Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Ultrasensitiver PSA-Test

16.3.2010

Ultrasensitiv

Die PSA-Testverfahren der ersten Generation wiesen analytische Empfindlichkeiten von 0,3 bis 0,6 ng/ml auf, d.h. bei einem Messwert von <0,3 ng/ml konnte PSA überall zwischen Null und 0,29 ng/ml liegen. PSA-Tests der zweiten Generation waren um den Faktor 10 besser mit einer funktionalen Empfindlichkeit von 0,1 bis 0,2 ng/ml, je nach Hersteller. Das erste PSA-Assay der dritten Generation mit einer erneuten um den Faktor 10 verbesserten funktionalen Empfindlichkeit von 0,01 ng/ml hatte eine untere Messgrenze von 0,003 ng/ml.

Infoquellen:
1. Ellis WJ, Vessella RL, Noteboom JL, et al. Early detection of recurrent prostate cancer with an ultrasensitive chemiluminescent prostate-specific antigen assay. Urology 50: 573-9, 1997.
2.
http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/PSA.pdf
Auszug aus: Das intelligente Verwenden des PSA für das Management von Prostatakrebs

Von Jonathan McDermed, PharmD, Diagnostic Products Corporation (DPC)
Übersetzt von Jürg van Wijnkoop und Ralf-Rainer Damm, Februar 2006
mit freundlicher Genehmigung des Prostate Cancer Research Institute (PCRI),Los Angeles, Kalifornien, USA

Van Wijkoop(Verstorben) und R.R. Damm sind Redakteure unseres Verbandsmagazins zum Thema Prostatakrerbs
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Als ultrasensitiv wird ein Test bezeichnet, wenn er eine gegenüber üblichen und eingeführten Methoden niedrigere untere Nachweisgrenze hat. Die Fähigkeit eines Labortests, sehr niedrige Konzentrationen eines Analyten (z.B. PSA) messen zu können, kann beispielsweise von Vorteil sein, um ein Tumorrezidiv frühzeitig zu diagnostizieren, Ein erheblicher Nachteil dieser Methode liegt darin, daß es nur wenige Situationen gibt, in denen ein Analyt (hier z.B. PSA) überhaupt nicht im menschlichen Serum vorkommt. Auch nach der Entfernung von der Prostata, kann nicht sicher davon ausgegangen werden, daß keine Mikrometastasen vorliegen, die ihrerseits PSA weiterhin und in geringer Konzentration freisetzen.
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Was bedeuten analytische bzw. funktionale Nachweisgrenze?
Die untere Nachweisgrenze eines Tests kann angegeben werden als:
- Analytische untere Nachweisgrenze
- Biologische untere Nachweisgrenze
- Funktionale Assaysensitivität.

Die analytische untere Nachweisgrenze, da geht es um Menge, Gehalt und Konzentration, eines Tests hat jedoch einen entscheidenden Nachteil:
Einfluß- und Störfaktoren, wie sie im menschlichen Serum vorkommen, werden nicht berücksichtigt Als Alternative bietet sich die Bestimmung der biologischen unteren Nachweisgrenze an, anders als bei der Bestimmung der analytischen unteren Nachweisgrenze, nicht in einer NaCl-Lösung, sondern in menschlichem Material, in der Regel im Serum, das den Analyten (hier z.B. PSA) nicht enthält. Denkbar ist z. B. die Bestimmung von PSA bei Patienten nach radikaler Prostatektomie oder die Bestimmung des Thyreoglobulins bei Patienten nach Schilddrüsenresektion. In der Regel entstehen hier jedoch sehr viel höhere Werte, da Einflußfaktoren des menschlichen Serums in das "Grundrauschen" mit eingehen.
Den biologischen Gegebenheiten eher gerecht wird die Bestimmung der funktionalen Assaysensitivität, ausgehend von (sehr vereinfacht ausgedrückt) Messwertreihen an Patienten.
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Zu erwartende PSA-Werte nach einer RP
PSA-Werte, die drei oder mehr Wochen nach einer erfolgreichen RP gemessen werden, sollten Null oder wenigstens sehr nahe bei Null, und stabil sein. Ein Vorhandensein von PSA im Blut nach einer RP zeigt an, dass es nicht gelungen ist, den Tumor vollständig zu entfernen. Ausnahmen hiervon sind Fälle, wo bei einseitiger oder beidseitiger Nerverhaltung oder laparoskopischen Eingriffen gutartiges Gewebe zurückgeblieben ist. Bei solchen Patienten werden mit PSA-Tests der dritten Generation PSA-Werte in sehr geringer Konzentration gemessen. Messbare PSA-Werte gleich nach dem Eingriff, die anschließend weiter ansteigen, deuten auf eine vermutlich mikrometastatische Erkrankung hin, die bereits vor dem Eingriff vorlag.

