Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Zirkulierende Tumorzellen

12.4.2012

CTC (circulating tumor cells) das meint: Es sind Zellen, die sich von einem Primärtumor gelöst haben und im Blutkreislauf herumvagabundieren (zirkulieren). Sie können in andere Organe eindringen und sich dort regelrecht einnisten (ablagern). In dem Zustand nennt man sie disseminierte Tumorzellen und genau diese können sich zu Metastasen entwicklen. Und diese wiederum setzen weitere zirkulierende Tumorzellen in den Blutkreislauf frei. Der Nachweis ist schwierig und kompliziert.

Man hofft, mit Hilfe der CTC bei metastasierten Krebserkrankungen Reaktionen auf Therapien besser erkennen zu können und dadurch prognostisch sich auf sichrerem Terrain zu bewegen als bisher. In den USA wurde ein System entwicklet und von der FDA zugelassen, mit dessen Hilfe ein Therapiemonitoring von Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs, Brustkrebs und Darmkrebs möglich ist bei medikamentösen Therapien oder bei Chemotherapie. Für die Bestimmung braucht es lediglich eine kleine Menge Vollblut.
(entnommen einem Beitrag von Dr. Claudia Bruhn, Deutsche Apotheker Zeitung 05.04.2012)

Das Vorhandensein zirkulierender Tumorzellen (CTC) scheint nach Meinung einer Studiengruppe der urologischen Klinik RDI München und der Klinik für Frauenheilkunde der Ludwig-Maximilian-Universität, München, prognostisch relevant und zur Therapieüberwachung des Prostatakarzinoms geeignet zu sein. Untersucht wurde die Zahl zirkulierender Tumorzellen im peripheren Blut von Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom bzw. einem hormonrefraktärem metastasierten Prostatakarzinom.

Die höchste CTC-Zahl wurde bei Patienten mit Knochenmetastasen nachgewiesen. Bei einem lokal fortgeschrittenen PCa zeigte sich keine CTC-Erhöhung, unabhängig von der Histopathologie und unabhängig vom Gleason-Score. Für die Forscher scheint die CTC-Zahl interessant für die Überwachung der Chemotherapie von ossär metastasierten Patienten zu sein.

Um nach einer Tumortherapie verbliebene Restzellen aufzuspüren, wenden Harvardmediziner eine Kombination aus bildgebendem Verfahren und miniaturisierter Blutanalyse an. Die Wissenschaftler nutzen dazu besondere Marker auf der zelloberfläche. Es sei so möglich, zirkulierende Tumorzellen nicht nur zu lokalisieren sondern auch zu quantifizieren.Ein PSA-Mikrochip macht die Verlaufsbeobachtung möglich.
65 klinische Zentren in USA und Europa nehmen an einer Studie teil. Der Studienleiter Dr. Johann de Bono vom Institut of Cancer Reserch in London wertet die Zahl der zirkulierenden Tumorzellen als unabhängigen Indikator für das Gesamtüberleben von Prostatakarzinompatienten.

Der Test istin den USA über VERIDEX kommerziell erhältlich und ist dort für die Prognoseabschätzung u.a. bei Patienten mit metastasiertem PCa zugelassen. (21.09.2009)

Bedeutsam sind zirkulierende Tumorzellen vor allem als sogenannte "Keime" für sekundäre Tumorherde.
(Stand 26.08.08)

Mithilfe der Bestimmung zirkulierender Tumorzellen könnte sich die adjuvante Chemotherapie nach einer Operation bei Patientinnen mit Mammakarzinom weiter individualisieren lassen. An diesem Ansatz zur Verbesserung der individuellen Verlaufsbeobachtung arbeiten Onkologen am Jenaer Universitätsklinikum gemeinsam mit Kollegen der Universitätsfrauenklinik, um die Methode allen Patientinnen am Interdisziplinären Brustzentrum Jena anbieten zu können. "Wenn die Zahl der Tumorzellen im Blut während der Chemotherapie ansteigt, dann besteht erhöhte Gefahr für ein Rezidiv", fasst die Onkologin Prof. Dr. med. Katharina Pachmann das Ergebnis einer Untersuchung mit 91 Patientinnen zusammen. Dabei war den Frauen vor, während und nach der Therapie Blut abgenommen worden, insgesamt mindestens viermal.

