Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prostatakarzinom-Chip

16.1.2010

Bei Prostatakrebs haben genspezifische Therapien noch keinen Einfluss. Viel zu geringe Patientenzahlen und widersprüchliche Ergebnisse der bisherigen wenigen Studien sind das eine Problem, das vergleichsweise lange Überleben von Prostatakrebs-Patienten ist ein weiteres, können doch verbindliche Aussagen über das Potenzial einer neuen Therapie häufig erst nach acht bis zehn Jahren gemacht werden. Das soll sich durch ein Forschungsprojekt der Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ändern. Beteiligt sind Prof. Dr. Hartwig Huland und Priv.-Doz. Dr. Thorsten Schlomm von der UKE-Tochter Martini-Klinik, dem universitären Prostatakrebszentrum, und der Chef der UKE-Pathologie, Prof. Dr. Guido Sauter. Fundament der Forschung ist die Gewebedatenbank der Martini-Klinik, die bereits vor knapp zwei Jahrzehnten angelegt wurde. Sie hat in großer Zahl die benötigten Daten von Patienten, ihren Erkrankungen und deren Verläufen gespeichert; alle Stadien – bis zu metastasierenden und hormonrefraktären Tumoren, die auf die antihormonelle Therapie nicht mehr ansprechen.

Mit Hilfe von sogenannten Tissue Microarrays ist es den Hamburgern möglich, Verbindungen herzustellen zwischen molekularen Markern und Langzeitprognosen. Darüber hinaus können mit der neuen TMA-basierten Diagnostikplattform, dem Hamburger Prostatakarzinom-Chip, Verknüpfungen zwischen verschiedenen Genen und Proteinen hergestellt werden – Verbindungen, die in der Vergangenheit wegen der geringen Zahl der verfügbaren Proben nicht möglich waren. Gerade beim metastasierten und hormonresistenten Prostatakrebs bestehe dringender Bedarf an neuen, wirksamen Medikamenten, erklärt Dr. Schlomm. Und ebenso lässt sich prüfen, ob und welche der spezifischen Krebsmedikamente beim Prostatakrebs eine hohe Erfolgsrate versprechen.

Man setzt dabei auf eine neue Generation von Medikamenten, die gezielt molekulare Veränderungen von Tumorzellen angreifen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Chemotherapie, die jede Zelle angreift, richten sich diese Medikamente ausschließlich gegen die Krebszellen, die die entsprechenden molekularen Ansatzpunkte aufweisen wie das bei Brust- oder Lungenkrebs mit sogenannten targeted drugs bereits erfolgreich praktiziert wird.

Dr. Schlomm hofft, dass in absehbarer Zeit auch für das metastasierende Prostatakarzinom entsprechende Therapieansätze entschlüsselt werden können.

Januar 2010


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