Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Thymuspräparate

10.7.2010

Immer mal wieder kommen Thymuspräparate wegen ihrer antiviralen Wirksamkeit ins Gespräch, z.B. das ZADAXIN, eine synthetische Version von Thymosin Alpha 1, eine Substanz, die im natürlichen Kreislauf gefunden und von der Thymusdrüse des Körpers produziert wird. ZADAXIN stimuliert das Immunsystem, indem es auf T-Zellen und NK-Zellen einwirkt, die das größte Abwehrpotential des Körpers gegen Infektionskrankheiten darstellen. Zadaxin wird hergestellt von SciClone Pharmaceuticals, Inc.,einem bisher hauptsächlich in Asien und Lateinamerika international tätigen Unternehmen im Bereich Bio-Pharmazie, das Spezialmedikamente zur Behandlung von chronischen und lebensbedrohlichen Krankheiten, darunter Hepatitis B, Hepatitis C, Mukoviszidose, Krebs und Störungen im Immunsystem erwirbt, entwickelt und auf dem Markt bringt.
(Meine jüngsten Informationen stammen so ungefähr aus den Jahren 200 bis 2006.)

Zur Ausgangssituation:
Die Thymosine sind eine Gruppe von Proteinen, die eine große Rolle bei den Migrationsprozessen der Zellen spielen. Im Zellkern wirken sie als Transskriptionsfaktor, ausserhalb der Zellen wirken sie hemmend auf die Immunreaktion bei Entzündugen. Die Uni Magdeburg erforscht (oder hat erforscht?) den Einfluß von Thymosin bei Entzündungsprozessen. Vielleicht ergibt sich daraus ein nebenwirkungsärmeres Medikament als die derzeitigen Glukorticoide.

Das Tymosin Beta-15 reguliert laut Prof. Bonkhoff, Berlin, das Invasionsverhalten des Prostatakarzinoms. Hohe Thymosin-Beta-15 Werte im Tumorgewebe erhöhen das Risiko auf Knochenmetastasen bei rd. 62 Prozent der Betroffenen und nur 25 Prozent der Patienten mit hohen Thymosin-Beta-15 Werten bleiben in den ersten 5 Jahren nach der Radikalen Prostataentfernung rezidivfrei.

Bei den Alternativen Therapien werden Thymuspräparate aus Thymusextrakt unterschieden in

- Polypeptidfraktionen (Thymophysin, Thymoject, Thym-Uvocal, Neythymun),
- Peptidfraktionen (Thymostimulin, Thymophysin)
- und einzelne Thymuspeptide wie z. B. Thymopentin.

In Tierexperimenten konnten für unterschiedliche Thymuspräparate positive immunologische Effekte z. T. mit direkten antitumoralen Wirkungen dargestellt werden. Allerdings sind die Ergebnisse der Studien unterschiedlich. Zur antitumoralen Wirkung von Thymuspeptiden liegen nur Studien mit kleinen Patientenzahlen u.a. bei Bronchialkarzinom vor. Während 3 Studien tendenziell günstige Effekte nachwiesen, zeigte eine Studie sogar eine tendenzielle Verkürzung der Überlebenszeit. Umgekehrt ergab die Thymostimulingabe beim Non-Hodgkin-Lymphom parallel zur Chemotherapie zwar keine Verbesserung der Nebenwirkungsrate, jedoch signifikant mehr komplette Remissionen mit einer Steigerung der 4-Jahres-Überlebensrate von 43 auf 64 % (Federico). Die Erweiterung einer Radiochemotherapie mit Thymosinfraktion 5 brachte keine statistisch signifikanten Unterschiede. Dagegen ergab die Kombination aus Thymostimulin 1 mg/kg Körpergewicht an Tag 7 – 14, anschließend 2 x wöchentlich (Macchiarini) bei einer platinhaltigen Chemotherapie eine deutliche Erhöhung der Remissionsrate und medianen Überlebenszeit sowie signifikant geringeres Auftreten von Hämatotoxizität und Infektionen. Bei Hepatitis-C wurde Zadaxin zusammen mit Interferon zunächst vielversprechend eingesetzt (Maar). Von weiteren angekündigten Studien ist derzeit nichts zu hören.

Fazit:
Möglicherweise sind die Thymuspräparate interessant, aber ob sie tatsächlich beim Prostatakarzinom wirksam sind, das ist bisher in keiner Studie gezeigt worden.

Juli 2010


Schlagwörter:

Thymosin

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