Frau Dr. Hübner, Habichtswaldklinik Kassel sagte 2008:

Eine interessante Beobachtung ist, dass viele der disseminierten Tumorzellen relativ wenig Moleküle enthalten, die auf eine Zellteilung hinweisen. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass diese Zelle durch die übliche Chemotherapie nicht angegriffen werden, da Chemotherapie insbesondere teilungsaktive Zellen hemmen.

.....die Untersuchungen auf disseminierte Tumorzellen....... durchführen zu lassen, da wir noch keinerlei Hinweise haben, wie wir diese Information in eine Therapie umsetzen. Es ist keineswegs so, dass alle Patienten, bei denen zirkulierende oder disseminierte Tumorzellen nachgewiesen werden, ein Rezidiv erleiden. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll, allein auf diesem Befund eine Therapie aufzubauen.

Allein das Wissen um den Tumorzellnachweis kann deshalb für die Patienten auch eine erhebliche psychische Belastung darstellen.

bitte hierzu auch den Bericht vom Patiententag 2010 von Dr. Frank Eichhorn (unter Service und Downloads und dort unter Sonstiges) insbesondere den Beitrag von Frau Prof. Pachmann lesen.

Im folgenden Bericht vom Patientenseminr 2010 in Münchern Planegg steht mehr zu diesem Thema auf den Seiten 5 bis 7 München Planegg-Patientenseminar - u.a. Zirkulierende Tumorzellen
weitere Infos der Uni in Halle über Zirkulierende Tumorzellen detektieren mit Nanotechnik

Ergänzung
Zirkulierende Tumorzellen - Dr. med. Ulrich Pachmann, Bayreuth, auf dem 5. Patiententag in 2011 in der Dortmunder Westfalenhalle

Dr. Pachmann beschrieb Methoden und Ergebnisse von Untersuchungen von zirkulierenden Krebszellen im Blut. Deren Anzahl zeige eine deutliche Korrelation mit der Wirksamkeit einer laufenden Behandlung der Patienten. Wird eine Therapie durchgeführt, kann man anhand der Anzahl zirkulierender Tumorzellen feststellen, ob die Therapie wirkt oder eben nicht wirkt. Anhand der Anzahl zirkulierender Tumorzellen könne man zeigen, wie die Operation und die Hormontherapie diese Zellen im Blut beeinflußen. Und man könne zeigen, ob die Tumorzellen für die verwendeten Medikamente sensitiv seien durch Vergleich der Zellzahl vor und nach Beginn der Therapie. Die zirkulierenden Tumorzellen könne man in Zukunft nutzen, um neue Therapieansätze bei individuellen Patienten zu testen.

Ergänzende Anmerkung der Red.:
steigende Zellzahlen deuten auf vermehrte Tumoraktivität hin. Das heißt für mich: An der Zellzahl kann ich nicht ablesen, wie groß mein Risiko ist hinsichtlich des weiteren Überlebens, wohl aber, ob der Tumor besonders oder vielleicht weniger aktiv ist.
Lediglich bei abnehmender Zellzahl kann ich rückschließen, dass meine Therapie anspricht!

(Meine weitere Anmerkung: Auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology 2011 stellten us-amerikanische Wissenschaftler vor ein paar Wochen das Ergebnis einer randomisierten Phase-III-Studie mit rd. 1200 Patienten vor, in welcher erkennbar war, dass Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs bei einer Therapie mit Abiraterone ein höheres Gesamtüberleben hatten, wenn die Anzahl der zirkulierenden Tumorzellen auf 5 und weniger in 7,5 ml Blut absank. Waren es mehr zirkulierende Tumorzellen pro 7,5ml im Blut, war der Behandlungseffekt geringer. Für mich ergibt sich daraus der Rückschluß: Je weniger zirkulierende Tumorzellen in meinem Blut vorhanden sind, um so besser ist der Effekt meiner Tumortherapie z.B. mit einem Chemotherapeutikum oder mit einem der neuen Medikamente und damit wächst meine Chance auf ein längeres Gesamtüberleben.)

