Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Ist die Einnahme von Selen bei einer Bestrahlung des Prostatakarzinoms schädlich?

21.2.2011

Eine interessante Frage.

Die kann man weder mit einem klaren Ja noch mit einem deutlichen Nein beantworten. Ein entschiedenes vielleicht trifft hier wohl eher.
Zunächst einmal kommt es auf die Dosis an. Danach muß überlegt werden: Was will ich mit der Einnahme von Selen erreichen?

Die Einnahme von Selen parallel zur Bestrahlung wird häufig empfohlen, weil dadurch freie Radikale, die bei der Bestrahlung entstehen, eliminiert würden. Zugleich soll Selen helfen, die mitbestrahlten gesunden Zellen wieder zu reparieren.

Meine Überlegung geht jetzt dahin: Alles, was hilft, den Reparaturmechanismus der gesunden Zellen zu fördern, stoppt nicht ab, wenn diese "Reparaturhilfs-"Stoffe auf eine Tumorzelle treffen. Das heißt, möglicherweise ist die Gabe von Selen vor und während einer Bestrahlung sogar kontraproduktiv und verhindert, verzögert das Ziel, kranke Zellen zu eliminieren. D.h. während einer Bestrahlung könnte es sein, dass die Gabe von Selen mehr schadet als dass sie nutzt.

Noch etwas Grundsätzliches:
Selenit-(selenase)-behandelte Normalgewebszellen (Fibroblasten) wiesen bei Bestrahlung eine höhere Überlebensrate auf als nichtbehandelte. Normale Zellen werden offenbar durch eine Vorbehandlung mit Natriumselenit vor Bestrahlung geschützt, Tumorzellen nicht. siehe auch Selen bei Prostatakrebs

Denkbar ist die komplementäre Natriumselenittherapie für Patienten mit Strahlennebenwirkungen, die medikamentös bisher kaum beeinflußbar waren.

Bitte jedoch bedenken: Eine der größten Untersuchungen, auf der viele Erwartungen ruhten, war die SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial). Mehr als 35.000 Männer ab 50 Jahren hatten seit 2001 an dieser US-Studie teilgenommen, die nachweisen sollte, dass mit Vitamin E und dem Element Selen Prostatakrebs vorgebeugt werden kann. Im Oktober 2008 wurde die Studie vorzeitig abgebrochen, da sich in einem Zwischenbericht nicht die erhofften Ergebnisse, sondern im Gegenteil zwei alarmierende Trends abzeichneten: Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die täglich verabreichten 400 Milligramm Vitamin E das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, begünstigten, statt es zu senken. Und die 200-Mikrogramm-Tagesdosis Selen geriet in den statistischen Verdacht, das Diabetesrisiko zu erhöhen.

Und das meinen Experten: Man darf nicht glauben, dass Komplementärmedizin von sich aus gut und harmlos ist!

Februar 2011


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