Die Ergebnisse vom New Yorker University Medical Center in 2005 in der bis dahin mit 545 Männern größten Untersuchungsreihe bestätigten die Nützlichkeit ultrasensitiver PSA-Messungen, nämlich dass Männer mit einem unmessbarem PSA-Nadir (< 0.01 ng/ml) nach einer RP eine signifikant niedrigere Rate biochemischer Rezidive aufweisen als Männer mit einem PSA-Nadir von 0,01 ng/ml. Das bedeutet: Die Verwendung ultrasensitiver Immunoassays kann das Rezidiv früher anzeigen, so daß eine Rezidiv-Therapie ebenfalls früher als zuvor erfolgen kann

Bei Prof. Semjonow, Münster, ist zu diesem Thema zu lesen:

Einigkeit herrscht in der Literatur darüber, daß mit solch empfindlichen Meßverfahren ein PSA-Anstieg nach radikaler Prostatektomie ein Jahr früher als mit herkömmlichen Testmethoden nachweisbar ist. Die Frage ist jedoch, ob das Wissen um das Ansteigen des PSA-Wertes von 0,01 ng/ml auf 0,02 ng/ml überhaupt wünschenswert ist. Etwa jeder dritte Patient zeigt nach radikaler Prostatektomie einen PSA-Anstieg im PSA-Bereich unter 0,1 ng/ml, ohne daß sich dieser "Anstieg" bei weiteren PSA-Messungen durch Werte über 0,1 ng/ml bestätigt. Da jedoch extraprostatische PSA-Quellen oder aber verbliebenes benignes Prostatagewebe auch zu sehr niedrigen PSA-Konzentrationen im Serum führen können, müssen ultrasensitive PSA-Konzentrationen mit großer Vorsicht interpretiert werden. Die Patienten werden dadurch unnötig beunruhigt, ohne daß jedoch therapeutische Konsequenzen daraus gezogen werden.

Noch einmal Prof. Semjonow, zitiert aus einer anderen Fundstelle:

...ist die Präzision von immunologischen Meßverfahren in der Nähe der unteren Nachweisgrenze am niedrigsten. Wiederholte Messungen derselben Probe können abweichende Ergebnisse liefern.

Für Patienten scheint die "funktionelle" untere Nachweisgrenze (Meine Anmerkung: Die ist meist höher als die "analytische") klinisch bedeutsamer zu sein.

Hierzu möchte ich anmerken, dass ich in meinen Gesprächen mit Betroffenen in der Selbsthilfe einen fast schon sportlich anmutenden Wettbewerb feststellen mußte: Wer hat den Urologen/Pathologen, der am genauesten, am tiefsten messen kann? PSA-Schwankungen, meßwertverfälschendes Hintergrundrauschen der Meßgeräte, biologische Einflüsse usw. wurden nicht zu Kenntnis genommen. Wichtig schienen die dritte oder gar die vierte Stelle hinter dem 0,.... des PSA-Wertes. Meine Fragen, wie stabil ist dieser Meßwert sei oder was man sich von dieser Meßgenauigkeit verspricht, endet fast ausnahmslos mit: "...davon ist doch mein Überleben abhängig..."

