Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Taxotere

03.8.2010

Estracyt in höherer Dosierung als Monotherapie ist so gut wie eben eine Chemotherapie bei Prostatakrebs wirken kann: sehr schlecht oder überhaupt nicht. Harte Cytostatika stürzen sich auf schnell wachsende Zellen und töten sie ab. Wir haben aber einen sehr langsam wachsenden Krebs.

Harte Chemotherapeutika in hoher Dosierung taugen nicht als Waffe gegen PK. Es ist unverständlich weshalb Ärzte diese immer noch anwenden. Sie fügen den Patienten Schaden zu, verlängern nicht die Lebenszeit und können auch sonst keinen Erfolg damit erzielen. Als Patient sollte man den Einsatz solcher Therapienprotokolle ablehnen.

Anders sieht es mit einer speziellen Chemotherapie mit Taxotere aus. Es gibt in Deutschland mehrere Universitäten und Institute, in denen Studien mit Taxotere durchgeführt werden. International haben sich nach derzeitigem Wissen im wesentlichen zwei Therapieprotokolle als effektiv herausgestellt:

1. Die gering dosierte Chemotherapie mit Taxotere, Estracyt, Carboplatin und Dexametasone. Drei Wochen hintereinander jeweils einmal pro Woche verabreicht in der geringen Dosis, dann eine Woche Pause, dann jeweils wieder den Monatszyklus wiederholt über 3, 4 oder 5 Monate. Weitere Zusammenhänge und Details bitte dem Vortrag von Dr. Leibowitz zu entnehmen, der in der BPS Website unter "Therapie" nachzulesen ist.

2. Das Thomasz Beer Protokoll mit hochdosiertem Calcitriol und Taxotere. Auch das ist in dem vorgenannten Vortrag angesprochen.

Diese Angaben sind natürlich nur Anhaltspunkte und kein Vorschlag oder gar Ersatz für eine individuell zugeschnittene Therapie.

Ärzte, die eine oder auch beide Therapieprotokoll-Varianten schon mal bei Patienten durchführen, gibt es in Deutschland, obwohl sie immer noch das Risiko eingehen, sich mit Gerichten wegen der Bezahlung von Taxotere herumschlagen zu müssen. Eigentlich sind wir aber schon einen guten Schritt weiter. Manche Ärzte tun viel für ihre Patienten, die ohne Taxotere sehr bald ihrem Lebensende entgegen sehen müssen. Das gilt für Urologen und Onkologen.

(Beitrag von Dipl.-Ing. Christian Ligensa als Antwort auf eine konkrete Anfrage zu Thema Taxotere)

Ergänzung: Bei der Therapie von Männern mit androgen-unabhängigem metastasiertem Prostatakarzinom in Kombination mit Prednison ist Taxotere zugelassen, die ges, Krankenkassen übernehmen die Kosten.

In anderer Kombinationen (z.B. mit Calcitriol oder Estramustin) oder mit frühzeitiger Chemotherapie ist Taxotere keine Kassenleistung.

Juli 2005

Ergänzung:
Docetaxel hemmt die Teilung von Krebszellen, indem es im Wesentlichen das innere Zellskellett, das aus Mikrotubuli besteht, „einfriert". Während eines Zellzyklus kommt es zum Aufbau und zur Depolymerisation der Mikrotubuli. Docetaxel begünstigt den Aufbau der Mikrotubuli und hemmt deren Polymerisation; so wird die Zellteilung verhindert, was zum Absterben einiger Krebszellen führt.

Ergänzung:
Im Unterschied zu anderen Tumorarten spricht das HRPC nach einer Therapiepause erneut auf die Docetaxel-Therapie an. Die intermittierende Gabe von Docetaxel scheint eine Therapieform darzustellen, die sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten auf gute Akzeptanz stößt. Hinsichtlich der lebensqualität schienen sich Patienten mit HRPC durch die Pausen weniger im Alltag eingeschränkt zu fühlen, weil sie offensichtlich über eine flexiblere Alltagsplanung verfügten.

März 2006

Ergänzung:
in einem Expertenforum war zu lesen, "....allerdings muss man wissen, dass eine effektive Taxoterebehandlung eigentlich selten ohne Blutbildveränderungen einhergeht."

letzte Überarbeitung: Juli 2006

weitere Ergänzung - Taxotere und Thalidomid -

Dazu Prof. Heidenreich, Aachen, anläßlich einer Expertensprechstunde:

Es gibt klinische und wissenschaftliche Untersuchungen, die Taxotere und Thalidomid zusammen geben. Diese Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kombinationstherapie bezgl. des Ansprechens und der Überlebenszeit bessere Ergebnisse zeigen als die Gabe von taxotere allein. Thalidomid hemmt in der Kombinationstherapie die Neubildung von Blutgefäßen durch die Prostatakrebszellen.

Auf die Frage: Wie oft kann eine Taxoterebehandlung wiederholt werden? antwortete Prof. Heidenreich wie folgt:

In aller regel wird Taxotere zunächst über sechs bis acht Wochen dreiwöchentliche Therapiezyklen gegeben.
Kommt es nach initialem Ansprechen zu einem erneuten PSA-Anstieg, kann die Gabe von taxotere zwei bis drei Mal über erneut sechs bis acht Gaben a drei Wochen weiderholt werden. Es ist damit zu rechnen, dass auch bei wiederholter Gabe ca. 70 Prozent der patienten ansprechen.

Ergänzung im August 2010

Zur Wirksamkeit einer Therapie mit Taxotere sagt Urologe fs im BPS-Forum im August 2014:

Ich habe einigen, recht jungen, durchmetastasierten Patienten - alle PSA weit über 1000 - in den Jahren 2001 bis 2003 von Anbeginn Taxotere dazugegeben (seit 1996 verfügbar)  und alle sind nach 6 bis 9 Monaten in den nicht messbaren PSA-Bereich gekommen und leben heute noch!
Damals noch individuelle Heilbehandlung und von den Kollegen der Umgebung für wahnsinnig erklärt, bestätigt diese Studie aber meine ganz persönlichen Erfahrungen.

Meine Empfehlung ist, Patient jung (biologisch, nicht unbedingt nach Jahren) und sonst ohne wesentliche Erkrankungen UND hohe Metastasenlast.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Dosierung dann auf 60 mg/m2 oder 40 mg/m2 vierwöchentlich reduziert keinen Unterschied machte, aber die Nebenwirkungsrate drastisch runter geht.

Ausserdem würde ich nach spätestens 6 Zyklen Taxotere aussetzten.

Quelle des Zitates von fs: BPS Forum August 2014

26.08.2014 WDF

 



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