Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Freies PSA

21.3.2011

Eine Problematik der PSA-Messung zur Frühdiagnostik des PCA liegt in dem kritischen Bereich von 4,1 - 9,9 ng/ml, da in diesem Bereich die alleinige PSA-Bestimmung nicht zwischen PCA (bösartiger Tumor) und BPH (gutartige Vergrößerung der Prostata) unterscheiden kann.

Bei PSA-Konzentrationen zwischen 4,1 - 9,9 ng/ml liegt in 26% der Fälle ein PCA und in 74% eine BPH vor, während bei PSA-Werten >10 ng/ml in 53% der Fälle mit einem PCA zu rechnen ist.

fPSA,isoliert betrachtet, enthält keine bedeutsame Aussage, es gilt als biologisch inaktiv. Man(n) kann allenfalls erkennen, dass fPSA bei allen gutartigen Erkrankungen der Prostata erhöht ist.
Freies PSA:
Adenom (BPH): > 2 ng/ml
Malignom (Prostata-Ca) < 2 ng/ml

PSA liegt im Blut sowohl gebunden (an ein sogenanntes Transportprotein) als auch frei vor. 60 bis 95% des immunreaktiven PSA sind an einen Eiweißkomplex (Antichymotrypsin) gekoppelt, 5 bis 40% liegen als nicht gebundenes oder freies PSA vor, 0,5 bis 5% sind an a1-Trypsin gebunden.

Der Gesamt-PSA-Wert ist die Summe von der freien und der gebundenen Form. Dieser Wert wird bei dem uns bekannten Standard-PSA-Test gemessen.

Liegt das Verhältnis von dem freien PSA (% Anteil des nicht eiweißgebundenen, freien PSA) gegenüber dem Gesamt-PSA unter 0,15 (unter 15%) liegt statistisch gesehen in etwa 75% der Fälle ein Prostatakarzinom vor.

Weniger als 15 Prozent freies PSA ist also verdächtig auf einen bösartigen Tumor, während ein Wert größer als 15 Prozent eher auf eine gutartige Prostatavergrösserung schließen lässt.

Grundsätzlich kann man sagen:
Die isolierte Bestimmung des fPSA hat keine besondere diagnostische Bedeutung. Entscheidend ist die Berechnung der PSA-Ratio, d.h. dem Quotienten gebildet aus fPSA/Gesamt-PSA. Wichtig ist, das die Berechnung der PSA-Ratio nur in einem bestimmten Bereich der gemessenen Gesamt-PSA (ca. 2 - 10 ng/ml je nach Hersteller) diagnostisch verwertbar ist.
Demnach ist zusätzlich zum Gesamt-PSA in einem Bereich von 2.5 - 10 ng/ml des Gesamt-PSA die Bestimmung des freien PSA und die Berechnung des Verhältnisses von freiem PSA zum Gesamt-PSA nützlich; d.h. fPSA dient dann als Prognosefaktor. Bei unterhalb liegender PSA-Werte, also im niedrigen PSA Bereich unterhalb der derzeitigen Grenzwerte, verliert fPSA und der daraus gebildete Quotient mit tPSA an Aussagekraft!

Allerdings: Ich sage es hier ganz deutlich, dass auch der Quotient PSA frei/ PSA total keine strikte Trennung zwischen "gut" und "böse" liefert, ebenso wenig wie das totale PSA allein.
Bei einem Gesamt-PSA von 4 bis 10 ng/ml besteht die Wahrscheinlichkeit ein Prostatakerizom zu haben wie folgt:
Quotient
PSA frei/
PSA-Gesamt....P-Karzinom
0 - 10 Prozent.........56 Prozent
10 - 15Prozent........28Prozent
15 - 20Prozent........20Prozent
20 - 25Prozent........16Prozent
> 25Prozent............8Prozent
Das sind Daten aus einer Veröffentlichung eines ren. Labors.

Der Parameter fPSA stellt also eine zusätzliche Entscheidungshilfe zur Abgrenzung der BPH zum PCA bei Gesamt-PSA-Werten > 4 ng/ml und unauffälligen Tastbefunden dar. Zur eindeutigen Diagnose ersetzt jedoch auch diese Methode die Biopsie nicht.
Durch die Bestimmung der PSA-Ratio, d.h. freies PSA/Gesamt-PSA, läßt sich die Spezifität zur Erkennung eines Prostatakarzinoms im diagnostischen Graubereich daher deutlich steigern.

Nach einer Biopsie und nach einer Prostata-Entfernung hat eine Bestimmung des fPSA jedoch keinen praktischen Sinn mehr.

Es soll einen Zusammenhang geben zwischen der Bösartigkeit des Prostatatumors und dem rechnerischen Verhältnis der beiden PSA-Werte (d.h. aus freiem PSA [f-PSA] und Gesamt-PSA-Wert [t-PSA]), gemessen im Serum von Patienten zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose. Je kleiner der Quotient (also der Anteil des freien PSA kleiner als 15% des Gesamt-PSA ist), um so bösartiger der Tumor. Januar 2005
ergänzt Februar 2005

Ergänzung:
cPSA und freies PSA dienen AUSSCHLIESSLICH der Verbesserung der PK-Erkennung solange die Diagnose noch nicht feststeht. cPSA hat eine gänzlich andere Messempfindlichkeit als tPSA (=Gesamt-PSA).

NUR das tPSA ist für den Verlauf bei BEKANNTEM PK interessant - Messung von fPSA und cPSA ist nur für Konto des Bestimmers von Bedeutung,.... schrieb unlängst ein urologischer fachmann im BPS Forum.

Und IMMER im gleichen LAbor messen. Nur so ist einiger Maßen zuverlässig ein Verlauf abzulesen

Ergänzende Informationen vom Urologenkongress 2008 in Stuttgart:
Die Wertigkeit des prozentualen Anteils des freien PSA (%fPSA) zur Diagnose eines Prostatakarzinoms (PCa)
Haese A., Walz J., Chun F., Schlomm T., Steuber T., Eichelberg C., Graefen M., Huland H. Martiniklinik am UKE, Hamburg, Germany
Das PCa-Risiko ist im PSA-Bereich bis 2,5ng/ml erheblich. Hier ist %fPSA der informativste Parameter.

letzte Aktualisierung im Dezember 2008/ im März 2011

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.


Schlagwörter:

PSA, PSA-Ratio, cPSA, fPSA, freies PSA, tPSA

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