Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Rebiopsie

07.12.2011

Zum Thema "Rebiopsie – wann?" sagt Prof. Höltl, Wien, folgendes:

Die Indikation zur Rebiosie besteht bei persistierender ungeklärter PSA-Erhöhung, PIN III in der Erstbiopsie sowie suspekten, aber nicht eindeutig als Karzinom beschriebenen Herden. Der Zeitraum zwischen der ersten und der zweiten Biopsie ist variabel. Bei dringendem Verdacht auf ein Karzinom empfehlen wir die Rebiopsie nach 6 Wochen, sonst nach PSA-Monitoring in 6 Monaten. Die Entscheidung darüber muß immer individuell im Gespräch mit dem Patienten abgestimmt sein.

Die Anzahl der Rebiopsien sollte in der Regel zwei nicht übersteigen, da die Wahrscheinlichkeit, darüber hinaus ein Karzinom zu entdecken, schon sehr gering wird. Zudem ist die Bereitschaft der Patienten nach 2–3 Biopsieserien in der Regel beträchtlich eingeschränkt, noch einmal eine Rebiopsie über sich ergehen zu lassen.

Auf dem 58. DGU-Kongress in Hamburg habe ich folgende Informationen eines Beitrages von Prof. Höltl notiert:

Wie viele Biopsien aus welchen Regionen und Wann aufhören mit Re-Biopsien?
Prof. Wolfgang Höltl, Wien

Standard-Sextantenbiopsien haben gezeigt, dass zu viele Prostatakarzinome, 20 bis 30 Prozent, bei der Erstbiopsie nicht erfasst werden. Jeder suspekte Tastbefund und oder eine PSA-Erhöhung größer 4 ng/ml ist grundsätzlich solange karzinomverdächtig, bis das Gegenteil mit größtmöglicher Sicherheit bewiesen ist. Eine Erstbiopsie bei negativem Tastbefund und nur gering erhöhtem PSA ist nicht dringlich. Im Gespräch mit dem Patienten müssen die verschiedenen Ursachen , die zu einem falsch-positiven PSA Anstieg geführt haben, abgeklärt werden. Deshalb: Nicht jedes Prostatakarzinom muß mit aller Anstrengung gesucht werden. Es muß auch die Frage gestellt werden: Soll überhaupt PSA gemessen werden? Niemals solle eine Biopsie aufgrund eines einzelnen PSA-Wertes erfolgen.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Stanzen, desto höher die Detektionsrate. Das muß allerdings in einem vernünftigen Einklang mit dem Volumen der Prostatadrüse stehen. Mit einer 10fach Biopsie wird höchstens 1% des Volumens der peripheren Zone entnommen. Es sei ein Wunder, dass da überhaupt was gefunden wird. Heute reichen 6 Stanzen nicht mehr aus. Bei einem Prostatavolumen bis 35ml sollten 8 Stanzen genügen, bei größeren Volumen 10.

Das durch die Biopsie erfasste Tumorvolumen ist abhängig von den Faktoren:

- Prostatagesamtvolumen
- Tumorvolumen
- Karzinomverteilung innerhalb der Prostata
- Methodik der Biopsie
- Anzahl der Stanzen
- der Malignitätsgrad in der Biopsie sei in bis zu 45 Prozent unterklassifiziert und
- der Malignitätsgrad in der Biopsie sei in bis zu 32 Prozent überklassifiziert.

Es sei deshalb nicht zulässig, aus der Biopsie den Schluß zu ziehen, es handele sich um einen hochdifferenzierten Tumor!

Bei der antibiotische Prophylaxe seien die Ergebnisse von einem oder drei Tagen gleich. Ein Tag mit drei Antibiotikagaben seien ausreichend.

Der Zeitraum zwischen der ersten und der zweiten Biopsie sei variable, bei dringendem Karzinomverdacht empfiehlt Prof. Höltl eine Rebiopsie nach 6 Wochen. Eine Rebiopsie sei erforderlich bei ASAP (drei Monate später) und bei HGPIN (mind. ein Jahr später). Eine Saturationsbiopsie mit 20 bis 24 Stanzen ist mit einer hohen Komplikationsrate verbunden und nur dann angezeigt, wenn die vorherigen Biopsieergebnisse nicht eindeutig seien.

Wann aufhören zu biopsieren? Nach 2 Biopsieserien und Saturationsbiopsie ist Stopp!

Aus einer anderen Fundstelle:

Experten schlagen vor, dass Männern mit einem PSA-Wert zwischen 2,6 und 4 ng/ml und einem negativen Biopsieergebnis eine Re-Biopsie empfohlen werden sollte, wenn Sie
ein high grade prostatic intraepithelial neoplasia (HGPIN) bei der initialen Biopsie,
einem Ausgangs-PSA zwischen 3,6 und 4,0 ng/ml bei einer Familienanamnese von Prostatakarzinom oder
eine PSA velocitiy von 0,1 ng/ml oder mehr aufweisen.

Ergänzung:
Im Winer Klinischen Magazin (1/2010) habe ich gelesen:
Zitatbeginn: Als Marker für die Rebiopsie hat sich in aktuellen Studien ASAP (atypical small acinar proliferation) als viel aussagekräftiger herausgestellt als PIN (Prostatic intraepithelial neoplasia) Zitatende.

Ergänzung zur Rebiopsie unter AS-Therapie:
Ein Experte schrieb im BPS-Forum:
Jede seriöse AS-Strategie braucht auch Rebiopsie(n). Das sind nun mal die Guidelines und die Evidenz, auf die sich AS stützt. Einfach abzuwarten und nur den PSA messen ohne zu rebiopsieren ist nicht in Ordnung. Der GS muss aber bei einer Rebiopsie erneut evaluiert werden.

Letzte Aktualisierung im März 2010/DFezember 2011

Ergänzung:

Die Tumorlokalisation untersc heidet sich bzgl. der Erst- und Wiederholungsbiopsien signifikant. Das in der Erstbiopsie detektierte PCa befindet sich vornehmlich in der apikalen, peripheren Zone. Im Gegensatz hierzu findet sich das in Wiederholungsbiopsien diagnostizierte PCa häufiger basal und im Bereich der anterioren Zone.

 

Quelle: Vergleich der topographischen Verteilung von Prostatakarzinomen (PCa) welche im Rahmen der Erstbiopsie oder erst in Wiederholungsbiopsien gefunden werden. Uniklinik Köln und Uniklinik Münster (Prof. Semjonow)

24.03.2017/01.07.2017 WDF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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