Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

PSA-Wert und Testosteron

30.5.2010

Unter einer Testosteronsubstitutionstherapie kommt es zu einem Anstieg des Prostatavolumens und der PSA-Werte. Da das Prostatakarzinom ein androgenabhängiger Tumor ist, besteht hier eine Kontraindikation für eine Substitutionstherapie.

Seit bekannt ist, dass das Wachstum von Prostatakrebs (PCa) durch Ausschalten der männlichen Geschlechtshormone zumindest vorübergehend gestoppt werden kann, werden höhere Testosteronspiegel als Auslöser für Prostatakrebs bzw. zumindest mit einem erhöhten PCa-Risiko in Verbindung gebracht. Diese Auffassung ist umstritten. In einer Studie (Rhoden EL, et al. 2008) wurde untersucht inwieweit das Verhältnis von Testosteron zu Prostata-spezifischem Antigen (T/PSA) unterziehen, von diagnostischer Bedeutung sein könnte.

Bei Männern mit einem PSA-Wert <4,0 ng/ml ist die Wahrscheinlichkeit eines positiven Prostatabiopsie-Befundes umso größer, je niedriger der Testosteronspiegel ist (Morgentaler A, Rhoden EL, 2006). Von 345 hypogonadalen Männern wiesen 15 % ein PCa auf. Dieser Anteil entspricht dem in der Prostate Cancer Prevention Trial, nur dass die Männer im Durchschnitt zehn Jahre jünger waren.

Die aktuelle Analyse wurde mit den Daten einer Untergruppe von Männern aus obiger Studie durchgeführt. Es handelte sich um 184 aufeinanderfolgende Patienten mit niedrigem Testosteronspiegel (3,0 ng/ml) und entsprechender Symptomatik, die sich vor der Einleitung einer Testosteron-Substitutionstherapie einer Prostatabiopsie unterzogen hatten.

Ergebnis: Ein niedriges T/PSA-Verhältnis ist ein unabhängiger Hinweis für PCa, denn bei 30 der 184 Studienteilnehmer wurde anhand einer Biopsie ein PCa diagnostiziert.
Das mittlere Alter der Männer ohne PCa betrug 58 Jahre, und das der Männer mit PCa 61 Jahre. Die mittleren PSA-Werte betrugen 1,28 ± 0,95 bzw. 2,15 ± 1,12 und das Testosteron 2,3 bzw. 2,2 ng/ml.
Bei den Männern ohne PCa wurde ein Verhältnis von Testosteron zu PSA (T/PSA-Verhältnis) von 2,85 ± 2,12 und in der Gruppe mit PCa eines von 1,41 ± 0,99 errechnet. In dieser Studie erhöhte sich das PCa-Risiko mit zunehmendem PSA-Wert signifikant und verhielt sich umgekehrt zum T/PSA-Verhältnis.

Eine Langzeitstudie mit mehr als 1000 Teilnehmern habe bestätigt, so Professor Michael Zitzmann aus Münster (2010), dass es unter Testosterontherapie keine Zunahme von Prostatakrebserkrankungen gebe. Auch der PSA-Wert verändere sich unter der Substitution nicht, weder bei jungen hypogonadalen Männern noch bei über 60-Jährigen. Prof. Zitzmann: "Das substituierte Testosteron kommt in der Prostata nicht an im Unterschied zu dem in den Hoden produzierten Testosteron." Der Endokrinologe rät dennoch, im ersten Behandlungsjahr dreimonatlich den PSA-Wert zu kontrollieren, um eventuell bei Therapiebeginn bereits bestehende Prostatatumore nicht zu übersehen, und auch den Hämatokrit im Auge zu behalten, da die Hämatopoese angeregt wird.

Prof. Ebert, Euromedclinic Fürth: "Es gibt keinen Beweis dafür, dass eine Testosterontherapie Prostatakarzinome induziert; allerdings ist bekannt, das Testosteron ein Wachstumsfaktor für ein bereits bestehendes Malignom bedeutet". Experten sind sich darüber einig, dass die Geschwindigkeit des PSA-Anstiegs 0,4ng/ml pro Jahr nicht überschreiten sollte, ansonsten müsse die Therapie gestoppt und weitere Diagnosen durchgeführt werden, etwa eine Biopsie. Darüber hinaus sei bislang auch kein Zusammenhang zwischen Testosteron und BPH-Symptomen gefunden worden.
( 19th Congress of the European Association of Urology (EAU), Symposium der Firma Schering, 25. März 2004, Wien, Österreich) ur030430, 2004, 3, Urologik

Mai2010



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