Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Inkontinenz

10.7.2011


Inkontinenz bzw. Harninkontinenz nennt man die Unfähigkeit, den Urin in der Blase zu halten. Die Entleerungsfunktion ist ein kompliziertes Zusammenspiel von Nerven und Muskeln.

Verschiedene Schweregrade:
I. nur beim Husten, Pressen, Niesen
II zusätzlich auch bei schneller Bewegung
III. inkontinent auch wenn Körper in Ruhe, aber nicht im Liegen

Seit Neuestem gibt es eine Hotline zum Thema Inkontinenz/Kontinenz:

01805 - 23 34 40 (pro Min. 0,12 Eurocent)

Die Hotline ist erreichbat Mo-Fr. jew. von 15 bis 20 Uhr. Betrieben wird die Hotline von der Deutschen Kontinenzgesellschaft.

(September 2004)update Januar 2005

Die Inkontinenzgesellschaft ist per Webseite wie folgt erreichbar:

www.inkontinenz-selbsthilfe.com

Ergänzung:
Bemerkenswert ist zu diesem Thema ein Beitrag des Urologen f.s. im Forum des BPS:

Medikamentöse Behandlung: Emselex wirkt "nur" bei Inkontinenz durch den Harndrang ausgehend von einer Reizblase ausgelöst zumeist durch eine akute oder chronische Entzündung.

Medikamente (wie z.B. Oxyb, Emselex, Vesikur, Spasmex, Detrusitol). können die sogenannte Stressinkontinenz nicht beeinflussen. Allenfalls Yentreve kann hier manchmal Hilfe bringen. Das gilt nicht, wenn eine Anastomosenstriktur (eine Enge der Nahtstelle dort, wo die Harnröhre nach Entfernen der Prostata an die Blase angenäht worden ist) ausgeschlossen werden kann.

Yentreve und Vesikur haben z.B. zwei völlig unterschiedliche Wirkmechanismen und können nicht einfach gegeneinander ausgetauscht werden. Das Problem ist zudem, das Yentreve NUR für die Inkontinenz der FRAU zugelassen ist. Die Anwendung bei Männern ist "off-label", d.h. in Deutschland nicht zugelassen.

Das Inkontinenz-Training nach Ide (Bad Wildungen) wird als deutlich effektiver als die Beckenbodengymnastik bewertet. Letztere kann auch schon mal kontraproduktiv sein.

Biofeedback-Geräte mit oder ohne Elektrostimmulation können das Ergebnis des Inkontinenz-Trainings verbessern.

September 2005/Februar 2006

Ergänzung:
Der Urologe f.s. im BPS Forum schreibt: Die Belastungs-Inkontinenz durch verletzten Schliessmuskel und die Inkontinenz durch Verengung der "Nahtstelle" zwischen Harnröhre und Harnblase nach der OP (Anastomosenstriktur mit Restharnbildung) sind in der Therapie grundlegend zu unterscheiden.

Wenn die Anastomose zu eng ist, wird eine Beckenbodengymnastik und/oder eine medikamentöse Therapie mit Yentreve die Problematik der Entleerungsstörung nur verstärken!

Weiter heißt es bei ihm: Vorausgesetzt der Sphinkter (Schliessmuskel) ist sicher intakt (kann bei einer Blasenspiegelung mit einem kleinen Elektroimpuls getestet werden), sollte die Narbe in der Harnröhre nicht nur geschlitzt, sonderen regelrecht reseziert (ausgeschnitten werden) und dann für einige Tage höchstdosiert Cortison eingenommen werden. (reduziert die Narbenbildung erheblich).

Februar 2006

Ergänzung zum Thema Implantat:
Dazu wird in einem anderen Expertenforum gesagt/geschrieben:

Ein künstlicher Schließmuskel wird bei einer hochgradigen Harninkontinenz implantiert, die keine Besserungstendenz unter konservativen Maßnahmen zeigt. Der Eingriff ist wenig invasiv, die Verweildauer im Krankenhaus beträgt ca. 5-7 Tage. Die Haltbarkeit eines solchen künstlichen Schließmuskels wird heute mit 10-15 Jahren angegeben, auch ein Austausch stellt in der Regel kein Problem dar. Ein Dauerkatheter ist auch für einen älteren Mann keine echte Alternative.

