Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Bauchdeckenkatheter

21.2.2012

Wann, Warum, Erfahrungen, Probleme..

Ein Katheter wird entweder durch die Harnröhre, oder durch die Bauchdecke in die Blase eingeführt. Durch einen wassergefüllten Ballon an der Katheterspitze wird verhindert, dass der Katheter herausrutscht. Über den Katheter fließt ständig Urin aus der Blase und kann mit verschiedenen Auffangsystemen gesammelt werden. Hygiene ist sehr wichtig für Personen, die einen Dauerkatheter tragen. Die Einstichstelle des Bauchdeckenkatheters muss in regelmäßigen Abständen, bzw. nach Bedarf, fachgerecht verbunden werden.

Ein Betroffener berichtet, wie das Legen und Entfernen des Bauchdeckenkatheters bei ihm ablief:

Das Legen ist weiter nicht schlimm, und dauert nur ca.5 Min. Zuerst wird die Gegend ums Scharmbein mit einer Betäubungsspritze örtlich betäubt, was nicht schmerzhaft ist. Dann wird die Blase mittels eines Katheters durch die Harnröhre mit einen Kontrastmittel aufgefüllt. So kann man das legen des Katheters unter Röntgen/ Ultraschall verfolgen. Mit einer Hohlnadel, wird etwa 2 Fingerbreit über dem Schambein senkrecht durch die Bauchdecke in die Blase gestochen, und der Katheter eingeführt. Die Nadel wird zurückgezogen, und der Katheter bleibt in der Blase. Der 1. Katheter ist meist ein CH 10 und wird an der Bauchwand angenäht. Außer einem leichten Wundschmerz in den ersten Tagen, spürt man weiter nichts. Der Katheter wird nach 4-6 Wochen gewechselt, was auch nicht richtig schmerzhaft ist. Das Wechseln ist auch in nicht einmal 5 Min erledigt. Das Wechseln geht folgendermaßen vor sich: Durch den alten Katheter wird ein Führungsdraht in die Blase gelegt. Der alte Katheter wird nach oben raus gezogen, und der neue über den Draht eingeführt. Der 2. Katheter ist ein Ballonkatheter und wird über den Ballon geblockt. Das größte Risiko beim Legen des Katheters ist, dass der Darm angestochen wird, was aber sehr gering ist.
Mehr zum Thema findet man bei der Inkontinenz-Selbsthilfe

Bei der Transurethralen Resektion der Prostata, kurz TUR-P genannt wird Schritt für Schritt das vergrößerte Gewebe mittels Schneidstrom und Vor- und Zurückschieben der Schlinge entfernt. Hierbei entstehen krabbenförmige Späne, die in die Blase gespült werden und zwischenzeitlich durch den Operationsschaft ausgespült werden können. Mit einer weiteren Stromqualität, dem so genannten Koagulationsstrom, kann man blutende Gefäße dann verschorfen. Über einen Bauchdeckenkatheter wird während der Operation kontinuierlich das Spülwasser abgesaugt, so dass eine Einschwemmung von Spülwasser in geöffnete Gefäße vermieden wird.

Am Ende der Operation ist die "Mandarine" sozusagen ausgeschält (Originalton Marienhospital Düsseldorf) und es steht nur noch die Schale mit dem Hohlraum. In diese Hülle wird ein Katheter platziert, über den die Blase gespült wird. Gleichzeitig wird der Katheter an der Stelle wo das "Fruchtfleisch", also das Prostatagewebe gesessen hat, geblockt, so dass er gleichzeitig durch Druck auch noch eine Blutstillung ausübt. Ein 4 mm dicker Bauchdeckenkatheter dient zusätzlich der sicheren Harnableitung der Blase und ermöglicht es, schon nach wenigen Tagen den durch den Penis gelegten Harnröhrenkatheter zu entfernen.

Über den Bauchdeckenkatheter können Medikamente zur Beruhigung der Harnblase eingefüllt werden. Man kann aber auch über ihn testen, wie viel Resturin nach dem Wasserlassen übrig bleibt.

Bei normalisiertem Wasserlassen wird der Bauchdeckenkatheter entfernt. Das Loch in der Blase schließt sich unmittelbar. Die Entfernung dauert allenfalls wenige Sekunden.

Eine akute bakterielle Prostataentzündung kann nicht ambulant behandelt werden. Bei deutlicher Restharnbildung kann neben einer antibiotischen Behandlung durch Spritzen/Infusionen die Urinableitung über einen kleinen Bauchdeckenkatheter erforderlich sein. Die Prostata wird somit "ausgeschaltet" und kann in Ruhe heilen. Es besteht sonst die Gefahr der Entwicklung eines Prostataabszesses (Eiterherd). Dieser müsste punktiert werden. Die antibiotische Behandlung wird nach ein paar Tagen auf Tabletten umgestellt, die der Patient insgesamt 6 Wochen einnehmen muss.

