Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Disseminierung

03.8.2010

...oder Wie entstehen nach vielen Jahren trotz OP, Hormon- und Chemotherapie dennoch Metastasen?

Metastasierung steht als Todesursache bei Krebskrankheiten an erster Stelle. Aussicht auf eine endgültige Heilung besteht in der Regel nur, wenn der Primärtumor entfernt werden kann, bevor sich Metastasen in anderen Körperteilen gebildet haben. Wenn solche Fernmetastasen groß genug sind, um erkannt zu werden, sind meist auch zahlreiche Mikrometastasen (mit Durchmessern von 0,2 bis 2 mm) vorhanden, die zu neuen großen Tochtergeschwülsten heranwachsen können

Die Ablösung und Ausbreitung (Disseminierung) von Krebszellen aus dem ursprünglichen Tumor stellt den ersten Schritt der Metastasierung dar. Die disseminierten Tumorzellen wandern mit dem Blut oder der Lymphe und setzen sich in anderen Organen, in der Regel stromabwärts vom Primärtumor, fest. Mit der Lymphe gelangen sie in die nächstgelegenen Lymphknoten. Viele Tumore metastasieren bevorzugt in ganz bestimmte Organe (homing organs). Für Krebszellen von Mammakarzinom (Brustkrebs), Prostata- und Kolonkarzinom (Darmkrebs) ist es das Knochenmark. Dort können die Tumorzellen entweder - wie im Falle von Brust- und Prostatakrebs - zu großen Metastasen heranwachsen, oder sie zirkulieren – wie im Falle von Darmkrebs - von dort aus wieder mit dem Blut zu anderen Organen, wo sie bessere Wachstumsbedingungen vorfinden, zum Beispiel in die Leber oder die Lunge. Lange hatte man angenommen, dass diese Ausbreitung relativ spät in der Tumorentwicklung erfolgt, aber mittlerweile weiß die Wissenschaft, dass die Dissemination von Zellen des Primärtumors zu entfernten Organen schon früh, wenn der Tumor noch sehr klein ist, stattfinden kann.

Allerdings, nicht alle disseminierten Tumorzellen wachsen zu Metastasen heran. Bei den meisten Krebsarten können Fernmetastasen wahrscheinlich nur von einer sehr kleinen Untergruppe (Subpopulation)- den so genannten Metastasen-auslösenden-Krebsstammzellen (MICs) - gebildet werden Im Gegensatz zu der großen Masse der Zellen des Primärtumors, die sich rasch teilen und dabei sensitiv gegenüber dem Angriff der gebräuchlichen anti-proliferativen Chemotherapeutika (Zytostatika) sind, teilen sich die MICs nur äußerst selten. Sie verharren über lange Zeit in einem Ruhezustand. In diesem schlafenden (dormanten) Zustand sind die Zellen resistent gegenüber den üblichen Chemotherapien.

Diese Resistenz erklärt, warum bei vielen Krebskrankheiten die Tumore nach einer Chemotherapie zunächst verschwinden, es aber oftmals Jahre später zu einem Rückfall oder Rezidiv kommt
(Trumpp, A., and Wiestler, O.D.: Mechanisms of Disease: cancer stem cells - targeting the evil twins. NatureClin. Pract. Oncol., June 2008).

Zur Tumorzelldissemination äußerten sich Wissenschaftler aus dem UKE auf dem DGU-Kongress 2009 in etwa wie folgt: Viele Schritte der Dissemination sind nach wie vor unklar. Es ist unbekannt, ab welcher Tumorgröße der Prozess der Tumorzelldissemination einsetzt, allerdings besitzt das Prostatakarzinom schon frühzeitig in seiner Entwicklung die Fähigkeit zur Streuung.

letzte Aktualisierung im Juni 2010


Schlagwörter:

Wie entstehen Metastasen

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