Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Cabazitaxel Erfahrungen

28.2.2012

Bei Patienten mit hormonrefraktärem Prostatakarzinom sieht Prof. Heidenreich, Aachen, eine vielversprechende Alternative in der Substanz Cabazitaxel.

Das Cabazitaxel gehöre zu den Medikamenten, bei dem die Nebenwirkungen nicht unterschätzt werden dürfen. Dr. Stefan Machtens, Bergisch Gladbach.

Man müsse, so Dr. Steuber, Martiniklinik Hamburg, auf dem BPS-Kongress in 10/210 in Magdeburg, aber auch kritisch genug sein und sich das Nebenwirkungsspektrum anschauen, insbesondere sind das hier die Grad 3 Nebenwirkungen, Febrile Neutropenie, d.h. Unterdrückung des Knochenmarks, was zu Fieber und bedrohlichen Entzündungszuständen führen kann, durch diese Therapie, bei 7,5% der Patienten. "Das ist ganz schön viel im Vergleich zu anderen Chemotherapeutika." Ebenso hatten 6,2% der Patienten Grad 3 Durchfälle. "Das sind Daten, die man sehr sorgfältig mit dem Patienten besprechen muß" Diese Nebenwirkungen sind behandelbar, "aber man sollte die Patienten nur dort behandeln, wo sehr viel Erfahrung vorhanden ist."

Die häufigsten Nebenwirkungen der Substanz sind die febrile Neutropenie – hier auch Toxizitäten höherer Grade – sowie Durchfall, Fatigue und Asthenie.
Info Uni Essen

Die Behandlung mit Cabazitaxel verursachte eine hohe Rate an Neutropenien Grad 3/4 (81,7 %) gegenüber 58 % mit Mitoxantron und febriler Neutropenien (8,5 % vs. 1,3 %). Die beobachteten Toxizitäten machen eine engmaschige Kontrolle und Auswahl geeigneter Patienten notwendig.
(Quelle: Satellitensymposium mit Fachpressekonferenz Aktuelle und zukünftige Behandlungsstrategien beim mCRPC am 23.09.2010 in Düsseldorf, anlässlich des DGU-Kongresses. Veranstalter: Sanofi- Aventis GmbH.)

Lt. Prof. Heidenreich, Aachen, sei die hohe Rate von Grad -3 bzw. Grad 4- Nebenwirkungen bei rd. 57% der Patienten zu beachten, in erster Linie seien das Neutropenien, febrile Neutropenien und ausgeprägte Diarrhoen, die eine sofortige Therapie erfordern. Die Infusion von Cabazitaxel kann zu ausgeprägten allergischen Reaktionen führen. Es würde sich eine prätherapeutische 3-fach-Prophylaxe vor jeder Applikation empfehlen (womit hat Prof. Heidenreich nicht näher erklärt.)

Aus einem Interview mit Prof. Dr. med. Oliver Sartor, Tulane Medical School, New Orleans, USA, Studienleiter der TROPIC-Studie für Nordamerika; Prof. Oliver Sartor zu Nebenwirkunmgen bei Cabazitaxel:
In der TROPIC-Studie wurde Cabazitaxel/Prednison mehrheitlich als Zweitlinienchemotherapie und bei manchen Patienten sogar als Dritt- oder Viertlinientherapie angewandt. Generell war Cabazitaxel gut verträglich. Bei der Behandlung mit Cabazitaxel sollte jedoch auf zwei Nebenwirkungen besonders geachtet werden. Erstens entwickeln 7,5% der Patienten eine febrile Neutropenie dritten oder vierten Grades. Dabei handelt es sich um eine potenziell ernsthafte Komplikation, die von den Ärzten berücksichtigt werden sollte. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt der Cabazitaxel/Prednison-Therapie. Zur Behandlung der febrilen Neutropenie eignet sich der hämatopoetische Wachstumsfaktor G-CSFd, der bei Auftreten in der TROPIC-Studie gemäss den ASCO-Guidelines verabreicht wurde. Mit dieser Massnahme konnten die Cabazitaxel-Zyklen eingehalten werden, womit auch der maximale Therapieerfolg sichergestellt wurde. Die zweite Nebenwirkung ist die Diarrhoe dritten und vierten Grades, die bei 6% der behandelten Patienten auftrat. Sie kann zu einer potenziellen Dehydrierung der Patienten führen und mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr verhindert werden. Abschliessend möchte ich noch anmerken, dass es noch viel zu untersuchen gibt. So sollte beispielsweise zukünftig geklärt werden, ob sich Cabazitaxel mit anderen Therapieoptionen, z. B. «targeted therapies» kombinieren lässt und wie gut die mCRPC-Patienten davon profitieren können.
(Interview und Redaktion: Dr. Ellen Heitlinger, H+O communications ag, Baar)

Apotheker Dr. Hans-Peter Lippp, Tübingen:
In vielen Studien ist inzwischen eindrucksvoll belegt worden, dass die Gabe von G-CSF-Präparaten (zum Beispiel Neupogen, Ratiograstim, Nivestim, Granocyte)nicht nur signifikant die Dauer und Schwere einer Chemotherapie-induzierten Neutropenie, sondern auch das Risiko kritischer febriler Phasen während der Neutropenie und somit die Notwendigkeit der Notaufnahme und Gabe von Breitspektrum-Antibiotika reduziert.
Standardmäßig werden G-CSF-Präparate zur Sekundärprophylaxe eingesetzt, wenn nach den ersten Therapiezyklen eine febrile Neutropenie (FN) auftritt.

