Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Markerprofil

10.4.2011

Die heutige Behandlung von Prostatakrebspatienten basiert nicht zuletzt auch bedingt durch die S3-Leitlinie auf mehr oder weniger einheitlichen Therapieplänen für alle Patienten. Manchmal habe ich den Eindruck, die wenigen Therapievariationen werden "ausprobiert". Und genau das ist es, was nach meiner laienhaften Ansicht der Bekämpfung individuell unterschiedlicher Tumoreigenschaften nicht entspricht. Es fehlt die maßgeschneiderte Therapie. Es fehlen Informationen zu individuellen molekularen Markern. Sprechen wir das in den urologischen Praxen an, stoßen wir auf Unverständnis und wir hören dann nicht selten: Was wollen Sie denn damit? Was soll das denn bringen?
Für mich eine völlig unbefriedigende Situation, bin ich doch der Ansicht, dass eine bessere Ansprechrate der verordneten Therapien aufgrund besserer Kenntnis des "Feindes " die Überlebensrate wird steigen lassen. Ebenso wird sich die Lebensqualität verbessern lassen.

Dem Nachweis von tumorspezifischen Proteinen mit Hilfe von Antikörpern kommt deshalb bei der Diagnostik in der Onkologie zunehmend mehr Bedeutung zu. Markerprofile (Tumormarkerprofile) können helfen, den Tumor besser zu ncharakterisieren, denn krebsspezifische Marker, die sicher zu diagnostischen Zwecken genutzt werden können, gibt es auf allen Ebenen der Zellregulation. Ich erinnere hier an einen Vortrag von Prof. Reichelt vor dem BPS-Kongress.

Zum besseren Verständnis aber zunächst die Interpretationen zu den Begriffen Markerkombination, Markerspektrum und Markerprofil.

Markerprofil ist die bewußte Auswahl von Tumormarkern im Vorfeld einer immunhistochemischen Untersuchung
Markerspektrum ist das Gesamt-Ergebnis einer solchen Untersuchung
Markerprofil sind die charakteristischen Merkmale der Marker eines Tumors.

Die Auswertung einer histochemischen Untersuchung wird bei den Färbeergebissen wie folgt eingeteilt:

Interpretation Färbeergebnis Stufe Anteil angefärbter Tumorzellen Ergebis
0 keine Anfärbung negativ
1 0 - 10 Prozent schwach positiv
2 10 - 50 Prozent positiv
3 größer 50 Prozent stark positiv

Und so könnte das Markerprofil eines Betroffenen mit Prostatakrebs aussehen:

- Androgerezeptor: 2
- Chromogranin A: negativ
- BCL-2: 3
- VEGF-R: 3
- COX-2: 3
Aus der Beurteilung des Experten:
Es ergeben sich keine Hinweise auf eine Überexpression des Androgenrezeptors im Sinne eines hypersensitiven Rezeptormechanismus. Der hier vorliegende Tumor zeigt keine neuroendokrine Differenzierung. Die Überexpression von COX-2 ist ein Risikofaktor für die Strahlenresistenz. Mögliche therapeutische Targets sind COX-2, BCL-2 (Taxotere) und VEGF-R.

April 2011


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