Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Inkonsistenz

13.10.2010

....bezeichnet einen Zustand, von zwei Dingen, die beide grundsätzlich gültig sind aber dennoch nicht zueinander passen.
oder
Fehlinterpretationen aufgrund unsauberer Begrifflichkeiten

Medizinisch kann das z.B. der Unterschied sein (Diskrepanz) zwischen klinisch/sonografischer Feststellung und dem postoperativen Ergebnis (chirurgisches Downstaging).

Solche Inkonsistenzen können therapeutische Fehlschlüsse zur Folge haben.

Ein weiteres Beispiel ist dieses:
Die vierteljährliche PSA-Bestimmung erfolgt zunächst bei Urologe Dr. U.
2/2004 = 0,2; 3/2004 = 0,2; 4/2004 = 0,3; 1/2005 = 0,55
dann ein paar Mal bei Hausarzt Dr. H.
2/2005 = 0,6; 3/2005 = 0,75; 4/2005 = 0,9; 1/2006 = 1,1
dann wieder bei Urologe Dr. U. 2/2006= 0,85; 3/2006= 0,95

Erst auf Nachfrage stellt sich heraus, dass Dr. U. in 2004 die PSA-Werte im Labor des Dr. L. feststellen ließ. In 2005 wechselte Dr. U. zu dem neuen Labor des Dr. X. Der Hausarzt Dr. H. arbeitete jedoch mit einem anderen Labor, dem von Dr. M. zusammen.
Bei einer solchen Meßwertreihe spricht man von Inkonsistenz.

Ein anderes Beispiel:
Bei der Bestrahlungsplanung für die Dosisberechnung wird die unmittelbar vorher angefertigte CT-Schnittbildserie herangezogen. Wird jedoch die Dosisverteilung aufgrund eines älteren CT-Datensatzes angefertigt, von z.B. einer Aufnahme, die bei einem anderen Institut 2 oder 4 Monate zuvor erstellt worden ist, und der Strahlentherapeut erkennt das nicht, könnte daraus eine Therapieentscheidung entstehen, die eventuell zu einer Fehlbestrahlung führen könnte.

Das gilt insbesondere dann, wenn man sich bei einer neueren Entscheidung nur auf die archivierten Daten früherer Untersuchungen verläßt. Und das ist regelmäßig der Fall, wenn es um die Einschätzung von Rezidiven geht. Dann werden "alte" Aufnahmen und "frühere" Berichte üblicherweise für neue Entscheidungen in die Überlegungen zu neuen Therapien einbezogen.

Gottseidank verhindern im Bereich der Strahlentherapie u.a. intelligente Softwaresysteme solche Inkonsistenzen. Aber was ist, wenn nicht Software sondern der Mensch, der Arzt, der alleinige Entscheider ist? Denkt der Mensch, der Urologe, der Onkologe, der Betroffene daran, dass solche Inkonsistenzen einen unmittelbaren Einfluß auf die Güte der folgenden Therapie haben? Denkt er daran, solches ausreichend genug zu berücksichtigen?

Oktober 2010


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