Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Cabazitaxel

13.4.2011

Bei Patienten mit hormonrefraktärem Prostatakarzinom sieht Prof. Heidenreich, Aachen, eine vielversprechende Alternative in der Substanz Cabazitaxel. Es handelt sich um ein Taxan mit Wirkung auf die Mikrotuboli. Die spannende Frage ist jetzt, ob der neue Wirkstoff, der in einer Phase-I-Studie bereits bei der Hälfte der mit Docetaxel vorbehandelten Patienten eine Stabilisierung des PSA-Wertes brachte, auch bei der Doppelblindphase der Phase-III-Studie mit der Gesamtüberlebenszeit als primärem Endpunkt hält, was wir alle erhoffen: Ein wirksames Medikament beim fortgeschrittenen kastrationsresistenten Prostatakarzinom wenn Docetaxel nicht mehr wirkt.

Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) sagte ein beschleunigtes Zulassungsprüfverfahren ("Fast-Track") für Cabazitaxel in der Sekundärlinientherapie von Prostatakrebs zu, das die schrittweise Einreichung ("Rolling Submission") der Zulassungsunterlagen ermöglicht. Mit der Einreichung wurde bereits begonnen.

Cabazitaxel ist ein Taxan, das möglicherweise auch bei Zelllinien wirksam ist, die normalerweise nicht auf Taxane ansprechen. Es konnte gezeigt werden, dass Cabazitaxel die Zellteilung und Tumorzellproliferation hemmt, indem es an Tubulin bindet und dieses stabilisiert. Tubulin ist ein Protein in den Mikrotubuli von Zellen, das für die Aufrechterhaltung der Zellform zuständig ist. Ergebnisse der Phase-3-Studie TROPIC zeigen eine signifikante Verbesserung, des Gesamtüberlebens und des progressionsfreien Überlebens für die Kombination von Cabazitaxel mit Prednison/Prednisolon bei Patienten mit metastasiertem (fortgeschrittenem), hormontherapierefraktärem Prostatakrebs, deren Erkrankung nach docetaxelbasierter Chemotherapie trotzdem weiter fortgeschritten war.
(WDF)

Prof. Steuber, Martiniklinik Hamburg, auf dem Bundeskongress des BPS im September 2010 in Magdeburg. Hier ein Auszug aus meinem Mitschrieb:

Vorgestellt wurde vom Referenten das Cabazitaxel, welches in einer Studie bei Männern mit einem kastratrationsresistenten metastasierten PCa nach einer vorangegangenen Docetaxeltherapie untersucht wurde im Vergleich zum Mitoxantron, das bisher als Zweitlinientherapeutikum angewandt wurde. Dr. Steuber: "Hier zeigt sich ein Überlebensvorteil!" Die von Prof. Steuber präsentierten Ergebnisse der Zulassungsstbudie TROPIC für eine 2nd-line-Therapie mit Cabazitaxel (Handelsname Jeventa) im Vergleich zu Mitoxantron zeigt eine Risikoverminderung auf den Todesfall um rd. 30%, d.h. eine Verlängerung des Überlebens von 12,7 auf 15,1 Monate im Durchschnitt.
Man müsse, so Dr. Steuber, aber auch kritisch genug sein und sich das Nebenwirkungsspektrum anschauen, insbesondere sind das hier die Grad 3 Nebenwirkungen, Febrile Neutropenie, d.h. Unterdrückung des Knochenmarks, was zu Fieber und bedrohlichen Entzündungszuständen führen kann, durch diese Therapie, bei 7,5% der Patienten. "Das ist ganz schön viel im Vergleich zu anderen Chemotherapeutika." Ebenso hatten 6,2% der Patienten Grad 3 Durchfälle. "Das sind Daten, die man sehr sorgfältig mit dem Patienten besprechen muß" Diese Nebenwirkungen sind behandelbar, "aber man sollte die Patienten nur dort behandeln, wo sehr viel Erfahrung vorhanden ist. Eine Zulassund in den USA durch die FDA ist bereits erteilt und dürfte lt. Prof. Steuber in greifbarerNähe sein für den deutschen Markt.

Ergänzende Informationen:
Als Taxan der neuen Generation wurde auf dem ASCO 2010 das Cabazitaxel vorgestellt, das vor allem in der Zweitlinien-Behandlung nach Docetaxelversagen seinen Platz finden dürfte. Cabazitaxel ist als potenter Mikrotubuli-Stabilisator aktiv auch in Zelllinien, die resistent sind gegen Doxorubicin, Vinblastine, Paclitaxel und Docetaxel. Die häufigsten Nebenwirkungen der Substanz sind die febrile Neutropenie – hier auch Toxizitäten höherer Grade – sowie Durchfall, Fatigue und Asthenie.
Info Uni Essen

Ergänzung:
Nach den Ergebnissen der TROPIC-Studie kann mit dem neuen Taxan Cabazitaxel ein signifikanter Überlebensvorteil erreicht werden. Cabazitaxel ist damit der erste Wirkstoff, der in dieser Krankheitssituation das Überleben verlängert, betonte Prof. A. Heidenreich (Aachen) auf einer Fachpressekonferenz des Unternehmens Sanofi-Aventis anlässlich der diesjährigen DGU-Jahrestagung in Düsseldorf.

Besonders Patienten, die noch während einer Therapie mit Docetaxel oder innerhalb von drei Monaten nach deren Ende progredient waren, profitieren von Cabazitaxel, betonte Heidenreich.

Die Behandlung mit Cabazitaxel verursachte eine hohe Rate an Neutropenien Grad 3/4 (81,7 %) gegenüber 58 % mit Mitoxantron und febriler Neutropenien (8,5 % vs. 1,3 %). Die beobachteten Toxizitäten machen eine engmaschige Kontrolle und Auswahl geeigneter Patienten notwendig.
(Quelle: Satellitensymposium mit Fachpressekonferenz Aktuelle und zukünftige Behandlungsstrategien beim mCRPC am 23.09.2010 in Düsseldorf, anlässlich des DGU-Kongresses. Veranstalter: Sanofi- Aventis GmbH.)

Es scheint so zu sein, dass Cabazitaxel das Standardtherapeutikum für eine Second-Line-Therapie des PCa werden kann. Vorteil von C. ist das verlängerte Überleben.

letzte Aktualisierung im Februar 2011
im März 2011

wichtige Mitteilung:

soeben teilt sanofis-avensis mit, dass Jevtana ® (Cabazitaxel) seit dem 7. April in Deutschland verfügbar ist. Jevtana ® ist zugelassen für Patienten mit metastasiertem, hormonrefraktärem Prostatakarzinom (mHRPC), die mit Docetaxel vorbehandelt sind. Damit steht mHRPC-Patienten nun erstmals eine Therapieoption zur Verfügung, die das Überleben nach einer Docetaxel-Behandlung noch verlängern kann.

Nebenwirkungen

Lt. Prof. Heidenreich sei die hohe Rate von Grad -3/4- Nebenwirkungen bei rd. 57% der Patienten zu beachten, in erster Linie Neutropenien, febrile Neutropenien und ausgeprägte Diarrhoen, die eine sofortige Therapie erfordern. Die Infusion von Cabazitaxel kann zu ausgeprägten allergischen Reaktionen führen und emp0fiehlt eine prätherapeutische 3-fach-Prophylaxe vor jeder Applikation.

April 2011



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