Frau Prof. Katharina Pachmann in einem Interview:

Derzeit können unsere Untersuchungen noch nicht voraussagen, welche Behandlung die richtige ist. Wir können jedoch dazu beitragen, zu überprüfen, ob die gewählte Behandlung wirkt. Mit einem weiteren Ansatz der Chemosensitivitätstestung können wir jetzt auch im Voraus testen, ob die gewählte Chemotherapie die zirkulierenden Tumorzellen zerstört. Meiner Meinung nach ist das die Basis für eine wirklich individuelle Krebsbehandlung.
(Prof. Katherina Pachmann, Uni Jena)

Der Test kann im Labor Dr. Pachmann in Bayreuth in Auftrag gegeben werden. Das Labor berechnet derzeit Kosten von rd. 130 bis 150 Euro; es erfolgt aber noch keine Kostenerstattung durch die ges. Krankenkassen. Man kann das Blut beim behandelnden Arzt abnehmen lassen und an das Labor Pachmann schicken Labor Pachmann

Nochmals ein Auszug aus der o.a. DEutschen Apotheker Zeitung vom 05.04.2012:
Lt. PD Dr. Steuber, Martiniklinik, Hamburg, kommt das CTC-Testsystem z.Zt. nur im Rahmen von Studien zur Anwendung, nicht im klinischen Alltag. Seine weiteren Hinweise machen uns Männern mit metastasiertem Prostatakrebs jedoch Hoffnung, denn seiner Meinung nach eignet sich das Testsystem gut als Prognosemarker für Prostatakrazinom-Patienten, bei denen Metastasen..... am häufigsten im Knochenmark auftreten. Der PSA-Wert sei nämlich in vielen Fällen kein optimaler Marker für das Therapiemonitoring (Therapieüberwachung). Man müsse bei einem Wechsel auf eine andere Therapie schnell beurteilen können, ob und wie der Patient darauf ansprechen würde. Beispiel sei beim mCRPCa die Situation, wenn nach einem Versagen der Docetaxeltheraapie auf Abiraterone umgestiegen würde. (siehe hierzu auf dieser Webseite im Bereich Texte und Downloads den Beitrag von Prof. Heidenreich aus dem Jahr 2011 zu Abiraterone mit dem Hinweis auf den Einsatz des CTC-Wertes und des LDH-Wertes (Lactatdehydrogenase) unter Abirateronetherapie)

letzte Aktualisierung im Januar 2011/April 2011/Juli 2011/August 2011/April 2012

 

weitere Aktualisierung in 2013

Der Urologe im BPS-Forum schrieb im Mai 2013: Besonders interessant könnte dieses Verfahren zur Messung zirkulierender Tumorzellen im Bereich Aktive-Surveillance, Frage adjuvanter Strahlen- und Hormontherapie nach R1-Resektion, Wahl des Medikamentes zur Chemotherapie (in-vitro-Testung), Erfolgsüberwachung alternativer Heilmethoden und ganz neu Zellpicking und Kultur dieser Zellen - z.B. für die typgerechte Gewinnung von spezifischen Tumorzellen für die dentritische Therapie sein.
Auch kann oft schon nach 2 Zyklen Taxotere kontrolliert werden, ob dieses überhaupt weiter gegeben werden sollte ...
Zu den Kosten heißt es: ....einzelne Bestimmung ca. 160€ - bis über 2000€ bei zusätzlicher Testung gegen mehrere Chemotherapeutika; Übernahme der Kosten durch Krankenkasse soll in begründeten Einzelfällen möglich sein.


Und weiter:
"Wir hoffen, künftig anhand der zirkulierenden Tumorzellen schneller abschätzen zu können, wie wirkungsvoll eine Therapie ist", sagte Prof. Steuber, Martiniklinik Hamburg. Bei der Messung des so genannten PSA-Wertes dauere es bis zu zwölf Wochen, bis sich ein Therapieerfolg feststellen lässt. "Mithilfe der zirkulierenden Tumorzellen können wir innerhalb von drei bis fünf Wochen sehen, ob die Behandlung anschlägt."
September 2013



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