Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Docetaxel und Avastin

01.11.2010

Docetaxel und Avastin, diese Kombination ist in Studien erprobt worden. Randomisierte Vergleiche gibt es nicht. Die in den USA etwa so um 2006 begonnene Avastin-Zulassungsstudie mit der Kombination aus Taxotere und Avastin beim fortgeschrittenen Prostatakrebs brachte keine Erkenntnisse bzgl. einer Lebensverlängerung. Dr. Bob Leibowitz, USA, propagierte schon vor Jahren in einer seiner Schriften, bei Avastin sei nachgewiesen, dass die Lebensdauer von Patienten mit Metastasen des Darm-, Brust- und Lungenkrebses verlängert wird. Bei Patienten mit metastatischem Prostatakrebs gäbe es Hinweise, dass Avastin plus Taxotere die Ansprechrate, verglichen mit zum Vergleich herangezogenen früheren Behandlungsergebnissen mit Taxotere allein, verbessern würde.

Avastin blockiert den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor VEGF mit spezifischer Wirkung auf die Angiogenese. Unter Angiogenese versteht man die Bildung und Aufrechterhaltung von Blutgefässen, ohne die ein Tumor ab einer Größe von etwa 2mm nicht wachsen und nicht in andere Regionen des Körpers streuen (Metastasen bilden) kann. Der gezielte Wirkmechanismus von Avastin hilft, das Tumorwachstum und die Bildung von Metastasen zu kontrollieren und hat nur einen geringen Einfluss auf die chemotherapiebedingten Nebenwirkungen. In den USA war Avastin das erste von der FDA zugelassene antiangiogenetisch wirksame Medikament. Heute ist das Mittel zur Behandlung von vier Tumorarten zugelassen: Brustkrebs, Dickdarm- bzw. Enddarmkrebs, Glioblastom und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC).

Die EU-Kommission stimmte bereits 2009 einer Zulassungserweiterung bei Avastin zu, nämlich auch zur Chemotherapie des fortgeschrittenen (metastasierten) Brustkrebses in Kombination mit Docetaxel. Noch im Juli 2009 teilte das Schweizer Unternehmen Roche mit: In einem umfassenden klinischen Studienprogramm mit mehr als 450 klinischen Prüfungen wird Avastin bei verschiedenen Tumorarten (darunter Dickdarm- bzw. Enddarmkrebs, Brust- und Lungenkrebs, Hirntumore, Magen-, Eierstock- und Prostatakrebs sowie weitere Krebsarten) und in unterschiedlichen klinischen Situationen (fortgeschrittene oder frühe Krankheitsstadien) untersucht.
Jetzt aktuell im März 2010 kam die Ernüchterung: Eine spätklinische Phase-III-Studie erbrachte nicht die erhofften Ergebnisse. Die Lebenserwartung von Männern mit Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium verlängerte sich im Vergleich zu einer Chemotherapie nicht. Zudem hätten sich verschiedene negative sicherheitsrelevante Ereignisse gezeigt, heisst es in einer Firmenverlautbarung.

Auch gegen Magenkrebs hatte der Wirkstoff jüngst das Studienziel verfehlt. Bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs hatte das Mittel seine Wirksamkeit dagegen unter Beweis gestellt.

Meine Meinung:
Die in den USA laufenden Studien, in welchen Avastin mit Provenge kombiniert wird, machen mir dennoch Mut, auf eine hoffentlich baldige Zulassung zu hoffen.

März 2010

Wichtige Ergänzung:

FDA-Gutachter gegen Avastin bei Mammakarzinom, 21.07.2010

Externe Gutachter haben der US-amerikanischen Arzneibehörde FDA empfohlen, die Zulassung des Krebsmedikaments Avastin beim fortgeschrittenen Mammakarzinom zu widerrufen. Grund sind die hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Ergebnisse zweier klinischer Studien

Überempfindlichskeitsreaktionen auf Avastin, 05.05.2010

Bei bis zu 5 Prozent aller Patienten kommt es unter der Therapie mit dem Krebsmedikament Avastin zu Überempfindlichkeits- und Infusionsreaktionen, teilte der Hersteller in einem Rote-Hand-Brief mit. Die meisten Reaktionen verlaufen milde. Die Häufigkeit schwerer Zwischenfälle wird mit 0,2 Prozent angegeben.

Lt. Ärztezeitung sind immunologische Reaktionen bei monoklonalen Antikörpern, zu denen auch der Avastin-Wirkstoff Bevacizumab gehört, nicht ungewöhnlich. Die Patienten müssen deshalb während und nach der Infusion auf Zeichen einer Überempfindlichkeit hin überwacht werden. Mögliche Symptome seien eine Dyspnoe, eine Rötung beziehungsweise ein Hautausschlag, eine Hypo- oder Hypertonie, eine verminderte Sauerstoffsättigung, Schmerzen im Brustkorb sowie Schüttelfrost und Übelkeit/Erbrechen.

letzte Aktualisierung im November 2010


Schlagwörter:

Avastin, Chemotherapie, Docetaxel

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