Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Fallbeispiel Extrem langsam wachsendes Rezidiv

11.10.2010

Fakten:
Jahrgang 1941 RPE in Sept. 1999 bei PSA 33,7; pT2b; N0; M0; R0; G1u2. PSA Nadir 0,2 ng/ml
PSA – Wert stieg ganz allmählich von 0,2 nach der Reha, bis 2,6 in 1/2006 und dann steiler auf 7,9 in 7/2008 und in 9/2010 auf aktuell 20,9.
nach OP keine Medikamentierung
keine Kontinenzprobleme
Potenz mit Hilfe vorhanden
keine Therapie bis jetzt nur PSA-Kontrolluntersuchungen.
2 mal PET/CT in 12 /2006 bei PSA 4,4 und in 11/2009 bei PSA 13,6, jeweils ohne gravierende Auffälligkeiten
Z.Zt. PSADT ca. 9 Monate

Dazu der Experte:
Der derzeitige hohe PSA-Wert läßt normalerweise zunächst mal eine Metastasierung vermuten.
Allerdings ist der bisherige Verlauf seit 1999 eher untypisch: Wenn der Wert aber tatsächlich von 0,2 ng/ml (1999) bis 2,6 ng/ml (2006) in 7 Jahren (!) angestiegen ist, dann handelte es sich eher um ein Lokalrezidiv, anders ist der sehr langsame PSA-Anstieg nicht erklärbar.

Weiter meint der Experte:
1. Dass ein PSA-Rezidiv 11 Jahre lang ohne jegliche Behandlung keine Probleme macht ist selten und spricht eher für ein lokales Problem, als für ein seit Anfang an bestehende Metastasierung. Dazu würde auch der niedrige Gleason Score passen ( G1-G2, also vermutlich GS 3+3 oder höchstens 3+4).
2. Es kann sein, dass es sich um einen Tumor handelt, der möglicherweise "schon immer sehr viel PSA produziert hat und weiterhin produziert, ohne dass viel Tumormasse vorliegt".
3. Ein PSA von 33,7 g/ml bei der Erstdiagnose und dabei "nur" ein pT2b passt nicht zusammen, es sei denn, der hohe PSA-Wert von 33,7 ng/ml bei einem kleinen Tumor erklärt sich durch eine kräftige Prostatitis, weil solche Werte eher typisch für einen pT3b und pN1 sind.
4. Nicht jedes Prostatakarzinom ist im PET-CT erkennbar.

Diagnose-Empfehlung des Experten:
Ich würde eine MRT-Becken mit Rektalspule machen ggf. auch einen transrektalen Ultraschall.

Therapieempfehlung des Experten:
Falls in der Prostataloge was zu erkennen wäre, "was mehr als nur wie Narbe ausschaut", würde ich die Prostataloge bestrahlen, die Beckenlymphbahnen würde ich aufgrund des hohen PSA-Wertes und der langen Zeit, wo das PSA-Rezidiv da ist, mitbehandeln.
Das ist keine Standardtherapie und birgt das Risiko für Nebenwirkungen ohne hohe Garantie auf Erfolg.

Sollte eine Hormontherapie in Erwägung gezogen werden, dann würde ich ganz normal mit einem LHRH-Analogon beginnen und die ersten paar Wochen Casodex dazu nehmen.

Oktober 2010


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