April 2006

Ergänzung

Inkontinenz braucht Geduld

Das Beheben und auch das Behandeln von Inkontinenz nach einer Prostatektomie braucht Geduld. Insbesondere kommt es auf eine konsequente Nachbehandlung an. Den Patienten wird noch in der Klinik die Einleitung einer Anschlußheilbehandlung (AHB) angeboten. Eine solche Reha-Maßnahme bietet sich an, um unter kompetenter Führung die nötige Gymnastik zu erlernen.

Wenn es nach einer Radikaloperation der Prostata zu einer Inkontinenz kommt, handelt es sich in den meisten Fällen um eine Belastungs- oder Streß-Inkontinenz. Bei der Operation muß aus Gründen der Radikalität häufig ein Anteil des Blasen-Schließmuskels entfernt werden; der verbleibende Anteil ist dann zu schwach in "Belastungssituationen" ( wie Husten Niesen oder Pressen ) den Urin in der Blase zurückzuhalten. Im ersten Schritt sollte der Patient unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten die Beckenbodengymnastik erlernen. Beim Beckenboden handelt es sich um eine willkürliche Muskelgruppe, die auftrainiert werden kann. Der erste Erfolg kann sich erst nach 4 bis 6 Wochen intensivem Training einstellen.

Unterstützt werden kann die Gymnastik durch Elektrostimulation oder die Biofeedback-Methode. Die Geräte hierzu können vom Urologen verschrieben werden. Sie werden dann von der Krankenkasse für einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten dem Patienten zur Verfügung gestellt, so daß der Betroffene zu Hause die Übungen durchführen kann.

Sollte diese Therapie trotz konsequenter Durchführung keinen Erfolg bringen, steht an nächster Stelle der Behandlung schon die Implantation eines künstlichen Schließmuskels. Dabei wird eine kleine flüssigkeitsgefüllte Manschette unterhalb der Beckenbodenmuskulatur um die Harnröhre gelegt. Die Manschette ist mit feinen Schläuchen mit einer Pumpe und einem Druckausgleichreservoir verbunden. Die Manschette ist immer geschlossen und hält so den Urin in der Blase zurück. Zum Wasserlassen betätigt der Patient die Pumpe, die gut erreichbar im Hodensack implantiert wird, und die Flüssigkeit wird aus der Manschette in das Reservoir gepumpt. Auf diese Weise entleert sich die Manschette, die Harnröhre öffnet sich und der Urin kann abfließen. Nach kurzer Zeit füllt sich die Manschette wieder, die Harnröhre wird wieder komprimiert und der Patient ist kontinent. Bei dieser Operationsmethode wird eine Komplikationsrate von 10 bis 15 % beschrieben. Dies beinhaltet dann alle Komplikationen wie Abstoßungsreaktionen, Gerätedefekte oder Infektionen. In Deutschland wird diese Operation schwerpunktmäßig in einigen Zentren durchgeführt

Ergänzung

Vor jeder Behandlung zum Thema Inkontinenz: Es muß geklärt werden, ob Drang- oder Belastungsinkontinenz oder beides vorliegt.

Vorsicht: Ein Harnwegsinfekt verfälscht Untersuchungsergebnisse!

Neben medikamentöser Therapie gibt es zunächst Behelfslösungen wie spezielle Unterwäsche, externe Klemmen, Beckenbodentraining, Harnröhrendauerkatheter, Kondomurinal mit Urinbeutel am Unterschenkel, Biofeedbacktraining.

Eher dauerhafte Lösungen sind z.B.

Ein Erfolg ist unter anderem abhängig vom
- Tumorstadium,
- Alter und Compliance des Patienten,
- Comorbidität,
- Nierenfunktion,
- Anatomie

Welche Voraussetzungen sind für die Behandlung mit dem Transobturatorband erforderlich?

