Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Dutasterid

08.1.2012

Der Wirkstoff Dutasterid ist ein 5-Alpha-Reduktase-Hemmer und wird zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) angewendet. Dutasterid hemmt die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (Dihydrotestosteron=DHT wird im Körper aus Testosteron hergestellt und fördert besonders stark das Wachstum der Prostatazellen) durch eine Blockade des Enzyms 5-Alpha-Reduktase.

Von der 5a-Reduktase gibt es zwei Isoenzyme (Typ 1 und 2), die je nach Gewebe unterschiedlich produziert (exprimiert) werden. In der Prostata ist der Typ 2 vorherrschend (die dominierende Form). Finasterid (Proscar®) blockiert von den beiden Isoenzymen nur den Typ 2; die Konzentration von Dihydrotestosteron wird damit in der Prostata um bis zu 90% und im Plasma um bis zu 70% gesenkt. Dutasterid hemmt beide Isoenzyme, was vor allem eine stärkere Senkung des Dihydrotestosteron-Spiegels im Plasma bedeutet. Die DHT-Unterdrückung (Supprimierung) bewirkt eine verstärkte Apoptose im BPH-Gewebe, wodurch das Drüsenvolumen reduziert wird. Die Vergrößerung der Prostata wird aufgehalten. Dutasterid steigert zudem den Harnfluß und senkt das Risiko für einen akuten Harnverhalt und damit auch das Risiko für eine Operation.

In einem einjährigen Vergleich zwischen Dutasterid (0,5 mg pro Tag) und Finasterid (5 mg pro Tag), der in einer Übersichtsarbeit erwähnt ist, waren die Unterschiede zwischen den beiden 5a-Reduktasehemmern nicht signifikant (bedeutend) Die Verminderung der Dihydrotestosteron-Konzentration unter 5a-Reduktasehemmern geht mit einer Zunahme der Testosteron- Spiegel einher. Gleichzeitig bewirkt das eine Konzentrationsabnahme des prostataspezifischen Antigens (PSA). Dutasterid senkt den PSA-Spiegel um ungefähr 50%. Das Verhältnis von freiem zu Gesamt-PSA bleibt unter der Behandlung mit Dutasterid konstant. Wird zur Erkennung eines Prostatakarzinoms unter der Therapie mit Dutasterid der prozentuale Anteil des freien PSA herangezogen, ist keine rechnerische Korrektur erforderlich.

US-Fachgesellschaften empfehlen Finasterid zur Prävention des Prostatakrebses seit Anfang 2009

Professor Manfred Wirth, Universitätsklinikum Dresden: "Ob 5-Alpha-Reduktase-Hemmer einem Krebswachstum vorbeugen oder das Wachstum bereits vorhandener Tumore verlangsamen, lässt sich gegenwärtig nicht eindeutig beantworten. Wesentlich scheint die Absenkung von DHT zu sein. Insbesondere Dutasterid kommt zur Chemoprävention für Risikopatienten in Frage. Dabei handelt es sich um Patienten mit einem erhöhtem PSA-Wert bei denen bereits eine negative Biopsie vorliegt. Der Einsatz ist sicherlich auch bei familiärer Häufung von Prostatakrebs zu erwägen." Die Entdeckung von behandlungs-bedürftigen Prostatakarzinomen würde erleichter. Es handle sich hier jedoch derzeit um einen so genannten off-label-use.

Am amerikanischen Urologenkongress 2009 wurden die Ergebnisse der REDUCE-Studie vorgestellt. In dieser Studie wurden über 8000 Männer mit hohem Prostatakarzinom-Risiko vier Jahre mit Dutasterid behandelt. Im Gegensatz zu einer anderen Studie (PPCT, da fand man nach vier Jahren im Dutasterid-Arm eine 23%ige Reduktion des Karzinomrisikos.) fand sich in der REDUCE-Studie kein erhöhtes Risiko für aggressive Tumore. "Auch wenn es schon aus ökonomischen Gründen nicht sinnvoll ist, jedem Mann eine Chemoprävention zu empfehlen, so zeigt doch die Studie deutlich, dass jene mit hohem Risiko – also diesbezügliche familiäre Vorbelastung, hoher PSA-Wert mit negativer Biopsie – sehr wohl von einer Behandlung mit Dutasterid profitieren würden", sagte Univ.-Doz. Dr. Stephan Madersbacher, Urologe am Donauspital in Wien.

