Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Abiraterone Erfahrungen

18.2.2012

..gabt es bislang nur Ergebnisse der PhaseIII Studien, nunmehr aber auch Erfahrungsberichte Betroffener.

Mit Abiraterone ist erstmals eine Hormontherapie möglich, die beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom einen Überlebenvorteil möglich macht.

In der doppelt blinden PhaseIII-Studie COU-AA-301 wurden 1195 Patienten mit Abiraterone+10mg Prednison gegen Placebo+10 mg Prednison geprüft. 90% der Patienten hatten Knochenmetastasen, die Hälfte war symptomatisch, mittleres PSA lag bei 130ng/ml.

Das Gesamtüberleben verlängerte sich in der Abirateronegruppe von 11,9 auf 14,8 Monate im Mittel.

Nebenwirkungen waren bei knapp einem Drittel der Probanden Störungen des Wasserhaushaltes, bei rd. 13% kardiale Funktionsstörungen und bei rd. 10% Bluthochdruck bzw. Leberfunktionsstörungen.

Es besteht Hoffnung, dass Abiraterone sich als Medikament bei kastratiobsresistentem Prostatakarzinom auch vor einer Chemotherapie mit Docetaxel wird durchsetzen können. Studienergebnisse dazu wird es möglicherweise noch in 2011 geben.

Frage eines Patienten auf dem Julitreffen der SHG in Münster:
Gibt es eine Möglichkeit, Abiraterone im Rahmen eines Härtefallprogramms zu erhalten?
Dr. Bögemann, Uniklinik Münster:
Nein, denn das Härtefallprogramm ist mit der Zulassung von Abiraterone durch die FDA am 14.04.2011 beendet, weil man in Deutschland Abiraterone nunmehr über die internationale Apotheke beziehen kann. Die Kostenübernahme muß mit der gesKV vorher als Einzelfallantrag geklärt werden.

Hinsichtlich der Zulassung von Abiraterone für Deutschland wird derzeit von Mitte September ausgegangen.

Zulassung
Europäische Zulassung für Krebsmedikament Zytiga® (Abiraterone) 07.09.2011 Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) darf sein Prostatakrebsmittel Zytiga® auch in Europa auf den Markt bringen. Nach der US-Gesundheitsbehörde FDA im April gab nun die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in einem beschleunigten Verfahren grünes Licht für das Medikament.

Prof. Miller, Charite, und Prof. Wolff, Viersen: CTC (Zirkulierende Tumorzellen) ist ebenfalls prognostischer Marker

Erfahrungsbericht 1
möchte meinen Beitrag zu Abiraterone fortsetzen. Am 20.06.2011 fing ich mit 76,44 PSA an, jetzt am 30.01.2012 ist mein PSA auf 18,92 gefallen. Dafür sind meine Nebenwirkungen erheblich. Schweißausbrüche, Schwindelgefühle, Atemnot beim Treppensteigen, Herzklopfen, Hitzewallungen,Taubheit in Händen und Füßen.
Man sagte mir, dass die Symptome ähnlich wie bei der Chemo sind. Hoffe dass, die Quälerei sich lohnt und der PSA weiter fällt.
(aus dem BPS-Forum)

Erfahrungsbericht 2
mein Freund hatte in den Jahren 2007 - 2010 5 Zyklen Chemotherapie mit jeweils 13 - 20 Infusionen bis er Anfang 2011 chemorestistent wurde, was derzeit eine der Bedingungen für den Einsatz von Abiraterone ist. Nach dem Beginn der Abiraterone-Behandlung ein erfreuliches Ergebnis:
31.8.2011 PSA 1.221
22.9.2011 PSA 628
nach weiteren 14 Tagen der Abiraterone-Einnahme sank der PSA-Wert von 628,5 dann auf auf 348,9!
22.01.2012 der PSA-Abfall bei meinem Freund hat sich unter der Behandlung mit Zytiga® (Abiraterone) zwar verlangsamt, aber er hält an. Jetzt steht PSA auf 250!
Zu beachten ist, dass Abiraterone (Zytiga®) zusammen mit Prednison und einem LHRH-Hemmer verabreicht wird!
Nebenwirkungen hat er durch Abiraterone so gut wie keine. Die derzeitigen Nebenwirkungen wie Geschmacksverlust und Polyneuropathien rühren noch von den vorausgegangenen Chemotherapien her.
(aus dem BPS-Forum)

