Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Lymphknotenentfernung

27.3.2011

Lymphknotenentfernung

Das Ziel der radikalen Prostatektomie ist es, die ganze Prostata mit der Kapsel, den anliegenden Samenbläschen und den lokalen Lymphknoten zu entfernen

In einem ersten Schritt werden die der Prostata und Harnblase benachbarten Lymphknoten aufgesucht und entfernt (pelvine Lymphadenek tomie). Und hierzu sagt ein Experte: Die laparoskopische Lymphknotenentfernung ist in erster Linie ein diagnostisches Verfahren. Damit kann man die Lymphknoten entlang der grossen Beckengefässe untersuchen. Die Anzahl der entfernbarer Lymphknoten hängt von der Gründlichkeit des Operateurs aber auch von individuellen Faktoren ab, z.B. Verwachsungen nach Bauch-, Blasen und Leistenoperationen, die eine laparoskopische OP erschweren.

Wie die Biopsie ist die Lymphknotenentfernung mit anschließender feingeweblicher Untersuchung die Methode mit der höchsten Aussagekraft bezüglich einer Absiedelung des Krebses ausserhalb der Prostata. Mit einer sogenannten Schnellschnittuntersuchung (mikroskopische Untersuchung) läßt sich das während der Operation mit großer Wahrscheinlichkeit feststellen. Professor Bonkhoff, Pathologe aus Berlin: "Wenn Lymphadenektomie, dann richtig, radikal und möglichst alle. Ein Schnellschnitt macht bei Lymphadenektomie keinen Sinn, weil zuviel Material verloren geht."

Für den Fall, daß man innerhalb der Lymphknoten Tumorzellen findet, wird das geplante operative Vorgehen möglicherweise geändert (beendet). Eine Entfernung der Prostata ist unter Umständen nicht sinnvoll, da die Krebs-Erkrankung für eine lokale Heilung zu weit fortgeschritten ist Wenn nämlich der Tumor bei nachgewiesenem Lymphknotenbefall die Prostata bereits verlassen hat, ist es vielfach günstiger, eine Hormonentzugsbehandlung durchzuführen.

Gelegentlich sind die befallenen Lymphknoten (ein Einzelner oder vielleicht nur zwei) jedoch die einzigen Absiedelungen/ Tochtergeschwülste, so daß dennoch eine Lymphknotenentfernung in Verbindung mit der radikalen Prostatektomie eine Heilungschance darstellt. Sofern die Lymphknoten in der Schnellschnittuntersuchung tumorfrei sind, ist von einem auf die Prostata begrenzten Tumorwachstum auszugehen. In diesem Fall schließt sich planmäßig die Entfernung der Prostata mitsamt ihrer Kapsel und den hinter der Harnblase liegenden Samenblasen an (radikale Prostatovesikulektomie). Die Samenleiter werden beidseits unterbunden.

Ob heutzutage eine Lymphknotenentfernung im Rahmen der radikalen Prostatektomie bei allen Patienten erforderlich ist, wird in der Ärzteschaft kontrovers diskutiert. Waren noch in den Jahren zwischen 1990 und 1995 nur 30% der Prostatakrebstumore organbegrenzt sind es heutzutage durch die frühe Entdeckung über 80%. Und mit den Nomogrammen stehen mittlerweile einfach einzusetzende und verläßliche statistische Modelle zur Verfügung, welche sehr genau erkennen lassen, ob ein Patient Lymphknoten-Metastasen hat oder nicht. Aber: Bei der DGU wurde erst 2005 wieder darauf hingewiesen, dass rund 30% befallener Lymphknoten NICHT im Standard-OP-Gebiet liegen - Mit PET/CT oder USPIO kann man diese LK jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit erkennen.

Bei sogenannten Niedrig-Risiko-Patienten, welche im wesentlichen einen PSA-Wert unter 10 ng/ml und einen Gleason-Score von maximal 6 haben, erscheint nach Meinung der fachleute die Lymphknotenentfernung nicht erforderlich.

Eine amerikanische Arbeitsgruppe hat gezeigt, daß bei Patienten mit niedrigem Metastasen-Risiko eine Lymphknotenentfernung auch nach einem Nachsorgeintervall von 7 Jahren keinen Einfluß auf die Prognose hat. Bei Patienten mit einem mittleren oder sogar hohen Risiko wird nach heutigem Erkenntnisstand eine ausgedehnte Lymphknotenentfernung durchgeführt. Ob das wirklich einen therapeutischen Effekt hat ist aber ebenfalls weiterhin umstritten. In den Kliniken erfolgt die Therapieentscheidung, ob gleichzeitig mit der Prostatektomie eine Lymphknotenentfernung durchgeführt werden soll, üblicherweise auf der Basis von Prognosemodellen (Prognoserechner) vor der Operation.

weitere Informationen unter
- Tumorzellen in Lymphknoten
- Lymphadenektomie
- LA bei da vinci OP
- LA und Prognose
- LA und Überleben
- LA und Expertenmeinung
- Lymphknotenentfernung
- Lymphknotenentfernung bei Prostatakrebs

Mai 2010/aktualisiert im März 2011



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