Ein nachweisbarer Finasterid-Effekt (Anmerkung:und das gilt sicher auch für Dutasterid) ist die Reduzierung der Angiogenese, sagt Prof. Helmut Bonkhoff,Berlin. Es sei möglich, dass durch die Unterdrückung der Angiogenese die Entstehung von HGPIN und die Progression in ein Karzinom verlangsamt wird. Die Rückbildung einer vorhandenen HGPIN oder eines vorhandenen Prostatakarzinoms durch Finasterig (Anmerkung: und vermutlich auch Dutasterid) scheint nach seinen Worten unwahrscheinlich.

Januar 2010

wichtige Ergänzung:
Der 5-alpha-Reduktase-Hemmer Dutasterid beeinflusst nicht die diagnostische Aussagekraft des PSA-Wertes zur Abschätzung des Prostatakarzinomrisikos, so die Ergebnisse der REDUCE-Studie.(Quelle: Springer Medizin.de basierend auf: Andriole GL et al. The effect of dutasterid on the usefulness of prostate specific antigen for the diagnosis of high grade and clinically relevant prostate cancer in men with previous negative biopsy: results from the REDUCE study. Urology 2011; 77(1): 45-49 )

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie wurden insgesamt 8 122 Männer vier Jahre lang untersucht. Während der vierjährigen Beobachtungszeit funktionierte der PSA-Wert als Marker für ein Prostatakarzinom bei Männern mit negativer Biopsie (also ohne Befund), die Dutasterid erhielten (Avodart®) besser als bei solchen, die nur Placebo erhielten. Die Forscher stellten fest, wenn sich unter der Dutasterid-Therapie der PSA-Wert erhöhte, war es wahrscheinlicher, ein Prostatakarzinom (jeden Grades und Gleason Score 7-10) in der Biopsie zu entdecken, als bei den Männern mit Placebo, wenn bei denen eine Biopsie gemacht wurde.

Und: Je stärker der PSA-Wert stieg, desto eindeutiger waren die Hinweise für das Vorhandensein von Prostatakrebs. Demgegenüber war ein PSA-Wert-Anstieg bei Männern mit Placebo deutlich WENIGER aussagekräftiger.

Ergänzung
Kommentar meiner Apothekerin: Aufgrund der schleimhautreizenden Wirkung die Kapsel unzerkaut im Ganzen runterschlucken. Die Einnahme kann mit oder ohne Mahlzeit erfolgen.

und nochmals Prof. Schostak:Es gibt eine Reihe von teilweise gegensätzlichen Thesen. Ich selbst habe in Berlin eine Reihe von Forschungsprojekten gemacht und mache sie jetzt weiter in Magdeburg, die Details der Interaktion von Androgenen am Androgenrezeptor und den Androgenesponsiblen Elementen verschiedener Gene untersuchen. Da kommen teilweise gegensätzliche Dinge heraus. Die 2 letzten Jahre (Stichwort Androgenneosynthese in der Zelle bei Kastrationsresistenz) haben aus meiner Sicht gezeigt, wie wenig wir wirklich über diese Mechanismen wissen.

Für mich ein wichtiger Punkt ist der Unterschied von Gewebeskonzentration und Blutkonzentration. Es gibt so gut wie keine Arbeiten, die tatsächlich T oder DHT im Gewebe untersuchen (Ich gehe dem gerade mittels RT-PCR nach, mal sehen, ob ich jetzt was rausfinde;-))

siehe auch 5 alpha Reduktasehemmer

letzte Aktualisierung im Februar 2011/Mai 2011/Januar 2012



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