleme und PSA-Dynamik nach der OP sind dabei wichtige Indikatoren für die Entscheidung.

Empfehlung:
Die Strahlentherapie möglichst nie vor Ablauf von 6 Monaten nach OP durchgeführen, da sonst die Heilung der Anastomose blockiert wird und oft mehr Inkontinenz bleibt und häufiger eine Anastomosenenge entsteht (Prof. Galalae, Villingen)

Eine verzögerte Bestrahlung sollte idealerweise bei einem PSA-Wert von < 1,0 ng/ml begonnen werden.

Empfehlung: Reden Sie mit Ihrem Urologen über eine Bestrahlung, wenn der PSA-Wert nach der OP nach dreimaligem Anstieg den Bereich 0,2 ng/ml erreicht.

Was wird bestrahlt?

Frage eines Betroffenen an den Strahlenexperten im BPS-Forum

Wenn nach der Entfernung der Prostata die nunmehr leere Prostataloge bestrahlt wird, so trifft man doch eigentlich die Nahtstelle von Harnröhre und Blasenboden, den Blasenboden + inneren Schließmuskel und die Harnröhre. Und darüber hinaus möglicherweise noch andere Organe vor und hinter dem Zielgebiet (z.B. Neven und Darm)?
Welches Zielvolumen wird bei einer RT definiert?
Gibt es überhaupt ein Volumen, welches definiert werden kann?
Kommt es dann dort nach RT zu Vernarbungen an den Organen, mit entsprechenden Schäden?
Oder erholt sich das gesunde Gewebe wieder von der Strahlendosis und nur die dort evtl. vorhandenen Krebszellen nicht?
Wie ist voraussichtlich der weitere Krankheitsverlauf, falls ich mich nicht bestrahlen lasse?

Die Antwort des Strahlenexperten:

1. Die Überlegung ist richtig. Das "Loch", das nach der RPE entsteht, wird durch die Blase grösstenteils aufgefüllt. Und es ist die Blase und der Schliessmuskel, die man bei der Bestrahlung dann auch bestrahlt.
Nebenwirkungen spielen sich deswegen auch in dieser Region ab, sowie in den benachbarten Organen (z.B. Darm).
Vernarbungen und Schäden an diesen Organen sind möglich, das ist ja auch der Grund, warum man nur Patienten bestrahlt, die eine Indikation für eine Bestrahlung haben. Sonst würde man ja einfach alle Patienten bestrahlen.

Das Problem ist einfach, dass bei der Operation oft nicht jede Tumorzelle "sicher" entfernt werden kann, wenn der Tumor z.B. schon durch die Kapsel durchgebrochen ist. Die Nähe der Prostata zu Gefässen und Nerven, sowie die engen Verhältnisse im kleinen Becken machen es für einen Operatuer schwierig, alles Tumoröse mit genug Sicherheitssaum im Gesunden zu entfernen.

Wenn man sich nicht bestrahlen läßt, dann wird der PSA vermutlich weiter ansteigen.

aktualisiert im Dezember 2009/Juli 2011/März 2012



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