(aus: Pharmazeutische Zeitung, Beitrag erschien in Ausgabe 25/2011)

Prof. Stenner, Universitäts-Spital, Zürich auf die Frage:
Die febrile Neutropenie ist die häufigste schwerwiegende Nebenwirkung. Würden Sie die Cabazitaxel-Behandlung mit G-CSF unterstützen?
PD Dr. F. Stenner: Das ist eine wichtige Frage, die unter den Onkologen diskutiert wird. Die ASCO-Richtlinien besagen, dass ab einem Neutropenie-Risiko von 20% G-CSF prophylaktisch verabreicht werden soll. Somit würde ich mich an das Protokoll der TROPIC-Studie halten und G-CSF nicht prophylaktisch, sondern erst dann einsetzen, wenn es aufgrund des Blutbildes oder einer vorangegangenen Neutropenie notwendig ist. Die Onkologen und mCRPC-Patienten sollten aufgrund möglicher Nebenwirkungen wie der febrilen Neutropenie nicht auf die Cabazitaxel-Therapie verzichten.
Interview und Redaktion: Dr. Ellen Heitlinger, H+O communications ag, Baar

Die Pharmazeitische Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe 18/2011, dass laut Fachinformation innerhalb der TROPIC-Studie eine Subgruppe von 59 Patienten (29 im Cabazitaxel-Arm und 30 im Mito-xantron-Arm) vorher eine kumulative Dosis von weniger als 225 mg/m2 Docetaxel erhalten hatte. In dieser Subgruppe gab es keinen signifikanten Unterschied in der Gesamtüberlebenszeit, was ein Argument dafür sein könnte, nicht zu früh von Docetaxel auf Cabazitaxel zu wechseln.

Ergänzung:
Im BPS-Forum wurde von unserem SHG-Kollegen aus Hamburg folgender Erfahrungsbericht mitgeteilt:

Hier ein Kurz-Bericht über einen Mitstreiter, der seit längerem (Beginn der Geschichte schon 1994 mit OP) bei Knochenmetastasierung um sein Leben kämpft. Der behandelnde Onkologe, der ihn schon lange kennt, hat auf die volle Dosis verzichtet, weil er ihn sonst töten würde, gibt eine reduzierte Dosis und das nur alle 14 Tage.

Das Erstaunliche, berichtet der Kollege, ist, dass er keinerlei Nebenwirkungen hat. Kein Erbrechen, kein Durchfall, keine Magenschmerzen und auch keine überbordende Müdigkeit. Er ist auch nicht bettlägrig. Kein Vergleich zu einer Taxotere-Chemo etwa Anfang 2011, wo es ihm richtig schlecht ging.

Der PSA Wert ist nach der ersten Infusion von 12.500 auf 9.500 gesunken. Nach der zweiten Infusion von 9.500 auf 5.300. Der behandelnde Onkologe meint, dass sei der beste Beweis, dass auch diese niedrig dosierte Therapie wirkt.

Zu dieser Meldung passt auch ein Beitrag von Frau Dr. Helmich aus Diusburg vor ca. drei Jahren auf dem NRW-Urologenkongress. Sie sagte etwa sinngemäß (Textauszug, mehr steht unter Texte und Downloads auf diser Webseite, Fundstelle Urolgenkongress NRW)
Ältere Patienten profitieren im gleichen Umfang von Docetaxel wie jüngere. Selbst 80-jährige Patienten können mit Docetaxel behandelt werden, betonte Frau Dr. Hellmis. Durch Körperfettzunahme und Wasserhaushalt verändert sich die Chemowirksamkeit. Eine Interaktion mit der Dauermedikation und vor allem mit Eigenmedikationen seien zu beachten. Es bleibe in jedem Fall eine Einzelfallentscheidung, die aber in keinster Weise vom kalendarischen Alter des Patienten abhängt,

Bei Docetaxel ist es angebracht, die Zyklenanzahl aufzutitrieren und erst bei dritten Durchgang der Chemotherapie bei 100% zu sein.
Wichtig sei: Die Wirkdosis wird langsam unter sorgfältiger, engmaschiger Beobachtung langsam gesteigert oder gestreckt oder je nach Verträglichkeit und Wunsch beim Patienten auch zwischendurch ausgesetzt.

Im Journal Onkologie war ein Beitrag von Dr. Burkhard Otremba, Oldenburg, auf dem Urologenkongress in Hamburg 2011 zu lesen. Dort empfiehlt Dr. Otremba, 30 Minuten vor der Cabazitaxel-Infusion folgende i.v.-Prämedikation zur Milderung der Nebenwirkungen zu geben:
Ein Antihistaminikum (z.B. Dexchlorpheniramin 5 mg oder Diphenhydramin 25 mg), ein Corticosteroid (z.B. Dexamethason 8 mg), einen H2-Antagonist (z.B. Ranitidin 50 mg) und eine antiemetische Prophylaxe (oral oder i.v.).
Meine persönliche Anmerkung: Das wird m.E. wohl nur bei sehr erfahrenen Uro-Onkologen erfolgen.

Juli 2011/aktualisiert im Januar 2012/Februar 2012

NEU - Ergänzung 2016

Informationen vom ASCO 2016, Chicago USA

Die PROSELICA-Studie zeigte, dass eine reduzierte Dosis von Cabazitaxel (20mg/m²) der bisherigen Standarddosis (25mg/m2)
nicht unterlegen ist, dafür war die Rate an febrilen Neutropenien deutlich verringert.
Die niedrigere Dosis stellt somit den neuen Therapiestandard dar und öffnet diese Therapieoption für eine grössere Gruppe
von Patienten, sagt PD Dr. med. Richard Cathomas aus Chur.

Quelle: Kongressbericht info@onkologie
11.09.2016 WDF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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