Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prostatakarzinom und Testosteronersatztherapie

28.1.2010

TRT meint Testosterone Replacement Therapy

Die bisherige Ansicht, daß höhere Testosteronspiegel die Entwicklung des Prostatakarzinoms stimulieren, wird heute kräftig in frage gestellt. Neuere Erkenntnisse belegen, dass die Testosteronersatztherapie (TRT) kein erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinom bedeutet. In 6 Studien war ein höheres Risiko, in 4 Studien ein niedrigeres und in 15 kein Zusammenhang festzustellen. An anderer Literaturstelle war zu lesen: In den wenigen bisher publizierten Studien, in denen Männer nach Therapie eines Prostatakarzinoms mit Testosteron behandelt wurden, konnte bisher nur in einem Fall ein biochemisches Rezidiv beobachtet werden. Das bedeutet, die Datenlage gibt Anlaß zu Überlegungen, daß die Entwicklung aggressiver Tumoren nicht mit höheren, sondern niedrigeren Testosteronspiegeln assoziiert (vergesellschaftet bzw. damit im Zusammenhang stehend) ist. Es gibt sogar Expertenüberlegungen, ob die Testosteronersatzbehandlung bei Männern mit niedrigem Testosteronspiegel nicht sogar Schutz bietet gegenüber der Entwicklung aggressiver Prostatakarzinome.

Aus einer österreichischen Publikation:
Nach radikaler Prostatektomie wurden Verlaufsbeobachtungen von insgesamt 17 Patienten publiziert. Innerhalb eines Beobachtungszeitraums von 19 Monaten bzw. 2 bis 11 Jahren wurde kein Relaps (Rezidiv) vermerkt, wohl aber bei allen Männern ein Rückgang der Androgenmangelsymptome.

Prostatakrebs wird immer jünger und immer mehr Männer müssen sich schon in frühen Lebensjahren einer radikalen Prostatektomie unterziehen. Der folgende ausgeprägte Testosteronmangel ist verantwortlich für einen sehr hohen Leidensdruck dieser Männer.

Das könnte nach Meinung von Experten es rechtfertigen, einen symptomatischen hypogonadalen Mann (das ist ein Mann mit Testosteronmangel) nach erfolgreicher Therapie eines Prostatakarzinoms mit einer TRT (Testosteronersatztherapie) zu behandeln. Ziel ist, einer verminderten Lebensqualitat sowie zahlreichen Symptomen wie z. B. Mudigkeit, Stimmungsschwankungen, Libidomangel, erektiler Dysfunktion, Infertilitat, abnehmende Muskelmasse und -kraft, Anderung der Fettverteilung, Abnahme der Knochenmasse und Reduktion kognitiver Eigenschaften entgegenzu wirken.

Welche Männer für eine Testosteronersatztherapie nach kurativer Therapie eines Prostatakarzinoms prinzipiell in Frage kommen, beantworten Univ.-Prof. Dr. Christian Kratzik, Wien, im Journal für Urologie und Urogynäkologie 2007; 14 (Sonderheft 3) (Ausgabe für Österreich), 14-18 wie folgt:

Patienten
• mit hohem Leidensdruck und
• nachgewiesenem Testosteronmangel,
• die sich der Problematik bewußt sind,
• mit einem Low/Intermediate-Risk-PCa und
• die seit 5 Jahren kein PSA-Rezidiv hatten und
• klinisch und in der Bildgebung unauffällig sind.

Januar 2010



Zurück