Erfahrungsbericht 3
Die PSA Werte erreichten (bei meinem Vater) Ende 2010 einen Wert von 1350, die Hämoglobin Werte waren ständig tief, er erhielt dreimal eine Bluttransfusion. Wir warteten lange auf Abiraterone, von dem wir schon viel hörten, und es war ein kleines Wunder, dass er Ende Januar 2011 in das Härtefallprogramm kam. Vor allem aufgrund der Anämie war es fraglich, ob dies gelingt, und seine Prognosen waren äusserst schlecht.
Was dann folgte, war für uns allerdings dann ein grösseres Wunder. Seine PSA Werte sanken innert 6 Wochen auf 300, im weiteren Verlauf dann sogar auf etwas unter 200, die Blutwerte stabilisierten sich (es war keine Bluttransfusion mehr notwendig). Viel beeindruckender war aber die nach etwa 2 Monaten einsetzende Verbesserung seines Allgemeinzustandes. Die Schmerzen verschwanden....., er hat mehr als 10kg zugenommen, Rollator ist kein Thema mehr, der Stock eher noch eine Absicherung, und er arbeitet wieder im Garten. Er hat diesen Sommer sogar mehrere Male den Garten selber gemäht, was ich für unmöglich gehalten hätte. Die Verbesserung ist ihm auch sehr deutlich anzusehen...... Leider sind die PSA Werte schon wieder am Steigen begriffen (April 190, Mai 220, Juni 340, Juli 360), vor allem zwischen Mai und Juli stieg er fast um 50%, glücklicherweise blieb PSA dann in dem Bereich; ich weiss nicht genau, was wir davon halten sollen, aber auf jeden Fall besser, als ein weiterer deutlicher Anstieg. Positiv ist aber, dass die alkalische Phosphase von anfangs 428 ständig sank und noch immer sinkt, momentan liegt sie bei 198. Und sein subjektiver Zustand bessert sich noch immer.
Der Onkologe meinte übrigens, dass Abiraterone auch bei seinen anderen Patienten gut wirke (vor allen anfangs), dass es allerdings lange nicht bei jedem so gut wirke wie bei meinem Vater.
(aus dem BPS-Forum)

Erfahrungsbericht 4
Ein Arzt berichtet u.a......wir sehen grob 3 Ansprechgruppen:
1) die mit dramatischem Rückgänge des PSAs, die scheinen eine lange Remission zu haben.
2) schnelles Versagen der Therapie mit schnellem PSA-Anstieg und radiologischer Progression, Patienten fühlen sich "krank".
3) PSA springt hoch, aber die Patienten fühlen sich wohl, und es zeigt sich keinen radiologische Progression. Die Therapeuten müssen sehr geduldig mit den Patienten dieser letzten Gruppe sein. Ich hatte einen Patienten, sein PSA sprang von 200 auf 500 für 21 Monate, aber er fühlte sich gut, und so blieb das Medikament. Im 22. Monat sank sein PSA auf <30 und blieb dort, bisher 2 Jahre.
Ich fange an zu prüfen, ob zirkulierende Tumorzellen (CTC) mir bei diesen Patienten helfen. Wenn Patienten auf ZYTIGA® Schwäche entwickeln, müssen die Phosphor Serumwerte überprüft werden, sehen wir immer öfter.
(Aus dem BPS-Forum)

Ergänzende Information
Es wurde verschiedentlich in den Foren die Frage gestellt: Kann man Abiraterone auch zusammen mit Essen einnehmen?
NEIN!
In der Abiraterone-Verordnung steht klar, dass es nicht zusammen mit Nahrungsaufnahme eingenommen werden sollte, 1 g täglich, eingenommen ohne Essen.
In einem Video von Snuffy Myers, USA, wird ebenso wie von Dr. Potter bestätigt, dass Abiraterone bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme den Blutwert dramatisch erhöht. Nimmt man das Medikament mit fetthaltigem Essen ein, kann sich der Serumwert auf das 10 bis 20 fache erhöhen!
Janssen-Cilag, der Hersteller des Medikamentes läßt verlauten:Die Medikamentenaufnahme durch das Verabreichen in nüchternem Zustand zu kontrollieren ist eine vernünftige und erprobte Vorgehensweise; es wäre unverantwortlich, zu irgendeiner anderen Praxis zu ermuntern, die breite, unvorhersehbare Abweichungen bei der Wirkung der Medikamente zur Folge haben und die Sicherheit und Wirksamkeit lebensverlängernder Medikamente beeinträchtigen könnte.

März 2011/aktualisiert im Juli 2011/ergänzt im September 2011/aktualisiert im Januar 2012/ Februar 2012

 

 

 

Ergänzung:

Seit Ende 2012 Abiraterone (Zytiga), ein oraler Androgen-Biosynthese-Inhibitor, in Kombination mit Prednison/Prednisolon nicht nur bei mCRPC-Patienten nach Versagen von Docetaxel, sondern auch bei nicht oder mild symptomatischen mCRPC-Patienten nach Versagen der Androgendeprivation eingesetzt werden, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist.