Ist der Patient fieber- und beschwerdefrei, kann der Bauchdeckenkatheter abgeklemmt werden und getestet werden, ob eine restharnfreie Blasenentleerung möglich ist. Wenn ja, kann der Katheter entfernt werden. Andernfalls wird er belassen, der Patient geht mit dem Katheter nach hause. Ambulant wird weiterhin der Restharn geprüft. Falls nach 6 Wochen keine ausreichende Blasenentleerung möglich ist, muss die Prostata ausgeschält werden.

Durch die bei der HIFU-Behandlung entstehende Hitzeeinwirkung kommt es nach dem Eingriff zum Anschwellen der Prostata und den damit verbundenen Problem des Wasserlassens. Aus diesem Grund wird vorbeugend eine Abhobelung (TUR-P: transurethrale Prostataresektion) und das Einlegen eines Blasen-Bauchdeckenkatheters für einige Tage durchgeführt

Bei allen Thermotherapie-Methoden wird das Prostatagewebe erwärmt. Dadurch wird das Gewebe zerstört. Die Wärmeenergie wird entweder über die Harnröhre (transurethrale mikrowelleninduzierte Thermotherapie: TUMT) oder direkt in die Prostata eingeführte Nadeln (transurethrale Nadelablation: TUNA) vor Ort gebracht. Der Therapieerfolg ist häufig erst nach einer gewissen Zeit (bis zu mehreren Wochen) erkennbar, da es direkt nach dem Eingriff zu einer starken Gewebeschwellung und einer Verschlechterung der Beschwerden kommt. Meistens muß der Urin für die Übergangszeit über einen Bauchdeckenkatheter abgeleitet werden.

Die Einlage von Stents, Metallspiralen oder -röhrchen in die Harnröhre, um diese bei der gutartigen Prostatavergrößerung offen zu halten, ist lt. Prof. J. Rassweiler derzeit keine Standardtherapie. Selbst bei Patienten, die nicht operiert werden können (zum Beispiel wegen schwerwiegender Nebenerkrankungen), wird eher die Einlage eines Bauchdeckenkatheters als Dauertherapie empfohlen. Das hängt damit zusammen, dass es bei den Metallröhrchen für die Harnröhre noch technische Probleme gibt, die vor allem die Haltbarkeit des Metalls über sehr lange Zeit betreffen Harnableitende Hilfsmittel für Männer. Bei einer leichten Inkontinenz mit nur tröpfchenweisem Harnabgang gibt es so genannte Tropfenfänger. Sie werden über den Penis gestülpt und mit Klebestreifen in der Unterwäsche oder einer Netzhose fixiert. Bei schwerer Inkontinenz sind Kondomurinale geeignet. Kondomurinale sind Gummihülsen, die über den Penis gestülpt werden. An deren Ende befindet sich eine Art Adapter mit einem Schlauch. Dieser ist mit einem Beinbeutel verbunden, der die ablaufende Harnmenge sicher auffängt. Kondomurinale sind für Männer meist wesentlich angenehmer zu tragen als "Windeln".

Soll ein Katheter für mehrere Wochen in der Blase verbleiben, ist es wegen der Infektionsgefahr besser, einen suprapubischen Blasenkatheter (Bauchdeckenkatheter, PuFi = Pubische Fistel) zu verwenden, der statt durch die Harnröhre durch die Bauchdecke eingebracht wird. Hierzu wird nach örtlicher Betäubung knapp oberhalb des Schambeins eine dickere Hohlnadel in die Blase vorgeschoben und hierüber der Katheter platziert. Die Hohlnadel wird entfernt und der Katheter fixiert. Komplikationen entstehen bei ungenügend gefüllter Blase oder nach ausgedehnten Voroperationen mit Verwachsungen durch Verletzung benachbarter Organe. Stärkere Blutungen sind aber selten. Der suprapubische Blasenkatheter kommt außer zur Langzeitversorgung auch bei urologischen Notfällen, z. B. bei Penis- oder Beckenverletzungen oder beim anders nicht zu behebenden Harnverhalt zum Einsatz.

Erfahrungen mit einem Bauchdeckenkatheter aus einem Patientenforum:
von A. 02.10.2009
Hallo, G., ich habe seit 10 Jahren einen Bauchdeckenkatheter und hatte noch nie ernsthafte Schwierigkeiten. Mal ne kleine Entzündung, aber alles harmlos gegenüber vorher. Ich trug seit 1975 bis 1999 ein Kondomurinal .......und war doch mehr eingeschränkt gegenüber jetzt.
Ich kann wieder Radfahren und vieles machen, was mit dem Urinal nicht möglich war. Aber jeder Mensch reagiert anders......

letzte Aktualisierung im Juli 2010/Feb. 2012



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