Ich könnte mir eher vorstellen, dass zu den postoperativen Kontrollparametern wie Malignitätsgrad im Operationspäperat, dem postoperativen Tumorstadium und dem Schnittrand z.B. die Geschwindigkeit, mit der das PSA postoperativ gegen NULL geht, ergänzend einen Sinn machen kann. Mit diesem Zeitwert könnte möglicherweise der tumorfreie Patient von dem R1 gut unterschieden werden, oder?

 

und Prof. Höltl aus Wien:
So genannte ultrasensitive PSA-Assays können zwar für das Monitoring verwendet werden, jedoch nicht Basis einer Therapieentscheidung sein. Prof. Höltl begründet das so: "Gerade durch ihre große Empfindlichkeit können diese Assays nach radikaler Prostatektomie PSA-Anstiege zeigen, die lediglich in einem natürlichen Schwankungsbereich - in einem Bereich um die 0,1ng/ml - liegen; das muss noch kein Rezidiv sein."

Dazu noch ein labortechnischer Hinweis aus der Uni Ulm zu hochsensitiven PSA-Messungen:

Wie für alle Immuno-Assays besteht die Möglichket der Interferenz durch Rheumafaktoren (> 1500 IU/ml) und HAMA (Humane-Anti-Maus-Antikörper). Spezifisch für Elecsys-Immunoassays gilt, dass Antikörper gegen Ruthenium (rar), gegen Streptavidin sowie hohe Biotin-Blutkonzentrationen (> 60 ng/ml, eher selten) den Test stören können. Bei Patienten unter Therapie mit hohen Biotin-Dosen (> 5 mg/Tag) sollte die Probenabnahme mindestens 8 Stunden nach der letzten Applikation erfolgen.

Dennoch überwiegen wohl die Vorteile:
Ein ultrasensitiver PSA-Nadir unter Testosteron-inaktivierenden Pharmazeutika sagt eine frühzeitige Progression von Prostatakrebs genau voraus, war das Ergebnis einer Studie von Scholz, Lam, Strum und anderen an der University of California in Los Angeles. Ein ultrasensitiv bestimmter PSA-Nadir ist ein genauerer Indikator für eine frühzeitige Progression zu Knochenmetastasen (90 %) als die Gleason-Summe (75 %) und ist zudem empfindlicher und spezifischer bei praktisch allen Patienten innerhalb der ersten acht Monate nach dem Beginn des Verabreichens von TIP gewonnen werden (97%).

Prott, F.J. et al.: untersuchten 2003, ob mittels ultrasensitiver PSA-Assays ein besserer biochemischer Nachweis eines Prostatakarzinom-Rezidivs nach radikaler Prostatektomie möglich ist. Das Ergebnis enthielt die Empfehlung, Patienten mit posttherapeutischen PSA-Spiegeln > 0,1 ng/ml sollten gründlicher und in kürzeren Zeitabständen einem Monitoring unterzogen werden, da die Wahrscheinlichkeit eines weiteren PSA-Anstiegs, z.B. durch eine Tumorprogression stark erhöht ist.

Wenngleich in Österreich die Meinung besteht, ultrasensitive Tests, die bis auf 0,001 messen können, verunsichern im Rahmen der Nachsorge nach kurativer Therapie bei minimalen Anstiegen den Patienten und sind hinsichtlich der Feststellung des biochemischen Rezidivs kritisch zu bewerten und aus diesem Grund die Definition eines biochemischen Rezidivs mit einem Wert >0,2ng/ml und einem nachfolgenden höheren Wert angegeben wurde (AUA-Guidelines 2007) wird hierzulande und insbesondere bei uns in den Selbsthilfegruppen die Nachweisgrenze einer ultrasensitiven PSA-Messung mit PSA <0,01ng/ml (und drei Nachkommastellen, deren Sinnhaftigkeit ich mit meinen laienhaften Kenntnissen bei biologischen Meßsystemen sehr bezweifle wenn nicht gar als unsinnige Genauigkeit bewerte, weil da ein sog. Grundrauschen verstärkt in den Messwert einfließen kann) dennoch als biologisch nützlich angesehen und eingefordert.

März 2010



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