Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Was bewirkt Avodart?

21.4.2010

Der Wirkstoff Dutasterid ist ein 5-Alpha-Reduktase-Hemmer und wird zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) angewendet. Dutasterid hemmt die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (Dihydrotestosteron=DHT wird im Körper aus Testosteron hergestellt und fördert besonders stark das Wachstum der Prostatazellen) durch eine Blockade des Enzyms 5-Alpha-Reduktase. Von der 5a-Reduktase gibt es zwei Isoenzyme (Typ 1 und 2), die je nach Gewebe unterschiedlich produziert (exprimiert) werden. In der Prostata ist der Typ 2 vorherrschend (die dominierende Form). Finasterid (Proscar) blockiert von den beiden Isoenzymen nur den Typ 2; die Konzentration von Dihydrotestosteron wird damit in der Prostata um bis zu 90% und im Plasma um bis zu 70% gesenkt. Dutasterid hemmt beide Isoenzyme, was vor allem eine stärkere Senkung des Dihydrotestosteron-Spiegels im Plasma bedeutet. Die DHT-Unterdrückung (Supprimierung) bewirkt eine verstärkte Apoptose im BPH-Gewebe, wodurch das Drüsenvolumen reduziert wird. Die Vergrößerung der Prostata wird aufgehalten. Dutasterid steigert zudem den Harnfluß und senkt das Risiko für einen akuten Harnverhalt und damit auch das Risiko für eine Operation.

In einem einjährigen Vergleich zwischen Dutasterid (0,5 mg pro Tag) und Finasterid (5 mg pro Tag), der in einer Übersichtsarbeit erwähnt ist, waren die Unterschiede zwischen den beiden 5a-Reduktasehemmern nicht signifikant (bedeutend) Die Verminderung der Dihydrotestosteron-Konzentration unter 5a-Reduktasehemmern geht mit einer Zunahme der Testosteron- Spiegel einher. Gleichzeitig bewirkt das eine Konzentrationsabnahme des prostataspezifischen Antigens (PSA). Dutasterid senkt den PSA-Spiegel um ungefähr 50%. Das Verhältnis von freiem zu Gesamt-PSA bleibt unter der Behandlung mit Dutasterid konstant. Wird zur Erkennung eines Prostatakarzinoms unter der Therapie mit Dutasterid der prozentuale Anteil des freien PSA herangezogen, ist keine rechnerische Korrektur erforderlich.

US-Fachgesellschaften empfehlen Finasterid zur Prävention des Prostatakrebses seit Anfang 2009

Professor Manfred Wirth, Universitätsklinikum Dresden: "Ob 5-Alpha-Reduktase-Hemmer einem Krebswachstum vorbeugen oder das Wachstum bereits vorhandener Tumore verlangsamen, lässt sich gegenwärtig nicht eindeutig beantworten. Wesentlich scheint die Absenkung von DHT zu sein. Insbesondere Dutasterid kommt zur Chemoprävention für Risikopatienten in Frage. Dabei handelt es sich um Patienten mit einem erhöhtem PSA-Wert bei denen bereits eine negative Biopsie vorliegt. Der Einsatz ist sicherlich auch bei familiärer Häufung von Prostatakrebs zu erwägen." Die Entdeckung von behandlungs-bedürftigen Prostatakarzinomen würde erleichter. Es handle sich hier jedoch derzeit um einen so genannten off-label-use.

Am amerikanischen Urologenkongress 2009 wurden die Ergebnisse der REDUCE-Studie vorgestellt. In dieser Studie wurden über 8000 Männer mit hohem Prostatakarzinom-Risiko vier Jahre mit Dutasterid behandelt. Im Gegensatz zu einer anderen Studie (PPCT, da fand man nach vier Jahren im Dutasterid-Arm eine 23%ige Reduktion des Karzinomrisikos.) fand sich in der REDUCE-Studie kein erhöhtes Risiko für aggressive Tumore. "Auch wenn es schon aus ökonomischen Gründen nicht sinnvoll ist, jedem Mann eine Chemoprävention zu empfehlen, so zeigt doch die Studie deutlich, dass jene mit hohem Risiko – also diesbezügliche familiäre Vorbelastung, hoher PSA-Wert mit negativer Biopsie – sehr wohl von einer Behandlung mit Dutasterid profitieren würden", sagte Univ.-Doz. Dr. Stephan Madersbacher, Urologe am Donauspital in Wien. Ein nachweisbarer Finasterid-Effekt (Anmerkung:und das gilt sicher auch für Dutasterid) ist die Reduzierung der Angiogenese, sagt Prof. Helmut Bonkhoff,Berlin. Es sei möglich, dass durch die Unterdrückung der Angiogenese die Entstehung von HGPIN und die Progression in ein Karzinom verlangsamt wird. Die Rückbildung einer vorhandenen HGPIN oder eines vorhandenen Prostatakarzinoms durch Finasterig (Anmerkung: und vermutlich auch Dutasterid) scheint nach seinen Worten unwahrscheinlich.

Was haben wir von diesem Wissen oder anders gefragt: Können wir darauf hoffen, dass Dutasterid (Avodart) oder Finasterid (Proscar) ein bereits vorhandenes Prostatakarzinom verkleinert oder gar zum Verschwinden bringt?

Wenn ich die wissenschaftlichen Beiträge mit meinem kleinen Laienverstand richtig gelesen habe, dann verneinen die Experten die Vermutung, 5a-Rekuktasehemmer könnten bei schon vorhandenen Karzinomen wie ein Angiogenesehemmer wirken. Nur bleibt da für mich etwas offen: Wenn diese Wirkstoffe eine antiangiogenetische Wirkung nicht nur beim Entstehen von HGPIN sondern auch, wie ich es lese, bei den Progression von HGPIN zu einem Prostatakarzinom bei rd. 25 Prozent der Studienteilnehmer bewirkt haben, dann müßte es erlaubt sein dzu überlegen, ob Proscar und mehr noch Avodart nicht doch auch eine Verlangsamung der Tumorprogression bewirken kann. So zumindest habe ich dir Worte von Dr. Strum verstanden, anläßlich seines Vortrages im Mai 2009 in Bielefeld. Und das wiederum würde in meinen Überlegungen bedeuten: Bei niedrigen PSA-Werten wie z.B. in der Therapiepause bei der intermittierenden Androgenblockade oder bei PSA-Anstiegen nach RPE, wenn diese PSA-Anstiege gerade mal nur mit ultrasensitiven Messkits festgestellt werden können, hätte die Erhaltungstherapie mit Avodart möglicherweise eine bremsende Wirkung auf den PSA-Anstieg und damit auf das Tumorwachstum. Ich würde Zeit gewinnen. Das wäre doch was, oder?
(WDF)


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