In einer sogenannten Günstige-Prognose-Gruppe (Patienten mit niedrigem PSA-Wert und ohne Schmerzen) reduzierte Abirateron gegenüber Placebo die Sterblichkeit signifikant um fast 40%. Ins Auge fiel die Überlegenheit von Abirateron gegenüber Placebo sowohl in der Gesamt- als auch in der Günstige-Prognose-Gruppe beim radiologisch progressionsfreien Überleben, sowie bei weiteren Endpunkten wie z.B. der mittleren Zeit bis zum Beginn einer Opiattherapie aufgrund tumorbedingter Schmerzen.
08.12.2013 WDF

Gleason Score lässt Aussage über Ansprechen auf Abiraterone zu

dazu Prof. Martin Schostak, Magdeburg:

"Früher hat man sich als Urologe auf die Substanz mit dem besten progressionsfreien Überleben gestürzt - doch ist diese Substanz für meinen Patienten dann wirklich das Richtige?" Bzgl. der Zweitlinientherapie mit Cabazitaxel oder Abiraterone (Zytiga) meit Prof. Schostak, es gäbe Anzeichen,  dass ein schlechter Gleason-Score von 8-10 ein schlechtes Ansprechen auf Abiraterone bedeuten könne, sodass diese Patienten lieber eine weitere Chemo erhalten sollten.
08.12.2013 WDF

CTC bei Abirateronetherapie,
dazu Prof. Martin Schostak, Magdeburg:

"Die Bestimmung der zirkulierenden Tumorzellen (CTC), die mit 300 Euro pro Patient monatlich zu Buche schlagen, sollten in Studien (Meine Anmerkung: auch bei der Behandlung bei meinem Urologen, und auch wenn dem dass nicht immer einleuchtet oder er nichts davon hält. Mein Argument: Es geht um mein Leben und darum, noch ein wenig Zeit zu gewinnen vor dem Einbiegen in die Zielgerade!) immer mitbestimmt werden, um endlich ein Instrument für den erfolgreichen Therapieverlauf an der Hand zu haben. Auch Tissue-proliferierende Faktoren (TSSM, das sind Entzündung z.B. CRP-Wert, Infektionen, Blutgerinnung ), die Alkalische Phophatase und der Testosteron-Wert bieten prognostische Hinweise. Unzuverlässig dagegen ist der PSA-Wert."
08.12.2013 WDF

 

Ergänzung:

Fazit meiner Beobachtung in der hiesigen SHG: Die Sequenztherapie, zunächst Abiraterone, dann Enzalutamid, scheint nur bei wenigen Betroffenen zu greifen.

Nach Abiraterone waren bei zwei Betroffenen die Ansprechraten auf Enzalutamid nicht zufriedenstellend. Beide sind kurze Zeit später verstorben. Bei einem weiteren Betroffenen scheint die Therapie zu greifen, nur, dieser Betroffene hat schon früh, d.h. mit PSA bei 20 ng/ml, mit Abiraterone begonnen und erst nach erneutem Ansteigen von A. auf Enzalutamid gewechselt. Auch diese Therapie scheint zu greifen. Habe allerdings im Moment keine Rückkopplung mit dem Betroffenen, d.h. keine Daten.

15.11.2014 WDF

Folgende Frage stand an: Muß ich ein Cortison mit Zytiga kombinieren?

 

Mir zugängliche Informationen sagen:
Abirateron erhöht die Mineralocorticoid-Spiegel, was zu Hypertonie, Hypokaliämie und Flüssigkeitsretention führen kann (und zumeist auch tatsächlich so erfolgt). Die Inzidenz und Schwere dieser Nebenwirkungen kann durch die gleichzeitige Gabe eines Glucocorticoids verringert werden, da diese die Ausschüttung des adrenocorticotropen Hormons (ACTH), unterdrücken. Deshalb müssen zusätzlich täglich 10 mg Prednison oder Prednisolon (Cortison) eingenommen werden. Sofern die Patienten die gleichzeitige Behandlung mit Prednison oder Prednisolon absetzen (warum eigentlich? Z.B. wegen Diabetes?) muss der Mineralcorticoidspiegel (vermutlich engmaschig) überwacht werden.

Alternative lt. Urologe fs im BPS Forum: nach Enzalutamid (Xtandi) wechseln, greift nicht die Nebenniere an, und es ist auch keine zusätzliche Cortisongabe erforderlich.

11.12.2014 WDF

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 



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