Dazu Dr. P. Rehder aus Innsbruck: Voraussetzung für die Behandlung der Harninkontinenz mit der Transobturatorschlinge ist eine Restfunktion des Schließmuskels. Die Operation wird in Steinschnittlage durchgeführt und dauert 20–40 Minuten. Die Patienten erhalten einen Dauerkatheter für 24–48 Stunden und werden nach der ersten erfolgreichen Blasenentleerung entlassen. Insgesamt erfordert der Eingriff nur einen kurzen Krankenhausaufenthalt von 3–4 Tagen. In Amerika wird die Operation bereits tagesambulant durchgeführt.

Ergänzung
Behandlung der Inkontinenz - Dr. med. Stefan Orth, Dortmund, auf dem 5. Dortmunder Patiententag in 2011 in der Dortmunder Westfalenhalle:
Häufig falsches Beckenbodentraining sei Auslöser für eine instabile Blase. Geduld von ein bis zwei Jahren sei erforderlich, ehe nach medikamentöser vergeblicher Therapie per Operation invasiv eingegriffen werde. Dr. Orth favorisiert das Remeex MRS-Band. Heilung bei 78%, jedoch bei 69% Nachjustierungen erforderlich. Als geheilt gelte ein Patient mit keiner bzw. höchstens einer Vorlage pro Tag.

Der AMS800 Sphinkter sei viel Masse, die hineinoperiert werden müsse. Daher sei das Infektionsrisiko mit 7 Prozent und die Schmerzen mit 8 Prozent recht hoch. Bei der weltweit am häufigsten eingesetzten Argus-Schlinge betrage die Infektionsrate rd. 10 Prozent. Bei nicht-justierbaren Bändern sei die Möglichkeit gegeben, bei Versagen ein zweites Band einzuziehen.

(Meine Anmerkung:
Bei der Vielzahl von vorgestellten Bändern, justierbar und nicht justierbar und den mehr oder weniger gut handelbaren Sphintkern drängte sich mir der Eindruck auf: Der Patient muß zum Hilfsmittel passen und nicht anders herum.

letzte Aktualisierung im Januar 2009/Juli 2011

Noch etwas Grundsätzliches zum AcVance Band

 

Inkontinenz nach ProstataOP  AdVance Band - "male sling”

Etwa 8% aller Männer, bei denen eine radikale Entfernung der Prostata wegen eines Prostatakrebses vorgenommen worden ist, leiden als Folge der Operation an einer ständigen Inkontinenz. Es kann sein, dass während der Radikaloperation der Schließmuskel geschädigt wurde. Es scheint aus heutiher Sicht jedoch eher so, daß der Schließmuskel, der während der Operation aus seinem Halteapparat herausgelöst worden ist und daher seine Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen kann.

Alle meisten der bisherigen Verfahren zum Beheben der Inkontinenz  haben zum Ziel, die männliche Harnröhre "abzudrücken". Schon vor einigen Jahren wurde eine Methode entwickelt, mit einem Schlingensystem den hinteren Anteil der Harnröhre mittels einer Schlinge anzuheben.

Diese Methode verspricht bei leichten und mittleren Formen der Inkontinenz (bis etwa 5 Vorlagen pro Tag) hohe Erfolgsraten von wesentlich gebessert bis hin zur vollständige Kontinenz (d.h. keine Vorlagen mehr notwendig). Die Krankenhausverweildauer liegt bei etwa 4-6 Tagen. Kontinenztraining bzw. Beckenbodengymnastik ist nach der Operation nicht mehr erforderlich.

Nicht geeignet ist diese Methode bei einem defekten, bei der vorausgegangenen Operation beschädigten Schließmuskel. Auch nach einer Bestrahlung, so ist zu hören, seien die Ergebnisse deutlich schlechter.

Nach einer TUR-"P" sei die Operation grundsätzlich ebenfalls geeignet, wäre aber wegen der ausgeprägteren Narbenbildung etwas reduzierter hinsichtlich der Erfolgsaussichten.

Letzte Aktualisierung 19.06.2014 WDF

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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