Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Fallbeispiel - Überlegungen zur Kombinierten Hormon-/Strahlentherapie bei T3a

22.9.2010

Alter 70
RPE i 03/2009
pT3a pN0 V0 G3 R0 Gleason 4+4=8
kein Hinweis auf organüberschreitendes Wachstum
PSA Nadir 0,03 ng/ml
Die PSA-Kontrollen nach der OP zeigen folgende Entwicklung:
04/09:0,03 - 05/09:0,04 07/09:0,04 -01/10:0,043 04/10:0,187 09/10:0,337
Szintigraph 08/10 o.B.

Therapievorschlag 1 (Urologe):
Kombinationstherapie von Bestrahlung der Prostataloge bei gleichzeitger Hormontherapie.

Therapievorschlag 2 (Radiologe):
erst bestrahlen, dann auf den PSA schauen, dann weitere Therapie entscheiden
Überlegung des Radiologen:
Was bringt es, dass sowohl Bestrahlung wie auch Hormontherapie gleichzeitig gemacht werden?
Der PSA-Wert geht runter und man weiss nicht:
1. Ob Bestrahlung oder Hormontherapie oder Beides den PSA runtergedrückt haben.
2. Wie lange man die Hormontherapie machen sollte.

Angenommen, man bestrahlt einfach, ohne Hormontherapie. Dann kann Folgendes passieren:
a) Der PSA fällt nach der Bestrahlung unter die Nachweisgrenze ab und bleibt dort. Man hat den Tumor getroffen, die Nebenwirkungen der Hormontherapie kann man sich ersparen.
b) Der PSA fällt nach der Bestrahlung ab auf z.B. 0,2, steigt dann aber wieder nach ein paar Monaten auf 0,4. Dann kann man die Hormontherapie bei 0,4 beginnen, weil sicher ist, dass es sich um eine systemische Erkrankung handelt. Ein Therapienachteil entsteht dadurch nicht.(Meine Anmerkung: Es ist eher ein Vorteil durch eine medikamentenfreie Zeit entstanden. Allerdings sind die Nebenwirkungen der Bestrahlung zu beachten.)
c) Der PSA fällt nach der Bestrahlung NICHT ab und steigt sogar auf 0,5. Dann fängt man mit der Hormontherapie ohne Zeitverlust gleich nach der 0,5-Messung des PSA-Wertes an. Der Zeitverlust bis zum Beginn der Hormontherapie ist sehr gering und vermutlich nicht nachteilig.

Meine Meinung:
Argumentativ steht dem Therapievorschlag des Radiologen entgegen:
Eine Strahlentherapie, die zusätzlich zur antiandrogenen Langzeittherapie verabreicht wird, verlängert signifikant das Überleben von Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom im Vergleich zur alleinigen Hormontherapie. In einer randomisierten Phase-III-Studie, die auf dem ASCO 2010 mit über 1200 Patienten vorgestellt wurde, verringerte die zusätzliche Radiotherapie das Mortalitätsrisiko um 43%.
Therapiert wurde in dieser Studie T3/4 Prostatakarzinom oder T2 mit hohem Risiko (PSA >40 ug/ml oder PSA > 20 ug/ml, Gleason > 8).
Eine alleinige antiandrogene Behandlung (Orchiektomie oder LHRH-Agonist) erhielten 602 Patienten, eine zusätzliche Radiotherapie 603 Patienten. Nach 7 Jahren lebten noch 66% der Patienten, die eine alleinige antiandrogene Therapie erhalten hatten, im Vergleich zu 74% aus der Gruppe mit kombinierter Hormon-/Strahlentherapie.

Meine Überlegung:
Bei einem PCa pT3a und einem Gleason 4+4 und einem 18 Monate nach RPE auf das 10fache des PSA-Nadirs angestiegnen PSA-Wertes ist es mir ziemlich egal, wer letztendlich einen PSA-Abfall bringt: Strahlen oder Medikament. Für mich besteht der Vorteil darin, möglichst rasch UND sicher den Anstieg des PSA-Wertes zu beenden.
Und da kommen mir die Ergebnisse der oben zitierten Studie vom ASCO 2010 (Abstract CRA 4504. Intergroup randomized phase III study of androgen deprivation therapy (ADT) + radiation therapy (RT) in locally advanced prostate cancer (CaP) (NCIC-CTG, SWOG, MRC-UK, INT: T94-0110; NCT00002633). P. R. Warde, M. D. Mason, M. R. Sydes, M. K. Gospodarowicz, G. P. Swanson, P. Kirkbride, E. Kostashuk, J. Hetherington, K. Ding, W. Parulekar, NCIC CTG PR.3/ MRC PRO7/ SWOG JPR3 investigators ) entgegen.

September 2010


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